Studienkredite

Biete Studium, brauche Geld

Von Friederike Haupt

In Kassel Kasperlbude bei Protesten, in Frankfurt getestet: Der Studienkredit

In Kassel Kasperlbude bei Protesten, in Frankfurt getestet: Der Studienkredit

20. November 2006 Wenn das Geld schon heute nicht reicht, wie soll es dann mit dem Studium weitergehen, wenn 500 Euro Gebühren fällig sind? Seit einiger Zeit bieten verschiedene Banken Studienkredite an. Taugen die Angebote etwas? Und wie fällt die Beratung aus? Eine Studentin hat die Probe aufs Exempel gemacht. Vier Berater von Banken und ein Besuch beim Studentenwerk haben unterschiedliche Erfahrungen gebracht. Der Beispielfall: Eine 24 Jahre alte Germanistikstudentin im siebten Semester bekommt Geld von den Eltern und Großeltern, braucht aber im Monat zusätzlich zwischen 300 und 400 Euro, um ihr Studium abzuschließen.

Kreditanstalt für Wiederaufbau

„Für Solidarität und freie Bildung“: Vor dem Hauptgebäude der KfW-Bankengruppe an der Bockenheimer Landstraße kleben noch die Plakate der Demonstrationen gegen Studiengebühren. Die sind von der Politik beschlossen. Was tun, wenn man jetzt schon Geld braucht und im nächsten Jahr vielleicht noch mehr? Die junge Beraterin ist sehr nett, aber auf alles weiß sie keine Antwort: „Ich mache das ja nicht jeden Tag“, sagt sie. Normalerweise habe sie es mit anderen Kunden zu tun, sagt sie. Denn Studenten, die sich für einen Kredit der KfW interessieren, beantragen den bei ihrer eigenen Bank - und auch das geht nur online. Dann muß man auf die erste Auszahlung zwischen zwei und sechs Wochen warten. Wer ein Konto bei der Bank hat, die den Kredit vermittelt, könnte etwas Zeit sparen.

Die Beraterin nennt die anderen Banken „Vertriebspartner“ und empfiehlt in unserem Fall den KfW-Studienkredit. Mindestens 100, höchstens 650 Euro Darlehen gibt es dabei im Monat, die Zinsen, sagt, sie, lägen momentan bei „fünfkommanochwas“ - im Internet steht: 5,95 Prozent. Steigen werden sie in den nächsten 15 Jahren auf maximal 8,38 Prozent. Außerdem muß man beim Vertragsabschluß 232 Euro zahlen. Wofür? „Gebühren“, sagt die Beraterin. Nach der Auszahlungsphase, erklärt sie, komme die Karenzphase. Da soll man sich eine Arbeit suchen, währenddessen zahlt man nur die Zinsen. Dann ist die Rückzahlung fällig. Bei Arbeitslosigkeit könne die Karenzphase bis zu 23 Monaten dauern. Der Kredit, sagt sie, laufe zehn Semester. Fachsemester oder Gesamtdauer? Im siebten Semester kann man diese Frage schon mal stellen. Da muß die Beraterin passen und verweist auf die Internetseite und die Telefon-Hotline.

Studentenwerk Frankfurt

Beim Frankfurter Studentenwerk braucht man keinen Termin - aber wider Erwarten steht dort keine Schlange zur Beratung an. Die Beraterin erkundigt sich viel genauer als die Banken: nach Studienfächern, nach der Semesterzahl, nach dem Alter und auch danach, ob schon einmal Bafög-Hilfe beantragt worden ist. Zu Bankkrediten informiere sie nicht, das sähen die auch nicht gern, sagt sie. Dafür stellt sie ausführlich und übersichtlich den KfW-Studienkredit sowie den KfW-Bildungskredit vor. Wo der Unterschied ist? Mit dem Bildungskredit gibt es 300 Euro pro Monat, für besondere Anschaffungen gibt es einmalig auch bis zu 7200 Euro. Die Zinsen, 4,1 Prozent, werden bis zum Beginn der Rückzahlung gestundet. Nachdem sie erfahren hat, daß 300 Euro zusätzliches Geld ausreichen könnten, empfiehlt die Frau vom Studentenwerk den Bildungskredit. „Er ist die freundlichere Variante“, sagt sie - aber nur, wenn 300 Euro monatlich reichten.

Außerdem fällt ihr, beim Blick auf die Semesterzahl, noch ein ziemlich attraktives Darlehen ein: Wer kurz vor dem Abschluß steht, kann nämlich direkt beim Studentenwerk einen zinslosen Kredit der hessischen Darlehenskasse beantragen: 2300 Euro, um die letzten Monate an der Hochschule zu finanzieren. Ein Nachweis, daß man bald mit dem Studium fertig ist, genügt. Wartezeiten gibt es nicht. Nicht nur diese Botschaft macht, daß man sich richtig gut beraten fühlt: Zum Schluß schiebt die Beraterin ein Bündel Broschüren zu Krediten und Stipendien über den Tisch. Eine Warnung gibt es auch noch mit auf den Weg: „Einen Kredit aufnehmen sollte man nur, wenn nichts anderes mehr geht“, sagt sie.

