Von Eva-Maria Magel
07. März 2008 Serengeti darf nicht sterben war 1960 der Warnruf, mit dem der Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek als einer der Ersten den Naturschutz als Schutz für Tiere und Menschen eingefordert hat: Der gleichnamige Film erhielt den Oscar, das Buch war ein internationaler Bestseller. Grzimek (1909 bis 1987), Zoodirektor, Tierforscher, Naturschützer und auch Abenteurer, hätte mit Freuden zur Kenntnis genommen, dass die von ihm so geliebte Serengeti in der Tat nicht gestorben ist.
Heute hat das Naturparadies in Tansania eher andere Probleme, und an deren Lösung ist eine Naturschutzorganisation beteiligt, die Grzimek selbst geprägt hat: die Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 (ZGF). Erst vor zwei Wochen endete in Tansania ein Workshop unter Beteiligung der ZGF, bei dem es darum ging, die Serengeti in ihrem hohen touristischen Wert zu erhalten - für Menschen und Tiere. Der große Erfolg könne dem Naturparadies auch schaden, warnt der Geschäftsführer der ZGF, Christof Schenck: Wenn 50 Landrover um einen Geparden herumstehen, ist das kein Wildnis-Empfinden mehr.
Erhalt der bedrohten Natur
Die Interessen der Bevölkerung, der Politik und des Naturschutzes miteinander zu verbinden ist eine Aufgabe, die von der ZGF mehr und mehr in den Mittelpunkt gerückt wird. Eines der größten Projekte, die derzeit in Angriff genommen werden, ist der Schutz der Bale-Berge in Äthiopien: Das darf gar nicht schiefgehen, sagt Schenck, da hängt die Wasserversorgung von zehn bis 20 Millionen Menschen dran. Um die letzten Reste einer bedrohten Natur zu erhalten, kooperiert die ZGF in aller Welt mit anderen Organisationen, lokalen Partnern und Regierungen. Dabei kommt der Gesellschaft laut Schenck ihre schlanke Struktur zugute, auch wenn dabei oft an der Leistungsgrenze gearbeitet werden muss: Nur acht Beschäftigte sitzen in der Frankfurter Zentrale im Zoo-Gesellschaftshaus, 43 Projektleiter arbeiten für die ZGF in aller Welt mit lokalen Partnern zusammen.
Dass aus der Aktiengesellschaft, die sich am 7. März 1858 gegründet hat, einmal ein Weltunternehmen in Sachen Naturschutz werden könnte, hätten vermutlich auch die Frankfurter Bürger nicht gedacht, die für 250 Gulden je Aktie eine neue Art von Unterhaltungsunternehmen in der Stadt etablieren wollten. Sein Geschäftsziel: das Halten von Tieren in malerischer Umgebung zur Erholung und zur Bildung der städtischen Bevölkerung. Noch im selben Jahr eröffnete der erste Zoo, damals noch an der Bockenheimer Landstraße gelegen. Erst 1915 hörte die Zoologische Gesellschaft als Betreiberin des Zoos auf zu existieren - der Tiergarten wurde städtisch.
Und als nach 1945 der im Krieg schwer zerstörte Zoo eigentlich geschlossen werden sollte, ergriff nicht nur der höchst unorthodoxe junge Direktor Grzimek die Initiative. Unter seiner Ägide gründete sich ein Unterstützerkreis neu, der im Namen bald wieder stolz auf die Jahreszahl 1858 verwies. Am 150. Gründungstag der Gesellschaft wird sich heute die Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt in das Goldene Stiftungsbuch der Stadt eintragen. Aus ihrem Kapital von rund 50 Millionen Euro finanziert die ZGF Naturschutz in aller Welt - und ist weiterhin dem Zoo eng verbunden.
Gründung der Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt
Gerade in dessen nun einsetzendem Wandel sieht die Gesellschaft eine Chance. Frankfurt könne ein internationales Vorbild werden, was Naturschutz-Bildung im Zoo angehe, glaubt Schenck. Er selbst ist vor wenigen Tagen aus Kongo zurückgekommen, wo die ZGF versucht, die letzten Berggorillas und die Flusspferde zu schützen, die ebenso Opfer des Bürgerkrieges sind wie die Menschen - obwohl die Tiere dem Land zu Wohlstand verhelfen können. Schenck berichtet, soeben habe die kongolesische Naturschutzbehörde mit Hilfe der ZGF 100 Tonnen Holzkohle konfisziert, die illegal hergestellt worden sind. Wir fangen an, die Märkte auszutrocknen.
Solche Bemühungen sind kompliziert und langwierig - aber die Überzeugung, dass nachhaltige Projekte sich auszahlen, ist in der ZGF schon seit Grzimeks Zeiten lebendig. Erst 2001 wurde die Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt in ihrer jetzigen Form gegründet. Sonderfonds für Naturschutzprojekte hatte schon Grzimek geschaffen. Das Stiftungsmodell ermöglicht es laut Schenck, langfristige Projekte sicher zu finanzieren.
Dass die Tiere im Zoo als Botschafter für ihre wilden Artgenossen dienen können, hatten schon die Zoo-Gesellschafter des 19. Jahrhunderts bedacht. Mit dem Wandel der Zoos rückt diese Idee in den Mittelpunkt - und dass mit Manfred Niekisch der Vizepräsident der ZGF zum neuen Zoodirektor ernannt wurde, zeigt die enge Verbindung zwischen beiden Institutionen. Insofern ist es folgerichtig, dass die ZGF zum Jubiläum ein Buch zum Thema Naturschutz auf Grzimeks Spuren im Zoo vorstellen wird. Die zehn größten Projekte der ZGF, von der Serengeti bis Cuc Phuong in Vietnam, sind in dem aufwendig gestalteten Buch dokumentiert, das Schenck und Dagmar Andres-Brümmer verfasst haben.
Wie Naturschutz und die Zukunft der Menschen zusammenhängen
Die herrlichen Natur- und Tierfotografien werden von Texten begleitet, die nicht nur deutlich machen, wie Naturschutz und die Zukunft der Menschen zusammenhängen: Sie gewinnen auch durch die lebendigen Schilderungen der ZGF-Mitarbeiter. Ein Platz für wilde Tiere heißt das Buch und wendet damit den Titel des Grzimek-Films von 1956 ins Positive. Dass der Wunsch Wirklichkeit wird, will die Zoologische Gesellschaft mit ihrer künftigen Arbeit erreichen.
Die Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt trägt sich heute um 14 Uhr im Römer in das Goldene Stiftungsbuch der Stadt ein. Das Buch Ein Platz für wilde Tiere wird heute Abend um 19 Uhr im Ausstellungssaal des Zoos präsentiert. Es ist bei Frederking & Thaler erschienen und kostet 39,90 Euro. Am 13. März kann die neue Sonderbriefmarke 150 Jahre ZGF im Zoo erworben werden.
Text: F.A.Z., 07.03.2008, Nr. 57 / Seite 55