Bayern steht im Uefa-Cup-Halbfinale

Ein Fußball-Krimi mit einem unglaublichen Ende

11. April 2008 Mit einer unglaublichen Aufholjagd und zwei späten Toren von Luca Toni hat der FC Bayern München einen blamablen K.o. im Uefa-Cup abgewendet und sich die Chance auf drei Saison-Titel erhalten. Eine Woche nach dem 1:1 aus dem Hinspiel erkämpfte der designierte deutsche Fußball-Meister am Donnerstag beim Madrider Vorstadt-Klub ein 3:3 (1:1, 1:0) nach Verlängerung und zog ins Halbfinale ein.

Weltmeister Toni traf in der 115. und 120. Minute, nachdem selbst Bayern-Torwart Kahn schon mit dem Mut der Verzweiflung nach vorne gestürmt war, und drehte damit ein schon verloren geglaubtes Spiel. Durch Javier Casquero (91.) und Braulio (93.) war der Europacup-Neuling in der Extra-Spielzeit mit 3:1 in Führung gegangen. In der Vorschlussrunde treffen die Münchner am 24. April und 1. Mai auf Leverkusen-Bezwinger Zenit St. Petersburg. (Siehe: Uefa-Cup: Bayer kommt nicht über Zenit hinaus).

Wie schon beim 1:1 vor einer Woche in München wurden die Bayern zunächst durch ein Tor von Cosmin Contra (44.) geschockt. Vor 16.000 Zuschauern im ausverkauften Coliseum Alfonso Perez, darunter Spaniens König Juan Carlos und Kronprinz Felipe, brachte Franck Ribéry (89.) den ideenlosen Bundesliga-Tabellenführer in die Verlängerung.

Zehn Spanier brachten die Bayern in arge Bedrängnis

Ihren hohen Ansprüchen („Unser Ziel ist das Finale in Manchester“) wurden die Bayern zu keiner Phase gerecht und präsentierten sich bei ihrer Reifeprüfung in kläglichem Zustand. Als die Spanier nur noch zu zehnt waren, machte sich Ratlosigkeit in Reihen des deutschen Rekordmeisters breit, der trotz 70 Prozent Ballbesitz den Gegner nicht in den Griff bekam. Toni und Miroslav Klose, der Lukas Podolski wieder aus der Startelf verdrängt hatte, erhielten aus dem Mittelfeld kaum verwertbare Anspiele.

In einer turbulenten Anfangsphase hätte der FC Bayern für klare Verhältnisse sorgen können. Nach gerade einmal 35 Sekunden erkämpfte Klose den Ball gegen de la Red und passte in die Mitte auf Ribéry, doch der Schuss des Franzosen war zu schwach. Aber auch der erste Warnschuss der Gastgeber durch Contra (2.) ließ nicht lange auf sich warten. Dann jagte Ribéry (8.) einen Freistoß aus 18 Metern an den Pfosten. Unmittelbar zuvor hatte de la Red nach einem harmlosen Rempler gegen den spektakulär fallenden Klose die Rote Karte vom wenig souveränen Schweizer Schiedsrichter Massimo Busacca gesehen.

50-Meter-Solo von Contra zum 1:0

Der Platzverweis brachte jedoch eher die Münchner aus dem Konzept als die Spanier, die wenig später auch noch ihren gefährlichsten Angreifer Ikechukwu Uche wegen einer Muskelverletzung verloren. In Überzahl ließen die Bayern plötzlich die nötige Dynamik und den Schwung vermissen, um die Abwehr des Europacup-Neulings aus den Angeln zu heben.

So mussten die etwa 1000 mitgereisten Anhänger des deutschen Rekordmeisters bis zur 33. Minute warten, ehe sie die nächste Chance durch Martin Demichelis zu sehen bekamen. Kurz vor der Pause wurden die Bayern für ihre Lethargie bestraft. Der Rumäne Contra lief mit dem Ball am Fuß 50 Meter, umkurvte mehrere Abwehrspieler und krönte sein Solo mit einem beherzten Schuss in den Torwinkel.

Einige Bayern-Fans benahmen sich daneben

„Die erste Halbzeit war nicht befriedigend. Wir spielen überhaupt nicht unsere personelle Überlegenheit aus“, ärgerte sich Bayern-Vorstand Karl-Heinz-Rummenigge über den nicht einkalkulierten Rückstand. Einige Bayern-Fans machten ihrem Frust Luft, indem sie in ihrem Block Sitzschalen aus der Verankerung rissen. Die Polizei musste einschreiten.

Nach einer Halbzeit-„Ansprache“ von Trainer Ottmar Hitzfeld starteten die Münchner mit mehr Feuer in die zweiten 45 Minuten, doch der Ausgleich wollte trotz guter Chancen zunächst nicht fallen. In der 68. Minute vergab der frei vor Kahn ausrutschende Braulio sogar das sicher scheinende 2:0. Erst in der 89. Minute gelang dem bis dahin blassen Ribéry mit wuchtigem Schuss der Ausgleich.

FC Getafe - Bayern München 3:3 (1:1, 1:0) n.V.
Getafe: Abbondanzieri - Cortes, Tena, De la Red, Licht - Celestini - Contra (67. Mario Cotelo), Casquero, Gavilan - Uche (21. Belenguer), Manu (62. Braulio). - Trainer: Laudrup
München:
Kahn - Lell (46. Jansen), Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger (64. Sosa), van Bommel, Ze Roberto (75. Podolski), Ribery - Toni, Klose. - Trainer: Hitzfeld
Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)
Tore: 1:0 Contra (44.), 1:1 Ribery (89.), 2:1 Casquero (91.), 3:1 Braulio (93.), 3:2 Toni (115.), 3:3 Toni (120.)
Zuschauer: 16.000 (ausverkauft)
Rote Karte: De la Red nach einer Notbremse (6.)
Gelbe Karten: Toni (3), Lell, Lahm, Podolski



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS

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