29. Juni 2007 Mit der Attraktivität des einst renommierten Frankfurter Zoos ist es nicht mehr weit her: Der Zahn der Zeit nagt an den Tieranlagen. Ein einheitliches Konzept fehlt für den Zoo, der im kommenden Jahr 150 Jahre alt wird. Sanierungsstau, fehlende Spielmöglichkeiten für Kinder, schlechte Gastronomie-Angebote konstatiert der kommissarisch eingesetzte Direktor Bernd Schildger in seiner Bestandsaufnahme. Die Potenziale des Zoos, der mitten in der Stadt liegt, seien bei weitem nicht genutzt.
Den Niedergang zeigt die Zahl der Besucher: Im vergangenen Jahr waren es laut Schildger noch 750.000, in seinen besten Zeiten zog der Zoo über eine Million Menschen an. Der bisherige Direktor Christian Schmidt war im März von der Bühne verschwunden, er ist bis zu seiner Pensionierung im nächsten Jahr für wissenschaftliche Arbeiten freigestellt.
Zoo überbevölkert
Entsetzlich lautet das einhellige Urteil über die Gastronomie im Zoo, auch Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ist höchst unzufrieden mit dem Angebot. Der Zoo habe für die Stadt einen sehr hohen Stellenwert, aber leider in den vergangenen Jahren nicht immer die nötige Aufmerksamkeit bekommen, sagte Roth. Die Sparzwänge seien zuletzt vom Land diktiert worden. Statt der erhofften zusätzlichen Landesmittel für den Zoo habe Wiesbaden Kürzungen verordnet. Auf 8,9 Millionen Euro jährlich ist der städtische Zuschuss gedeckelt.
Mit rund 5000 Tieren gilt der in der Innenstadt beengt untergebrachte Zoo seit langem als überbevölkert. Mehr Platz für weniger Tiere halten viele Experten für dringend nötig. Elefanten gibt es bereits seit Jahren aus Platzmangel nicht mehr. Der Vizepräsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), Prof. Manfred Niekisch, fordert eine Vision für die Zukunft des Zoos. Zentrale Aufgabe sollte nach seiner Ansicht der Naturschutz mit Angeboten zur Umweltbildung sein, außerdem könnten vom Zoo mehr Impulse an die wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt ausgehen.
Bürger - wie hättest Du es gerne?
Der neue Zoo soll nach den Vorstellungen der Oberbürgermeisterin ein Großstadtzoo mit Anknüpfung an die Jahre unter dem legendären Direktor Bernhard Grzimek werden. Am Standort mitten in der Stadt soll nicht gerüttelt werden. Bis zu 150 Jahre Zoo, die im nächsten Jahr gefeiert werden, soll die Einrichtung runderneuert werden. Ideen sind auch von den Besuchern gefragt. Wie wünschen Sie, die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger, sich Ihren Zoo? heißt es in einem Aufruf zum Mitmachen.
Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt, vorstellbar sollen sogar ein Riesenrad, Kajakfahren auf dem Zoo-Weiher oder Röhren sein, in denen sich die Besucher auf Augenhöhe mit den Tieren durch die Gehege bewegen. Niekisch, der an der Universität Greifswald Internationalen Naturschutz lehrt, warnt allerdings vor Kirmesrummel.
Das größte Nachttierhaus Europas
Unter Schmidts Leitung waren seit 1994 unter anderem ein Katzendschungel und Robbenklippen entstanden. Im Bau ist ein neues Affenhaus für 12,3 Millionen Euro, das allerdings nach Auskunft der Stadt nicht mehr wie geplant im Sommer fertig wird. Mit der Zucht aller vier Menschenaffenarten in einem Zoo hatte Frankfurt sich Weltruf erworben. Im Menschenaffenhaus wurden mittlerweile über 100 Affenkinder, Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen und Bonobos geboren.
Der Frankfurter Zoo gehört zu den ältesten in Deutschland und ist vor allem mit dem Verhaltensforscher, Zoologen, Tierarzt und -filmer Bernhard Grzimek (1909-1987) verbunden, der den Tierpark von 1945 bis 1974 leitete. Er führte eine moderne, artgerechte Tierhaltung ein. Nach Grzimek benannt ist eine der Attraktionen, das größte Nachttierhaus Europas.
Text: FAZ.NET mit dpa/lhe
Bildmaterial: dpa