20. Februar 2005 Mit gelungenen Generalproben hat sich das Bundesliga-Trio auf das Achtelfinale der Champions League eingestimmt. Werder Bremen und Bayer Leverkusen setzten am 22. Spieltag ihre Aufholjagd fort, mußten sich aber vom FC Bayern München dennoch die Schau stehlen lassen (Bundesliga: Ergebnisse und Tabelle).
Beim 5:0-Kantersieg über den bemitleidenswerten einstigen Erzrivalen Borussia Dortmund landete der deutsche Rekordmeister nicht nur den höchsten Sieg unter Felix Magath, sondern verteidigte in beeindruckender Manier auch die Tabellenführung. Wenn wir so spielen wie gegen Dortmund, werden es die anderen im Kampf um die Meisterschaft schwer haben, sagte der Bayern-Coach zwei Tage vor der Partie gegen Arsenal London.
Bayern-Verfolger Schalke zeigte sich am Sonntagabend unbeeindruckt vom Münchner Sieg und legte mit dem 3:1 bei Borussia Mönchengladbach nach. Gefeierter Dreifach-Torschütze im Borussia-Park war Ailton. Die Führung des Ex-Schalkers Jörg Böhme (38./Foulelfmeter) glich der Brasilianer noch vor der Pause aus (44.), ehe er sein Torkonto (66./79.) auf elf Saisontreffer aufstockte und Schalke auf Tuchfühlung zum Spitzenreiter hielt. Im zweiten Sonntagspiel beendete der VfB Stuttgart die Erfolgsserie von Hertha BSC. Cacau gelang das 1:0-Siegtor im Verfolger-Duell gegen Berlin schon in der 10. Minute.
Nowotny droht Karriereende
Wie der FC Bayern schöpfte auch Leverkusen Mut für den internationalen Auftritt am Dienstag. Doch die Freude von Trainer Klaus Augenthaler über den 4:2-Erfolg beim 1. FC Nürnberg währte keine 24 Stunden. Wie eine medizinische Untersuchung am Sonntag ergab, besteht bei Abwehrchef Jens Nowotny der Verdacht auf Kreuzbandriß. Gewißheit soll ein weiterer Check am Montag bringen. Bestätigt sich die schlimme Vermutung, wäre es Nowotnys vierter Kreuzbandriß und das wahrscheinliche Karriereende des ehemaligen Nationalspielers. Die Partie beim FC Liverpool rückte deshalb in den Hintergrund. Wenn es sich bewahrheitet, wäre es ein ganz großer Schock, sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.
Noch deutlicher als der Sieg von Leverkusen fiel der Erfolg von Bremen bei Hannover 96 aus. Vier Tage vor dem Duell mit Olympique Lyon verschaffte sich der Tabellendritte mit einem 4:1 nicht nur bei den Franzosen, sondern auch bei der nationalen Titelkonkurrenz Respekt. Selbstbewußt schickte Clubchef Jürgen L. Born eine Kampfansage Richtung München, wo Werder am 5. März einen wichtigen Schritt zur Titelverteidigung tun kann: Die Saison ist noch lang. Jede Mannschaft schwächelt auch einmal. Das ist unsere Chance.
In der ersten Liga nichts zu suchen
Weniger offen als in den vorderen Regionen geht es im Tabellenkeller zu. Spätestens mit dem 0:4 in Wolfsburg sind die Hoffnungen von Hansa Rostock auf den Klassenverbleib auf ein Minimum gesunken. Heute haben wir wieder gezeigt, daß wir in der ersten Liga nichts zu suchen haben, gestand Mittelfeldspieler René Rydlewicz nach dem 14. sieglosen Spiel seiner Mannschaft in Serie. Der Abstand zum rettenden 15. Rang ist auf zehn Punkte angewachsen, der Unmut von Jörg Berger gewaltig. Für die kommenden Tage kündigte der Hansa-Coach weitere personelle Konsequenzen an.
Kaum kleiner war der Frust bei Bergers Kollegen Volker Finke. Nach dem 1:3 im Kellerduell beim VfL Bochum wird der Überlebenskampf in Freiburg ähnlich schwer wie in Rostock. Der Coach machte Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg) mit verantwortlich für die Niederlage. Finke monierte sowohl den Elfmeterpfiff nach einem
Laufduell zwischen Daniel Schumann und Filip Trojan als auch die Hinausstellung seines Torhüters Richard Golz nach dessen als Notbremse gewerteten Foul an Vratislav Lokvenc. Dagegen hatte VfL-Trainer Peter Neururer diesmal keinen Grund zur Klage über angebliche Benachteiligung durch den Unparteiischen: Die drei Punkte waren unglaublich wichtig, weil sich unsere Situation damit endlich verbessert hat.
Nur vier Zähler trennen die Bochumer noch vom weiterhin schwächelnden Aufsteiger aus Mainz. Der so furios in die Saison gestarteten Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp gelang beim 0:0 gegen Arminia Bielefeld zwar der erste Punktgewinn nach zuletzt sieben Niederlagen, nicht aber der erhoffte Befreiungsschlag. Dennoch wertete Klopp den Teilerfolg seiner Mannschaft als ersten Schritt in die richtige Richtung: Ich bin froh, dass sie in der Klasse bleiben will. Das war ein Anfang - so muß es nun weitergehen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
Bildmaterial: AP, ddp, dpa/dpaweb, REUTERS