08. August 2005 Die Verhandlungen mit seinem ehemaligen Klub zogen sich über Wochen, doch die Integration in sein neues Team war eine Sache von Sekunden. Beim FC Schalke 04 hat sich das Warten auf Sören Larsen gelohnt.
Mit seinem ersten Schuß auf das Tor traf der vier Minuten zuvor eingewechselte Neuzugang ins Schwarze. Der Däne, der aus Schweden kam, erweckte den Titelaspiranten damit zu neuem Leben und leitete das mühselige 2:1 über den 1. FC Kaiserslautern ein. Trainer Ralf Rangnick atmete tief durch: Besser kann es bei einem Debüt kaum laufen. Dabei lag er noch vor vier Wochen auf dem Operationstisch. Der durch den Siegtreffer von Mladen Krstajic (83.) veredelte Einstand des Angreifers nahm allen Beteiligten die große Sorge vor einem Fehlstart. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich allenfalls noch mit einem Unentschieden gerechnet, bekannte Manager Rudi Assauer.
Modellathlet
Als dem zuvor hochgelobten Ligapokal-Sieger langsam aber sicher die Ideen ausgingen, beorderte Rangnick den 23 Jahre alten Modellathleten auf das Feld. Der Griff zur Brechstange machte sich bezahlt: Der verdeckte Linksschuß von Larsen brach den Bann. Die Freude über seinen famosen Start ins Abenteuer Bundesliga stand Larsen noch Minuten nach dem Abpfiff ins Gesicht geschrieben.
Ähnlich unbekümmert wie zuvor auf dem Platz gab sich der vom schwedischen Spitzenverein Djurgardens IF für 2,3 Millionen Euro verpflichtete Torjäger beim anschließenden Interview-Marathon. Mit einem Dauergrinsen ließ er seine wundersame Bundesliga-Premiere Revue passieren: Ich saß beim Stand von 0:1 auf der Bank und hatte einen Traum. Kurz nach meiner Einwechslung sorge ich für den Ausgleich. Der Traum wurde Wirklichkeit.
Dauergrinsen
Und daß, obwohl die vorigen Wochen alles andere als optimal verliefen. Zum einen machte ihm ein kleiner operativer Eingriff am rechten Knie zu schaffen, zum anderen die schwierige und Zeit raubende Verhandlung über die Höhe der Ablöse. Ich habe dem Trainer vor der Partie gesagt, daß ich höchstens für 25 Minuten Luft habe, sagte Larsen. Gleichwohl avancierte der Jungstar ähnlich wie schon beim ersten Einsatz in der Startelf der dänischen Nationalmannschaft Anfang Juni gegen Albanien, als er zwei Tore zum 3:1-Sieg besteuerte, zum Matchwinner. Landsmann Ebbe Sand war voll des Lobes: Das ist genau das, was ein neuer Stürmer braucht - reinkommen und sofort ein Tor machen.
Des einen Glück war des anderen Leid. Bis zur 78. Minute durfte Michael Henke dank eines Treffers des in Gelsenkirchen geborenen Halil Altintop (33.) von einem erfolgreichen Debüt als Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft träumen. Es lief fast alles wunschgemäß, sagte der langjährige Assistent von Ottmar Hitzfeld. Bei aller Enttäuschung über den Doppelschlag von Larsen und Krstajic stimmte Henke der über weite Strecken couragierte Auftritt seiner Mannschaft zuversichtlich: Wer auf Schalke so bestehen kann, kann positive Dinge für die kommenden Wochen mitnehmen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb