Neue Moschee in Frankfurt

Gespaltene Wahrnehmung

Von Stefan Toepfer

Hinter der Ludwig-Landmann-Straße soll eine Moschee entstehen

Hinter der Ludwig-Landmann-Straße soll eine Moschee entstehen

02. August 2007 So viel steht fest: Der beabsichtigte Moscheebau in Frankfurt-Hausen wird für Debatten sorgen. Vor allem, weil die türkisch-pakistanische Gemeinde ein repräsentatives Gebäude errichten will. Keiner wird an der Moschee vorbeisehen können, weil sie an prominenter Stelle liegt und zu ihr auch Minarette gehören sollen. So wollen es die Bauherren, türkische und pakistanische Schiiten, denen ihre Moschee in Griesheim zu klein geworden ist.

Dass, sollten die Pläne Realität werden, diese klare Präsenz von Muslimen zu Protesten führen wird, ist mehr als wahrscheinlich. Doch genau daran zeigt sich das Gespaltene im Umgang mit gläubigen Muslimen – zumindest in einer Stadt wie Frankfurt: Sie gehören längst zur Stadt, wahrgenommen werden sie als Gruppe aber erst, wenn sie ihrem Glauben gemäße, sichtbare Gebetsstätten errichten wollen und heraustreten aus ihren zu Moscheen umgebauten Geschäftshäusern, die im Stadtbild nicht weiter auffallen, oder aus ihren Niederlassungen in abgelegenen Industriegebieten.

Offene Worte

Doch die Bürger werden sich daran gewöhnen (müssen?), dass Muslime ihrem Glauben eine sichtbarere Gestalt geben wollen. Leichter fiele dies, wenn es umgekehrt für Christen in islamischen Ländern auch so wäre. Auf der anderen Seite müssen Muslime auf Sorgen, die es in der Bevölkerung gibt, eingehen. Die beiden Vereine, die das Projekt in Hausen betreiben, nehmen das für sich in Anspruch. Erste Kontakte, etwa zum Ortsbeirat, sprechen dafür, dass sie das auch ernst meinen. Diese Gespräche werden verstärkt werden müssen, wenn die intensivere Diskussion über das Projekt beginnt.

Dabei hat eine Regel Vorrang: Beide Seiten müssen so offen wie möglich miteinander reden. Es kann nicht sein, dass Bürger, wie es oft bei solchen Bauten geschieht, Verkehrsprobleme als Haupthindernis nennen und dabei tiefer sitzende Sorgen – und seien sie noch so unberechtigt – nicht äußern. Und die Muslime müssen offen sagen, was sie wollen, denn Moscheen sind mehr als Gebetsstätten, sie sind soziale Zentren – so, wie gute Kirchengemeinden. Mehr als hilfreich wäre es dabei, wenn nicht nur die Sprecher der Moscheegemeinden, sondern auch mehr geistliche Autoritäten, die Imame, die deutsche Sprache beherrschen würden.

Und die Kommunalpolitik? Sie darf sich nicht – wie jüngst in Wiesbaden geschehen – auf die Behandlung baurechtlicher Details beschränken, sondern muss deutlich sagen, wie sie zu Moscheebauten in Frankfurt steht, planerisch vordenken. Denn der Bau in Hausen wird nicht der letzte dieser Art gewesen sein.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben

Immer mehr Infizierte: Lassen Sie sich gegen Schweinegrippe impfen?

Ergebnis
In 
Anzeigen des Monats
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche