Von Roland Zorn
19. April 2008 Das Fußballfest als Charaktertest, die schöne Kür als harte Pflicht: So ist das, wenn das DFB-Pokalfinale (20.00 Uhr, live im ZDF und im FAZ.NET-Liveticker) zum Intermezzo während des Schlussspurts in der Fußball-Bundesliga wird. Für den FC Bayern München, der am Samstag in Berlin zum vierzehnten Mal in seiner glorreichen Vereinsgeschichte die Trophäe hochhalten und hochleben lassen will, soll dieses Endspiel im Olympiastadion zum reinen Vergnügen werden.
Doch was ist mit dem krassen Außenseiter, was ist bloß mit Borussia Dortmund los? Die Westfalen stolpern in der Liga von Blamage zu Blamage; sie haben die Generalprobe auf Punktspielbasis vor einer Woche in München mit einem 0:5-Debakel gründlich verpatzt und auch das Heimspiel danach gegen Hannover 96 deprimierend 1:3 verloren. Auf die Borussia setzen nicht einmal mehr alle BVB-Fans.
Das Endspiel kann über Dolls Zukunft entscheiden
Erstmals seit langem kann auch das Pokalendspiel Wohl oder Wehe eines Trainers mit beeinflussen. Werden sonst nach dem Saisonende in der Liga auch die Verlierer der Berliner Sause gefeiert, geht es diesmal zuerst um die Restaurierung der Borussen-Ehre und damit vielleicht auch schon um den Arbeitsplatz von Thomas Doll. Dessen Kredit ist längst ausgereizt. Eine weitere Pleite würde die Diskussionen um den Cheftrainerposten bei der Borussia mit Sicherheit befeuern, mag auch der große Trostpreis von vornherein sicher sein: die Qualifikation für den kommenden Uefa-Pokalwettbewerb.
Die Situation in Dortmund ist bei aller Bereitschaft, an der Berliner Party fröhlich teilzuhaben, angespannt. Ähnliches kann auch in Zukunft unter mannschaftlich anderen Vorzeichen geschehen, wenn das Pokalfinale häufiger im April statt im Mai ausgetragen werden sollte. Die Hauptdarsteller kommen unter diesen erschwerenden Umständen mitten aus dem beschwerlichen Alltag und kehren danach in ihre Liga-Arbeitsprozesse zurück.
Die Dortmunder wären froh, wenn sie den Bayern einen Kampf liefern könnten
Den Bayern zumindest stehen neue Feiertage bevor. Schon eine Woche später könnte die 21. deutsche Meisterschaft erobert werden und kurz danach die nächste Trophäe, der Uefa-Pokal. Triple-Sehnsüchte mit Realitätsgehalt. Die Dortmunder aber wären schon froh, in Berlin wieder Fuß zu fassen und den Münchnern im Olympiastadion wenigstens einen großen Kampf zu liefern.
Ein frühsommerliches Ambiente für ein Pokalfinale Ende Mai ist auch atmosphärisch angenehmer als die frischen Frühlingstemperaturen Mitte April. Im nächsten Jahr soll alles wieder werden wie zuvor. Dann winken den Pokalfinalisten und ihren Fans, unabhängig von Sieg oder Niederlage, aufs Neue schöne Aussichten für ein paar unbeschwerte Fußballfeiertage in Berlin nach beschwerlichen Monaten im Ligastress. Davon kann der Pokalfinalist Borussia Dortmund in diesem für ihn bisher schauerlichen April nur träumen.
Text: F.A.Z.
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