Von Matthias Alexander
05. Juli 2006 Der Opernturm auf dem früheren Zürich-Areal an der Alten Oper soll bis Anfang 2010 fertiggestellt sein. Das hat Stefan Brendgen, Deutschland-Geschäftsführer des amerikanischen Immobilienunternehmens Tishman Speyer, mitgeteilt. Anlaß war die Unterzeichnung des Mietvertrags mit der Deutschland-Niederlassung der Schweizer Bank UBS. Diese wird zum 1. Januar 2010, spätestens jedoch zum 1. Juli 2010 31.000 Quadratmeter in dem Turm anmieten. Das sind rund 60 Prozent der 52.000 Quadratmeter an vermietbarer Fläche in dem 168 Meter hohen Turm.
Mit der Anmietung eines attraktiven Gebäudes an einer zentralen Stelle der Stadt wollen wir ein Zeichen setzen, äußerte Jürg Zeltner, Vorstandsvorsitzender der UBS Deutschland AG. Deutschland sei einer der wichtigsten Märkte für das global agierende Schweizer Geldinstitut. Man wolle den Wachstumskurs fortsetzen, in dessen Folge sich die Mitarbeiterzahl hierzulande seit 1998 auf 1350 mehr als verdoppelt habe. Es handele sich auch um ein Bekenntnis zum Standort Frankfurt. Die Entscheidung für den Opernturm sei langfristig angelegt.
Grundsteinlegung im Herbst
Die UBS hat jetzt ein Zuhause gefunden. Als Alternativen zum Opernturm seien der Skyper und der Eurotower geprüft worden. In die angemietete Fläche werden laut Zeltner alle rund 1100 Mitarbeiter ziehen, die bisher an den Standorten Frankfurt, Bad Homburg und Offenbach tätig sind. Die UBS ist im Investmentbanking, in der Betreuung vermögender Privatkunden und in der institutionellen Vermögensverwaltung tätig.
Das Hochhaus werde zunächst vom Markt genommen, teilte Brendgen mit. Bis zur Grundsteinlegung, die für September oder Oktober vorgesehen sei, wolle man eine Vermarktungsstrategie für die verbleibenden Büroflächen entwickeln. UBS wird die oberen Regelgeschosse des Turms beziehen, außerdem gibt es eine Option auf Erweiterungsflächen. Noch nicht geklärt sei, wie die Flächen in der Spitze des Turms genutzt würden, die sich noch oberhalb der beiden Technikgeschosse befänden. Eine öffentliche Nutzung sei erwogen, letztlich jedoch aufgrund von Sicherheitsüberlegungen verworfen worden. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) äußerte Verständnis für diese Entscheidung. Die Erfahrung habe gezeigt, daß es wichtiger sei, im Sockel der Hochhäuser öffentliche Nutzungen vorzusehen.
Plastizität durch Brüstungen oder Fenstersimse
Das sei im Fall des Zürichhauses gegeben. Nach Angaben von Brendgen werden in der Sockelbebauung an der Bockenheimer Anlage und an der Bockenheimer Landstraße im Erdgeschoß und im ersten Obergeschoß rund 4000 Quadratmeter Laden- und Gastronomieflächen entstehen. Die Tiefgarage unter dem Turm mit 580 Stellplätzen wird abends zur Hälfte Besuchern der Alten Oper zur Verfügung stehen. Brendgen wollte sich noch nicht darauf festlegen, ob das Hochhaus auf Dauer als Opernturm firmieren werde. Das sei zunächst nur ein Arbeitstitel. Roth äußerte Gefallen an der deutschen Bezeichnung.
Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) zeigte sich erfreut, daß es gelungen sei, die langwierigen Verhandlungen um die Bebauung des Zürich-Areals zu einem glücklichen Ende zu bringen. Schwarz hatte zwischenzeitlich erheblichen Druck auf die Zürich-Versicherung ausgeübt, um zu verhindern, daß sich das 2001 freigeräumte Grundstück in prominenter Lage zur Dauerbrache entwickelt. Es sei intensiv um die Fassadengestalt gerungen worden, berichtete Schwarz. Die Stadt habe, in Einklang mit der Vorstellungen des Architekten, auf einer Fassade mit hohem Steinanteil bestanden. Schwarz deutete an, daß den Investoren eine reine Glasfassade lieber gewesen wäre. Man habe eine guten Kompromiß gefunden. Auch Oberbürgermeisterin Roth wies darauf hin, daß Hochhäuser mit Glasfassade oft konturenlos erschienen. Solche mit massiver Gestalt gäben der Skyline Halt.
Im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf Mäcklers, der noch für die Zürich-Versicherung für deren eigene Zwecke entstanden war, zeigt sich das neue Modell stark verändert. Zuvor war die Fassade so gegliedert, daß jeweils zwei Geschosse eine Einheit bildeten. Die Fenster waren dabei betont vertikal ausgerichtet. Jetzt sind die Fensteröffnungen quadratisch, eine Untergliederung der Geschosse gibt es nicht mehr. Die Animation läßt die Gefahr einer gewissen Monotonie befürchten. Viel wird darauf ankommen, wie der Fassade durch Brüstungen oder Fenstersimse Plastizität gegeben werden kann. Ein Gewinn scheint dagegen die stärkere Ausprägung der Attika, also des Gebäudekopfes, zu sein. Hier soll eine Art Pergola entstehen, die die Stützen im Sockel des Hochhaus aufnimmt. Als Fassadenmaterial wird wahrscheinlich gelber Sandstein verwendet werden.
Text: F.A.Z., 06.07.2006
Bildmaterial: Simulation Mäckler
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