07. Dezember 2005 Als der Abschied aus der Champions League besiegelt war, dachte Ralf Rangnick schon an die Rückkehr in die Königsklasse. Jetzt geht es darum, in der Bundesliga die Voraussetzungen zu schaffen, in diesem fantastischen Wettbewerb im nächsten Jahr wieder dabei zu sein, sagte der Trainer von Schalke 04 nach der 2:3 (1:1)-Niederlage im Vorrunden-Endspiel beim AC Mailand, mit der die Königsblauen nur knapp das Achtelfinale verpaßten und in den Uefa-Cup abstiegen.
Anders als vor vier Jahren, als der Vizemeister bei seiner Premiere im Klub der Besten Europas sang- und klanglos ausgeschieden war, soll die Rückkehr diesmal sofort gelingen. Ich finde, es lohnt sich, dafür richtig Gas zu geben, meinte Rangnick und fügte, als die erste Enttäuschung verflogen war, nicht ohne Stolz an: Man hat gesehen, daß wir nicht nur mithalten können, sondern drauf und dran waren, als Gruppensieger weiterzukommen. Ein Tor mehr, und Milan wäre ausgeschieden.
Noch keine Gedanken an Uefa-Cup-Runde
Weil dieser Treffer aber trotz allen Bemühens in der Schlußphase nicht mehr fiel und das zweite Wunder von Mailand nach dem Uefa-Cup-Triumph 1997 gegen Inter ausblieb, heißen die Gegner im nächsten Jahr nicht FC Liverpool, Juventus Turin oder FC Barcelona, sondern Schachtjor Donezk, Litex Lowetsch oder Zenit St. Petersburg. An den Trostpreis Uefa-Cup, in den die Schalker in der Runde der letzten 32 am 15./16. und 23. Februar einsteigen, wollte Rangnick noch gar nicht denken.
Wir haben jetzt noch zwei wichtige Bundesliga-Spiele gegen Mainz und in Stuttgart, dann kommt die Winterpause, und danach erst geht es international weiter, das ist noch lange hin, sagte der Coach, der in der Zwischenzeit gerne mit einer Vertragsverlängerung seine persönliche Basis für eine schnelle Rückkehr in die Champions League schaffen möchte. Doch noch läßt ihn der Vorstand zappeln.
Finanzieller Schaden in Grenzen
Es gibt keinen neuen Stand, erklärte Teammanager Andreas Müller auf dem Rückflug aus Mailand und dementierte damit Meldungen, man sei sich mit Rangnick über ein weiteres Engagement bis 2008 bereits einig. Zunächst wollen die Schalker Verantwortlichen die Entwicklung in der Bundesliga abwarten, in der der Tabellenvierte derzeit vier Punkte hinter Platz drei und der Qualifikation für die Königsklasse zurückliegt.
Denn für den mit über 100 Millionen Euro verschuldeten Traditionsklub ist der erneute Einzug in die Champions-League-Vorrunde im nächsten Jahr wichtiger als der jetzt verpaßte Sprung ins Achtelfinale. Aufgrund eines TV-Vertrages mit dem ZDF für den Uefa-Cup hält sich der finanzielle Schaden durch das Aus in Grenzen. Rund 16 Millionen Euro Bruttoeinnahme hat Schalke nach der Gruppenphase in der Königsklasse bereits sicher, zum Saisonende gibt es aus dem Vermarktungspool der Europäischen Fußball-Union (Uefa) noch eine satte Nachzahlung.
In einigen Szenen fehlte die Cleverneß
Im Achtelfinale der Champions League hätte der Vizemeister weitere fünf Millionen Euro brutto eingestrichen, das kann er nun im Uefa-Pokal nachholen. Eine Runde Champions League bringt so viel wie zwei Runden Uefa-Cup, erklärte Finanzchef Josef Schnusenberg. Und sportlich ist ein Weiterkommen gegen Lowetsch oder St. Petersburg wahrscheinlicher als gegen Barca oder Juve. Dann kann die Rangnick-Elf auch beweisen, ob sie aus den Vergleichen mit den Großen gelernt hat.
Gegen den achtmaligen Europapokalsieger Milan fehlte lediglich in einigen Szenen die Cleverneß. Hamit Altintop etwa vergab früh die große Chance zur Führung, während im Mailänder Starensemble der Brasilianer Kaka nach dem Freistoß-Kunstschuß von Andrea Pirlo (42.) mit den vorentscheidenden Toren zum 2:1 (52.) und 3:1 (60.) seine ganze Klasse unter Beweis stellte. So reichten die Treffer von Christian Poulsen (44.) und Lincoln (66.) am Ende nicht zur durchaus möglichen Sensation.
Gattuso hat sich verhalten wie ein kleines Kind
Das ist der Unterschied. Deshalb ist Kaka Kaka und Hamit Altintop Hamit Altintop, meinte Rangnick, deshalb stehen andere Zahlen vor dem Komma - Marktwert, Ablöse und, ich glaube auch, Gehalt. Schalke sei eben nicht wie beispielsweise Milan in der Lage, im Katalog zu blättern und zu sagen: Den Spieler holen wir. Auch Müller sah Schalke zwar schon nah dran an den Großen der Branche, aber noch nicht auf dem gleichen Niveau: Heute hat sich wieder gezeigt, daß der letzte Tick fehlte.
Daß der Außenseiter den Topfavoriten aber dennoch gewaltig genervt hatte, zeigte sich Sekunden nach dem Abpfiff. Heißsporn Gennaro Gattuso baute sich provozierend vor Poulsen auf, den die Milan-Fans unter den 43.816 Zuschauern bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen hatten. Plötzlich kam es zu Handgreiflichkeiten. Gattuso hat sich verhalten wie ein kleines Kind, meinte Poulsen, dem Milan-Trainer Carlo Ancelotti nach dem Hinspiel (2:2) ständige Provokationen und unfaires Spiel vorgeworfen hatte: Darüber kann ich nur lachen, das war einfach nur peinlich.
AC Mailand - Schalke 04 3:2 (1:1)
Mailand: Dida - Stam, Nesta, Maldini (31. Simic/78. Kaladse), Serginho - Gattuso, Pirlo, Seedorf - Kaka - Inzaghi (85. Gilardino), Schewtschenko
Schalke: Rost - Rafinha, Bordon, Rodriguez, Krstajic (84. Larsen) - Poulsen, Ernst (46. Asamoah) - Altintop, Lincoln, Kobiaschwili - Kuranyi (84. Sand)
Schiedsrichter: Manuel Enrique Mejuto Gonzalez (Spanien)
Tore: 1:0 Pirlo (42.), 1:1 Poulsen (44.), 2:1 Kaka (52.), 3:1 Kaka (60.), 3:2 Lincoln (66.)
Zuschauer: 43.816
Gelbe Karten: Gattuso - Kobiaschwili (3), Rodriguez (2), Ernst, Krstajic, Asamoah
Text: FAZ.NET mit Material vom sid
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