Von Roland Zorn, Berlin
20. April 2008 Teil eins seiner diesjährigen Titelstory hat der FC Bayern München am Samstagabend im mit 74.000 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion mit Verspätung erfolgreich hinter sich gebracht. Durch zwei Tore des unwiderstehlichen Luca Toni (10. und 104. Minute) eroberte der deutsche Fußballrekordmeister erst in der Verlängerung zum 14. Mal den goldig glänzenden DFB-Pokal.
Borussia Dortmund schlug sich mehr als wacker gegen den Rekordpokalsieger, glich sogar Tonis Führungstor in der Nachspielzeit durch Petric aus, doch zum Sieg reichte es nicht mehr ganz. Dennoch zeigten sich die mutigen Westfalen prächtig erholt von der 0:5-Ligaschlappe, die sie vor einer Woche in München hatten hinnehmen müssen.
Nicht überragend, aber das erste von drei Zielen erreicht
Als Bundespräsident Horst Köhler dem Sieger die Trophäe überreichte, feierten wieder einmal nur die Bayern. Sie hatten zwar nicht überragend gespielt, erreichten aber dennoch ihr erstes von drei hohen Zielen im Nachgang. Folgen sollen nun noch die so gut wie sichere deutsche Meisterschaft und der Gewinn des Uefa-Pokals.
Die eindeutige Nummer eins der Fußball-Bundesliga gegen die Nummer dreizehn, schon dieser tabellarische Unterschied wies auf die klaren Verhältnisse an diesem frischen Aprilsamstag hin. Dazu kam noch die deftige Niederlage des BVB am vergangenen Sonntag im ungleichen Bundesligaduell beim kommenden Meister.
Oliver Kahn mit neuem Rekord - sechster Pokalsieg
Wer wollte da noch auf den Dortmunder Trainer hören, der gefordert hatte: Jetzt heißt es Flagge zeigen, Brust raus, ins Olympiastadion einmarschieren und den Pokal holen. Die übermächtigen Bayern mussten sich auf dem Weg zu ihrem vierzehnten Pokalsieg keinen Mut einreden. Eher riefen sie sich, Kapitän Oliver Kahn vorneweg, dazu auf, nun bloß nicht leichtsinnig zu werden.
Gerade der Torwart hatte neben dem ständigen Ehrgeiz des Dauergewinners auch ein persönliches Ziel vor Augen: Pokalerfolg Nummer sechs, deutscher Rekord für einen Einzelnen in einer chronisch gefeierten Siegermannschaft. Titelheld Kahn will jedenfalls zum Abschied von seiner großen Karriere noch einmal Triumphe feiern wie sein vertrauter Chef Ottmar Hitzfeld.
Borussia Dortmund findet sich nur langsam ins Finale
Auch der Trainer, sieben Jahre lang der Mann hinter den Dortmunder Titeleroberungen in den neunziger Jahren, verlässt die Liga zum Saisonende. Da verstand es sich, dass er den DFB-Pokal ein drittes Mal in die kalte Berliner Luft stemmen wollte. Ambitionen, die schon nach zehn Minuten faktisch untermauert waren. Da stand es nämlich für die eine halbe Stunde lang drückend überlegenen Bayern schon 1:0.
Ribéry war auf der linken Seite an Rukavina vorbeigezogen, und bei dessen Hereingabe reagierte Luca Toni, wer sonst, fixer als Dede. Flugs stand es also 1:0 nach dem Flachschuss des Italieners aus kurzer Entfernung. Nur langsam fand der BVB in dieses Finale. Hinten recht ordentlich abgesichert durch die Oldies Kovac und Wörns, trieb vor allem der Pole Jakub Blaszczykowski die Schwarzgelben in ihrem eigens angefertigten Endspieltrikot mutig nach vorn.
Blamabel war es keinesfalls, was der BVB ablieferte
Nach dreißig Minuten des allzu großen Respekts vor dem Gegner hatten sich die Borussen freigespielt. Die Bayern leisteten sich nun genau die Lässigkeiten, vor denen Hitzfeld und Kahn gewarnt hatten. Das Spiel gewann nach dem Wechsel an Format, weil der Abschluss beiderseits zügiger und direkter gesucht wurde. Die Bayern, bei denen außer Toni vor allem Mark van Bommel als Antreiber überzeugte, blieben die etwas bessere Mannschaft.
Sie hatten auch durch Kloses Kopfball eine große Chance (53.), doch Blaszczykowski stand als Retter auf der Linie goldrichtig (53.). Der BVB hielt mit seinen bescheideneren Mitteln beachtlich dagegen und erhöhte den Druck. Bei Kringes Gelegenheiten (66. und 69.) fehlte nicht viel zum Ausgleich. Blamabel war jedenfalls keineswegs, was die Borussen zu bieten hatten.
Nach Kahns Glanzparade schlägt wieder Toni zu
Um so mehr, als der BVB auf den letzten Drücker in der Nachspielzeit noch ausglich, weil Petric mit Philipp Lahms Hilfe den Ball ins Tor stocherte. Der Dortmunder Kampf hatte sich also doch noch gelohnt, und die Bayern zeigten Wirkung. Doch sie fielen nicht wie schon neulich in Getafe. Als Kahn Kringes Gewaltschuss pariert hatte (100.) schlug Toni wieder zu. Angeschossen von Podolski, lenkte er den Ball gegen die Laufrichtung von Torhüter Ziegler ins Dortmunder Netz.
Sein 35. Tor im 41. Pflichtspieleinsatz für die Bayern an der Stätte, an der er am 9. Juli 2006 Weltmeister geworden war. Glück muss manchmal eben auch ein Rekordschütze wie er haben. Pech dagegen hatte der Dortmunder Blaszczykowski, der in der 108. Minute die Gelb-Rote Karte vorgehalten bekam. Damit war die letzte Chance seiner Mannschaft dahin, dem Ganzen noch eine Wende zu geben.
DFB-Pokal-Finale in Berlin
Borussia Dortmund - Bayern München 1:2 (0:1, 0:1) n.V.
Dortmund: Ziegler - Rukavina (79. Buckley), Wörns, Kovac, Dede - Blaszczykowski, Kehl (86. Valdez), Kringe - Tinga - Frei (71. Klimowicz), Petric. - Trainer: Doll
München: Kahn - Lell, Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger (86. Sagnol), van Bommel, Ze Roberto (113. Ottl), Ribery - Klose (69. Podolski), Toni. - Trainer: Hitzfeld
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Tore: 0:1 Toni (11.), 1:1 Petric (90.+2), 1:2 Toni (103.)
Zuschauer in Berlin: 74.244 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Blaszczykowski wegen Foulspiels (108.)
Gelbe Karten: Kovac, Tinga, Frei, Rukavina, Petric, Klimowicz - Ze Roberto, Toni
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS
