Frankfurts Integrationsdezernent

„Brückenbauer“ Diallo tot

Von Stefan Toepfer

24. März 2008 Mit Fassungslosigkeit und Trauer haben Politiker, die Ausländervertretung und die Evangelische Kirche in Frankfurt auf den plötzlichen Tod von Integrationsdezernent Jean Claude Diallo reagiert. Der Grünen-Politiker, der hauptberuflich beim Evangelischen Regionalverband beschäftigt war, war am Karfreitag im Alter von 62 Jahren an Herzversagen gestorben.

Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) würdigte Diallos „unermüdliches Engagement für eine Welt ohne Intoleranz und Hass“, das der Stadt fehlen werde. Er habe sich immer für das friedliche Zusammenleben aller Völker und Religionen eingesetzt.

Guinea-Deutschland-Guinea-Deutschland

Geboren wurde Diallo 1945 in Conakry, der Hauptstadt Guineas. Studiert hat der Diplom-Psychologe in Würzburg und Lausanne. Von 1980 bis 1984 arbeitete er im Flüchtlingszentrum des Evangelischen Regionalverbands in Frankfurt. Dann ging er nach Guinea, wurde Informations- und Kulturminister. 1986 kehrte er nach Deutschland zurück, später kam er wieder zum Frankfurter Flüchtlingszentrum. Seit 1999 hatte er die Abteilung „Interkulturelle Arbeit“ des Regionalverbands geleitet.

Dezernent sollte er erst 2008 werden, doch Ende 2006 starb sein Vorgänger Albrecht Magen (CDU), so dass Diallo das Amt am 1. Januar 2007 übernahm. Als ehrenamtliches Mitglied gehörte er dem Magistrat schon seit 1997 an. Bis zuletzt hatte Diallo an Vorhaben gearbeitet, von denen er noch in der jüngsten Sitzung des Bildungs- und Integrationsausschusses der Stadtverordnetenversammlung am 10. März berichtet hatte. Dort ging es beispielsweise um die Einrichtung eines Stadtteilbüros in Hausen, dem Viertel, in dem eine neue Moschee errichtet werden soll.

Von der Debatte um den umstrittenen Bau jenes Gebetshauses war Diallo in den vergangenen Monaten stark in Anspruch genommen worden. Früh hatte sich der meinungsstarke Dezernent für die Moschee ausgesprochen, war um Dialog bemüht. Nur wenn Moscheen nicht mehr in Hinterhöfen stünden, könnten Parallelgesellschaften bekämpft werden - diese Überzeugung hatte er stets verfochten. Ihretwegen war er teils heftig kritisiert worden. „Er ist Konflikten nicht ausgewichen, hat nicht laviert“, würdigten Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Die Grünen) und der Grünen-Fraktionsvorsitzende Olaf Cunitz den Verstorbenen. „Er wusste, dass Integrationspolitik auch mit Zumutungen und Streit verbunden ist“, so Cunitz. So humorvoll Diallo sein konnte, so konsequent konnte er ebenso sein.

„Respekt für seine Lebensleistung“

„Er war die Personifizierung einer geglückten Integration“, fügte Ebeling mit Blick auf seine Biographie hinzu. Das habe ihm einen Weitblick gegeben, ihn aber auch „verletzlicher“ gemacht als Politiker ohne Zuwanderungsgeschichte. Eine harte Auseinandersetzung über den Moscheenbau und die Integration von Muslimen hatte er mit Wolfgang Hübner, dem Fraktionsvorsitzenden der BFF. Doch schien sich der Konflikt jüngst etwas entschärft zu haben. Die Fraktion zollte Diallo „Respekt für seine Lebensleistung“.

„Er war ein mutiger Politiker“, sagte Enis Gülegen, der Vorsitzende der Kommunalen Ausländervertretung. Aufgrund seiner Herkunft habe Diallo eine besondere Perspektive in der Integrationspolitik gehabt. Dies würdigten auch der CDU-Fraktionschef Markus Frank und der integrationspolitische Sprecher der SPD, Turgut Yüksel. Als Politiker, der seinen Zuwanderungshintergrund mit einer großen Fachkompetenz verbunden habe, sei Diallo unersetzbar, so Gülegen.

Die Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbands, Esther Gebhardt, würdigte den überzeugten Christen als einen „Vermittler und Brückenbauer zwischen den Kulturen und Religionen“. Als Mitarbeiter des Verbandes habe er Projekte in der Flüchtlings- und Migrationsarbeit entwickelt, die nicht nur für Frankfurt, sondern für die ganze Bundesrepublik wegweisend gewesen seien.

Diallo hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Ein Termin für die Beisetzung stand am Ostermontag noch nicht fest.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Fricke

 
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