Europapokal

Stammplatz zweite Liga

Von Roland Zorn

Richtung Achtelfinale: Schalkes Kapitän Bordon

Richtung Achtelfinale: Schalkes Kapitän Bordon

12. Dezember 2007 Im exklusiven Zirkel der exklusive Deutschland-Repräsentant: Der FC Schalke 04 hat nach zwei vergeblichen Anläufen Zulass gefunden zu den sportlichen VIP-Räumen der Champions League. Das ist schön für den westfälischen Traditionsverein, der so oft schon „zweiter Sieger“ im Kampf um die besten Plätze war. Mehr Bundesliga ging aber wieder einmal nicht, als die Ticketvergabe für das Achtelfinale des begehrtesten Europapokal-Wettbewerbs geklärt war.

Für ganz oben reichte es in der Vergangenheit zuletzt nur beim FC Bayern München verlässlich. Aber auch der Rekordmeister war mit seinem Latein spätestens im Viertelfinale am Ende. Mögen also die Schalker ihre schöne Bescherung für den Moment auskosten, das Ende aller europäischen Träume kann rascher kommen als am Dienstagabend erträumt.

Der Uefa-Pokal: Jahrelang übersehen, jetzt reizvoll

Deutschland hat seinen internationalen Stammplatz ein Stockwerk unter der Beletage gefunden: im Uefa-Pokal-Wettbewerb. Dort werden sich vom Februar an die Bundesliga-Spitzenklubs drängeln wie seit Jahren nicht. Der HSV, Leverkusen und seit Dienstag auch der ChampionsLeague-Absteiger Werder Bremen kicken in der anstehenden K.-o.-Runde weiter mit - die Bayern schließen sich am kommenden Mittwoch höchstwahrscheinlich an, und selbst die in diesen Kreisen eher als Außenseiter geltenden Nürnberger können sich noch für die Runde der letzten 32 qualifizieren.

Das zeigt, dass die momentan auf Platz fünf geführte Bundesliga zumindest nicht am Ende ist, wenn Punkte gutzumachen sind in der Länderrangliste der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Siege im Uefa-Cup zählen in der Konkurrenz um den besten Koeffizienten wie Erfolge in der Champions League. Nun, da das frühe deutsche Scheitern im Prestige-Wettbewerb - Meister VfB Stuttgart hat sich in Barcelona ganz von der Europabühne verabschiedet - eher die Regel als die Ausnahme ist, gewinnt der in Deutschland jahrelang übersehene Uefa-Pokal wieder an Reiz.

Wirtschaftliche Vernunft, gekoppelt mit Herzensnähe zum Fan

Dort wenigstens ist was zu holen, kaum jedoch in der Liga der superreichen oder megaverschuldeten Klubs, deren finanzielle Kraftakte zur Aufrechterhaltung der sportlichen Chance auf den begehrtesten aller Vereinspokale manchmal hochriskant anmuten.

Schalke 04 gehört im Achtelfinale der Champions League zu den wenigen Klubs, die noch in der althergebrachten Vereinsstruktur verwurzelt sind. Zwar gesponsert von den Millionen eines russischen Energiegroßversorgers und dazu jahrelang auch in puncto Ausgaben auf Expansionskurs, regiert im Herzen des Ruhrgebiets inzwischen wieder die wirtschaftliche Vernunft, gekoppelt mit der Herzensnähe zum Fan. Das ist nicht die schlechteste Basis, um die gelegentlichen Ausflüge zu den ganz Großen des Fußballs genießen zu können, ohne daraus die falschen Ansprüche abzuleiten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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