Bauer Agency Cup

Pornobrillen schießen Tore

Von Jan Grossarth

Auffallen ist alles: Die Fans der Elephants Düsseldorf reisten gut bestückt an

Auffallen ist alles: Die Fans der Elephants Düsseldorf reisten gut bestückt an

14. Juli 2008 Die Wahrheit ist neben dem Platz. Die Fußballer der Mannschaften in orangen Trikots und beigefarbenen Achselshirts müssen sich eben kurz Gedulden – ein Beitrag des Cheerleader-Wettbewerbs steht an. Eine Gruppe weißblauer Dirndl-Mädels von der Düsseldorfer Werbeagentur BBDO tanzt zum Rhythmus dreier Trommeln. Kritisch blickt die Jury. Ein ewigjunger Mann mit verwegener Gelfrisur und Jeans, Tanja Michelberger von der Frankfurter Wirtschaftsförderung und ein Herr mit hochgeklappter Sonnenbrille und hochgeklapptem weißen Polokragen sind sich einig. Der Tanz ist zu Ende, der Herr nickt und sagt: „Viertelfinale.“

Die Cheerleader jubeln. Der Mann im weißen Polohemd ist Matthias Körner, Geschäftsführer des Hauptsponsors Bauer, es ist sein siebter oder achter „Bauer Agency Cup“. Und immer war er in der Jury, da entwickle man natürlich Routine, sagt er. Jetzt ist trotzdem Anpfiff, die Jury zieht weiter zum Nebenplatz.

Pornobrillen und Afro-Perücken

Andere Anhänger der Werbe-Fußballer tanzten als Playboy-Bunnies auf dem Rasen, auf Bänken...

Andere Anhänger der Werbe-Fußballer tanzten als Playboy-Bunnies auf dem Rasen, auf Bänken...

Nicht in, aber immerhin direkt vor der Commerzbank-Arena spielen am Samstag über 60 Werbe- und Marketingagenturen im jährlich vom Werbefußballverband ausgetragenen Turnier. Von verschiedenen Seiten dringen Bässe und unterschiedliche Rhythmen auf die Kleinfelder, am Spielfeldrand und in weißen Zelten ringsum feiern die Werbeleute mit Pornobrillen und Afro-Perücken.

Sie kommen ein Mal jährlich zum großen Fußball-Karneval zusammen, diesmal in Frankfurt. Einige tragen Frottee-Bademäntel in weiß oder pink. Die weiblichen Fans der Elephants Düsseldorf unterstützen ihre Mannschaft in bizarren, von Hosenträgern gehaltenen und ausgestopften Unterhosen und mit riesigen, aufblasbaren Penissen. Ein Fotograf tippt in sein Laptop: „Weibliche Fans mit außergewöhnlichen Accessoires feuern ihre Mannschaft an.“ Ganz in lila spielt die Agentur Wundermann. Ein gegnerischer Fan aus Hamburg teilt minutenlang über ein Megafon mit, die seien doch alle homosexuell. Die Spieler seiner Mannschaft haben sich eine unfassbar männliche Kriegsbemalung auf die Wangen geschmiert. Doch trotzdem gewinnen die Mannen in Lila mit 4:0, und deren Torwart sagt: „Immerhin fallen wir auf, und darum geht es doch in der Werbebranche.“

Regeneration verspricht ein Zelt mit vier Massageliegen – ein Sponsor aus dem Briefversandgewerbe hat Plakate dafür drucken lassen: „Geprüfte Knochensortierstelle“. Auch zwei Schiedsrichter warten auf eine kurze Massage, auf dem Rücken ihrer neonorangen Trikots tragen sie den Satz: „Ich pfeife für die Wirtschaft“. Einige aus dem Essener Team Rotation Rüttenscheid haben sich, offenbar ohne an Montag und das Büro zu denken, Halbglatzen rasiert, und einer mit echter Halbglatze hat sich eine künstliche Locke auf den Kopf geklebt. Sie tragen außerhalb der Spiele Hornbrillen und nennen ihr Konzept „Butterfahrt“.

Üfü Hürsünspor Külübü und Athletico Balsamico vorn

Damit die Teilnehmer der Münchner Agenturen kein Heimweh bekommen, haben die Veranstalter ein Wiesn-Zelt eingeplant. Die Hamburger tragen ihre Astra-Werbung und Piratenschädel sowieso auf Trikots und Kapuzenpullis. Den inoffiziellen Wettbewerb der interessantesten Team-Namen gewinnen: Üfü Hürsünspor Külübü, Athletico Balsamico, Begnadete Waden und der FC Porto, letzterer gesponsert von der Post.

Am Zelt der Turnierleitung feiert das Bauer-Team schon gegen vierzehn Uhr einen Vorrundensieg. Je später es wird, desto mehr Spieler humpeln oder torkeln über das Gelände. Und wer von den 2500 Teilnehmern auch am Abend noch keinen Bänderriss erlitten hat, versucht es bei der anschließenden Party mit den Stimmbändern – jetzt sogar in der Arena. Jan Grossarth

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

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