28. Mai 2009 Es war das Finale der Superlative, und es triumphierte die hohe Spielkunst des FC Barcelona über die Athletik von Manchester United. 2:0 gewann der spanische Meister am Mittwochabend vor 67.000 Zuschauer im ausverkauften römischen Olympiastadion ein spektakuläres Champions-League-Finale durch Tore von Eto'o (10. Minute) und Messi (70.). Die Katalanen eroberten damit zum dritten Mal nach 1992 und 2006 den großen Silberpokal mit den Ohren; dem Titelverteidiger Manchester aber erging es wie allen, die es im Jahr danach noch einmal versucht haben: Er scheiterte im Endspiel.
Und das verdientermaßen, da Barcelona bis auf eine unruhige Anfangsphase das eindeutig bessere, Fußball-Ästheten begeisternde Team war. Der Argentinier Lionel Messi gewann letztlich auch den Zweikampf der Superstars gegen den nach starkem Beginn frustrierten Portugiesen Cristiano Ronaldo. Und Cheftrainerneuling Josep Guardiola machte auf Anhieb sein Meisterstück par excellence, als er wie 1992 noch als Spieler mit Barcelona die Trophäe in den Himmel über Rom strreckte. Kollege Alex Ferguson muss also noch ein bisschen weiterträumen von seinem dritten Sieg in der Champions League nach den Erfolgen 1999 über Bayern München und 2008 über den FC Chelsea.
Zunächst Manchester besser
Dass die Engländer mit ihrer so oft reifen, ausbalancierten, abgeklärten und effizienten Art, Spiele und Meisterschaften zu entscheiden, in Rom leicht favorisiert angetreten waren, hatte vor allem mit der Vorgeschichte des Endspiels zu tun: Guardiola nämlich musste seine Abwehr fast komplett umkrempeln, da Alves und Abidal, seine beiden Antreiber auf den Außenverteidigerposition gesperrt waren und Innenverteidiger Marques verletzt fehlte. Ferguson dagegen konnte sich aus der Fülle seines 1a-Kaders - bis auf den gesperrten Fletcher - nach Belieben bedienen.
Und anfangs sah es auch so aus, als ob Manchester das Spiel bestimmen könnte. Drei Schreckschüsse feuerte allein Ronaldo ab, darunter einen von Valdes soeben parierten Freistoß (2.). Barcelona aber hielt sich erst gar nicht beim Üben im Vorprogramm auf. Zehn Minuten brauchte Guardiolas Elf zwar, um sich von einer gewissen Nervosität zu befreien - aber dann schlugen die Fußballkünstler gleich bei ihrer ersten Gelegenheit mit kühler Entschlossenheit zu. Der neben seinem Mittelfeldkompagnon Xavi überragende Iniesta verschaffte Eto'o den Freiraum, den er brauchte, und schon stand es nach dem Flachschuss des Kameruners 1:0 für die Katalanen (10.). Ein frühes Tor, das die Verhältnisse auf dem Rasen umkehrte.
Barcelona vergibt Chancen zur frühen Entscheidung
Nun zelebrierte Barca seinen stafettenartigen Kurzpasskombinationswirbel und deckte dabei so manche Staksigkeit bei den United-Abwehrkräften auf. Vidic und Carrick wirkten gegenüber Iniesta, Xavi oder Messi nahezu steif. Auf der anderen Seite beunruhigte nur die explosive Wucht des Portugiesen Cristiano Ronaldo die von Guardiola fürs erste reißfest zusammengestellte Abwehr des FC Barcelona. Für Tempo und Action in dieser vor der Pause oft hochklassigen Begegnung sorgte nach dem Führungstreffer nur noch Barcelona. Doch die Schüsse von Messi (19.) und Xavi (27.) verfehlten knapp das Ziel. So war bei Halbzeit weiter alles drin in einer Auseinandersetzung, für die Manchester noch die richtigen Mittel finden musste.
Ferguson reagierte personell und positionsorientiert, als er zur zweiten Halbzeit den Argentinier Tevez als zweiten zentralen Stürmer für den im offensiven Mittelfeld unscheinbar gebliebenen Brasilianer Anderson einwechselte, Rooney auf die rechte und Park auf die linke Seite versetzte. So sollte der Druck auf die Barca-Defensive wachsen. Doch den verwirrenden Fußball mit Momenten der Magie bot weiter der spanische Meister, auch weil sich durch Fergusons Mut zu mehr Risiko noch mehr Räume öffneten. Drei großartige Gelegenheiten zum 2:0 wurden knapp versäumt. Henry scheiterte an van der Sar (49.), Messi verfehlte eine Hereingabe von Eto'o (50.), und Xavis Freistoß (53.) klatschte gegen den Pfosten. So blieb die deutlich unterlegene Mannschaft weiter im Spiel.
Triumph der Schönheit des Spiels
Ferguson reagierte noch einmal und schickte den ehemaligen Leverkusener Berbatow als Spitze neben Tevez ins Aufholrennen. Park musste gehen (66.), Ronaldo rückte auf links, Rooney ackerte weiter rechts. Barcelona Abwehr knacken und ein Kontertor vermeiden lautete die Devise beim zunehmend verzweifelten Titelverteidiger. Dass auch Manchester das Gesetz der Champions League nicht brechen würde, nach dem ein Titelverteidiger im Jahr danach kein Endspiel gewinnen kann, zeichnete sich in der 70. Minute deutlich ab. Puyol eroberte den Ball, Xavi flankte ihn unbedrängt, und der kleine Leonardo Messi setzte sich beim Kopfball gegen den langen Rio Ferdinand durch: 2:0 hieß es für die Dominatoren dieses Finales, in dem sich die Leichtigkeit des Spiels gegen britische Härte und Verbissenheit elegant und auf faszinierende Weise duchsetzte. Noch einmal besaß Ronaldo (72.) die Chance, Manchester United Hoffnung zu geben, doch diesmal schoss der Portugiese aus kurzer Entfernung vorbei. Es war nicht sein Tag und auch nicht der von Manchester United, das am Ende mit wachsender Grobheit an dem Team scheiterte, das in Europa der Schönheit des Spiels zum Triumph verholfen hat.
Champions-League-Finale in Rom:
FC Barcelona - Manchester United 2:0 (1:0)
Barcelona: Valdes - Puyol, Yaya Toure, Pique, Sylvinho - Xavi, Busquets, Iniesta (90.+2 Pedro Rodriguez) - Messi, Etoo, Henry (72. Keita). - Trainer: Guardiola
Manchester: Van der Sar - OShea, Ferdinand, Vidic, Evra - Anderson (46. Tevez), Carrick, Giggs (75. Scholes) - Park (66. Berbatov), Ronaldo - Rooney. - Trainer: Ferguson
Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)
Tore: 1:0 Etoo (10.), 2:0 Messi (70.)
Zuschauer im Olympiastadion: 67.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Pique - Ronaldo, Scholes, Vidic
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS