Fußballrechte

Garantien à la Kirch

Von Marcus Theurer

Hat gut Lachen: Medienpleitier Leo Kirch

Hat gut Lachen: Medienpleitier Leo Kirch

11. Oktober 2007 Woher hat Medienpleitier Leo Kirch das Geld, um die Bundesliga zu kaufen? Mindestens 3 Milliarden Euro hat Kirch den Bundesliga-Vereinen für die Fernsehrechte in den sechs Jahren ab 2009 in Aussicht gestellt. Und dies, obwohl die Milliardenpleite seines früheren Medienkonzerns vor fünf Jahren noch immer Insolvenzverwalter und Gläubiger beschäftigt.

Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Deutschen Fußball Liga (DFL), spricht gar von einer milliardenschweren „Erlösgarantie“, die Kirch abgegeben habe. Der Medienunternehmer werde für die Bundesliga Bankgarantien „eines renommierten Finanzinstituts“ vorweisen. Die Zusage einer europäischen Großbank solle in den nächsten Wochen folgen, heißt es.

Kirchs Rolle gleicht einem Autohändler

Schon kursieren Spekulationen, hinter dem Medienunternehmer stünden in Wahrheit potente Investoren wie der amerikanische Medientycoon Rupert Murdoch, mit dem Kirch schon früher Geschäfte gemacht hat. In Wahrheit könnte die Antwort auf die Frage nach Kirchs Geldquellen aber viel simpler sein: Er braucht womöglich für seinen Wiedereinstieg ins Geschäft weit weniger Kapital, als es den Anschein hat.

Kirchs Rolle im Milliardenspiel gleicht einem Autohändler, der den Gebrauchtwagen eines Kunden in Kommission verkauft. Auch der muss den Preis für das Auto dem Verkäufer nicht vorstrecken. Der Medienunternehmer und seine Mitstreiter sollen lediglich als Agenten für die Bundesliga-Vereine das wertvollste Fernsehprogramm, das es in Deutschland gibt, meistbietend verkaufen.

2009 muss er eine Bankgarantie vorweisen

Voll abgesichert hat Kirch die versprochenen Milliardenerlöse bisher zudem keineswegs. Farbe bekennen muss der Medienunternehmer erst am 1. Januar 2009. Dann ist er laut Vereinbarung der DFL verpflichtet, eine Bankgarantie vorzuweisen - allerdings nur in Höhe der ersten Jahresrate von 500 Millionen Euro. Weitere Bankzusagen in gleicher Höhe muss er erst später und jeweils im Jahrestakt nachreichen.

Das Risiko für die - namentlich bisher nicht bekannte - Bank, die für Kirchs Solvenz einstehen soll, dürfte freilich kaum eine halbe Milliarde Euro erreichen. Denn dem Garantieversprechen steht der Wert der Bundesliga-Rechte gegenüber. Schon in der vergangenen Vergaberunde brachten diese ohne das Namenssponsoring durch die Deutsche Telekom 420 Millionen Euro ein.

Komplexes Aktienpaket abgeschlossen

Hinzu kommt, dass Kirch trotz seiner Vergangenheit offensichtlich alles andere als mittellos ist. Denn die vor fünf Jahren in die Insolvenz gegangenen großen Kirch-Unternehmen waren Kapitalgesellschaften, für die laut Handelsrecht der Eigentümer nicht mit seinem Privatvermögen haftet. Wie es um die finanziellen Möglichkeiten Kirchs bestellt ist, wurde erst vor zwei Wochen deutlich.

Da schlossen er und seine Partner ein komplexes Aktiengeschäft rund um die Medienmittelständler EM.Sport und Highlight. Es bringt der Kirch-Firma KF 15 allein 122 Millionen Euro in bar und zudem ein Aktienpaket an EM.Sport ein. Hinzu kommt, dass bei der anstehenden Auktion der Bundesliga-Übertragungen auch Zwischenhändler Kirch seinerseits Banksicherheiten von den Fernsehsendern fordern wird, an die er weiterverkauft. Die Bundesliga-Eintrittskarte für Leo Kirch ist also am Ende wohl gar nicht so teuer.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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