09. Februar 2006 Gegen die geschmacklosen und hetzerischen Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung hat gestern auch die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) protestiert. Sie forderte, dem Islam mit der gleichen Achtung entgegenzutreten wie allen Weltreligionen, besonders dem Judentum.
Ramazan Kuruyüz, der Vorsitzende der nach eigener Darstellung 11.000 Mitglieder zählenden Organisation, wandte sich in Frankfurt besonders gegen die beleidigende und herabwürdigende Darstellung Mohammeds als Terrorist. Diffamierung und Volksverhetzung haben mit Presse- und Meinungsfreiheit nichts zu tun. Auch die Nachdrucke in anderen Zeitungen seien provozierend.
Kuruyüz forderte ein Ende der aus seiner Sicht praktizierten Ungleichbehandlung des Islam mit anderen Religionen. Wenn in Deutschland gegen die jüdische Gemeinschaft gehetzt werde, gebe es sofort Reaktionen von allen Seiten, was absolut richtig sei. Derselbe Maßstab müsse aber auch gelten, wenn Muslime mit der Darstellung Mohammeds als Terrorist diffamiert würden. Als Beispiel nannte Kuruyüz das Verbot der türkischen Zeitung Anadoluda Vakit.
Nicht mit zweierlei Maß messen
Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte das Blatt unter anderem wegen antisemitischer Hetze im Februar 2005 verboten. Die im Grundgesetz garantierte Meinungs- und Pressefreiheit hat zwar einen hohen Stellenwert, aber auch ihre Grenze, zitierte Kuruyüz Schily. Diese Grenze gelte auch im Falle der Mohammed-Karikaturen, so der IRH-Vorsitzende. Es darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.
Zugleich rief Kuruyüz die Muslime dazu auf, nur friedlich gegen die Karikaturen zu protestieren. Die Islamische Religionsgemeinschaft lehnt jede Art der Gewalt ab. Für die Eskalation der Auseinandersetzung machte er den dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen genauso verantwortlich wie extremistische Kreise von Muslimen. Diese nutzten solche Fälle aus, um zu provozieren.
Rasmussen aber habe anfangs nicht auf Gesprächsangebote aus Botschaften muslimischer Länder in Dänemark reagiert. Als beispielhaft sieht die IRH eine Veranstaltung an, zu der sie für Sonntag, 12. März, in die Gießener Kongreßhalle einlädt. Dort solle mit Reden und anderen Beiträgen angemessen auf jene Volksverhetzungen geantwortet und für ein friedliches Zusammenleben geworben werden.
Text: toe., F.A.Z., 09.02.2006
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Helmut Fricke