Volksbank Frankfurt

Bei der Volksbank kümmert man sich gleich doppelt um kreditwillige Studentinnen. Nicht nur der Berater selbst ruft sofort zurück, sondern auch noch dessen Chef: „Haben Sie jetzt schon einen Termin?“ Ja, für übermorgen. Vor dem Büro des Beraters stehen Bulle und Bär in einer Vitrine. Doch zum Spekulieren an der Börse ist der Weg noch weit - zumindest bei der Volksbank. Der junge Berater bedauert: Für Studenten gibt es bei der Volksbank auch nur den KfW-Studienkredit. „Bei allen anderen Darlehen müßten die Zinsen auch viel höher sein“, sagt der Kundenberater. Es klingt ein wenig belustigt.

Ein Konto bei der Volksbank brauche man für den Abschluß des KfW-Vertrags nicht, aber es werde schon „gern gesehen“, sagt er. Leider kann er zur Karenzzeit nichts Genaues sagen, und die Bearbeitungsgebühr erwähnt er erst, als er danach gefragt wird. Dafür führt er den Tilgungsrechner im Internet vor: Damit weiß man immerhin, wieviel man am Ende insgesamt zurückzahlen muß. Das Beantragen des Kredits erweist sich als umständliche Sache: Die Formulare gibt es im Internet, aber dann muß man wieder zum „Vertriebspartner“ der KfW zurück, mit den ausgefüllten Formularen.

Frankfurter Sparkasse

„Klar, morgen hätte ich Zeit.“ Der Berater ist flexibel, ein Termin ist schnell ausgemacht. Entschuldigend lächelnd gesteht der junge Mann am nächsten Tag, daß dies seine erste Beratung zu Bildungskrediten sei. Hat die Sparkasse eigene Kreditangebote für Studenten? Der Berater schaut nach, findet nichts. Aber im Internet (www.sparkasse.de) steht doch etwas von „Sparkassen-Bildungskredit“? „Ich guck' noch mal“, verspricht er. Und sagt dann: Ja, doch. Den Kredit gebe es bei einigen Sparkassen, aber noch nicht bei der Frankfurter. Vielleicht Anfang nächsten Jahres. Ein internes Informationsblatt rät den Beratern: Sie sollen statt dessen einen Dispo- oder Privatkredit empfehlen. Davon aber hält der nette junge Mann nichts: „Das reicht vielleicht für drei Monate - und danach?“

Nur für Frankfurter Rechts- und Wirtschaftsstudenten hat die Sparkasse einen eigenen Kredit im Angebot. Wer am „Institute for Law and Finance“ an der Frankfurter Universität studiert oder einen „Duke Goethe Executive“-MBA an der Goethe Business School der Universität macht, muß dafür Studiengebühren zahlen. Und die kann man mit dem Kredit von den maximal 15 000 beziehungsweise 50 000 Euro bestreiten. Einziges Angebot für Geisteswissenschaftler: „Für Sie käme der KfW-Kredit in Frage.“ Der Service allerdings läßt nicht zu wünschen übrig: Mit Details meldet sich der Sparkassenberater am selben Nachmittag sogar noch einmal telefonisch.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank vermittelt keine KfW-Kredite. Dafür hat sie einen eigenen im Angebot - den „db StudentenKredit“. Den gebe es schon seit anderthalb Jahren, und er solle für alle dasein, sagt der Berater. Aber: „Den typischen Langzeitstudenten wollen wir nicht finanzieren.“ Deshalb, sagt er mit Blick auf die sieben Semester, sollen Kreditnehmer die Regelstudienzeit um nicht mehr als drei Semester überziehen. Von „sehr günstigen Konditionen“ spricht der Banker, der sich viel Mühe gibt, sein Produkt an die Frau zu bringen. Das fange schon bei dem effektiven Jahreszins von 5,9 Prozent während der Auszahlungsphase und dem Maximalbetrag von 800 Euro monatlich an. Der Zinssatz kann sich ändern, „aber wohl nur minimal“. Der Berater gibt sich optimistisch: Wenn man den Nachrichten glauben könne, sei es gar nicht so unwahrscheinlich, daß die Zinsen fielen. Spätestens zwölf Monate nach Ende der Auszahlungsphase müsse man mit der Rückzahlung anfangen. Dann betrügen die Zinsen etwa 7,9 Prozent.

Der Mann von der Deutschen Bank macht, ausgehend von 400 Euro monatlich, die ausführlichste Beispielrechnung von allen: Bei einem Nettodarlehensbetrag von insgesamt 8000 Euro sind bei einer Laufzeit von 120 Monaten 12 822 Euro zurückzuzahlen. Die Bearbeitungsgebühren, 388,50 Euro, hat er schon eingerechnet. Was er vom KfW-Kredit hält? „Nicht schlecht“, findet der Deutschbanker - aber für andere Bedürfnisse als sein Darlehen. Was besser passe, müsse man selbst herausfinden. Zum Abschied sagt er aber: „Bis bald!“

Text: F.A.Z., 21.11.2006
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie möchten Zuschuss zur Ihrer neuen Brille? Vergleichen Sie jetzt online einfach und bequem verschiedene Krankenzusatzversicherungen und sparen Sie bares Geld!

In 
Anzeigen des Monats
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche