Von Rainer Schulze
19. Juli 2008 Der Frankfurter Universitätspräsident Rudolf Steinberg bietet der Stadt Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Ort für den Neubau des Museums der Weltkulturen an. Er schlägt vor, das Museum in direkter Nachbarschaft zum Senckenberg-Naturkundemuseum auf dem Campus Bockenheim anzusiedeln. An diesem Ort könne die Sammlung den wesentlichen Bestandteil eines Hauses der Weltkulturen“ bilden, in das sich nach dem Vorbild des Senckenberg-Forschungsinstituts auch universitäre Disziplinen wie Ethnologie und Geschichtswissenschaft einbinden ließen.
Es könnte über die museale Darstellung hinausgehen.“ Steinberg möchte die Sammlung mit der Tätigkeit der Universität verbinden und auch Stiftungen einladen, sich im Haus der Weltkulturen“ zu engagieren. Mit den beiden Einrichtungen könnte ein Nebeneinander von Natur und Kultur“ entstehen. Das Haus der Weltkulturen“ könnte inhaltlich die Besonderheit Frankfurts hervorheben. Das Thema Diversität kann das Markenzeichen sein“, sagte Steinberg der F.A.Z.
Dieser Standort eignet sich hervorragend
Als Standort böte sich das Gelände an, auf dem derzeit das Juridicum der Universität steht, das aber wie die anderen Institute auf den Westend-Campus umziehen soll. Dieser Standort eignet sich hervorragend“, sagte Steinberg. Noch in diesem Jahr können die Juristen ihr neues Domizil im Westend in Besitz nehmen, die Universitätsverwaltung soll 2011 umziehen. Dann, so Steinberg, könne das Gebäude abgerissen werden. Der Bau, der sich 50 Meter hoch an der Senckenberganlage erhebt, ist nicht denkmalgeschützt.
An diesem Ort, so Steinbergs Eindruck, könnte Frankfurt ein weithin sichtbares städtebauliches Highlight“ bekommen. Was in Sydney die Oper und in Hamburg die Elbphilharmonie, könnte in Frankfurt das Haus der Weltkulturen sein.“ Der Standort sei prädestiniert für herausragende Architektur. Steinberg sagte, er sehe sich durch die quälende Diskussion“ über den Neubau des Museums zu seinem Vorschlag ermutigt, den er erstmals vor einigen Tagen dem Architekten Albert Speer gegenüber geäußert habe. Am Museumsufer findet man offenbar keinen Platz.“
Das Campusgelände gilt als eines der attraktivsten Entwicklungsgebiete Frankfurts. Bisher ist geplant, dort nach dem Umzug der Universität Wohnungen und Gewerbe anzusiedeln. Der Stadtplaner Jochem Jourdan hatte sich schon im vergangenen Jahr für ein Museumsensemble Natur und Kultur“ in Bockenheim eingesetzt. Jourdan sagte, an dem hervorragend erschlossenen Standort ließen sich großartige Synergien“ erzielen. Einen Vorteil sieht er darin, dass sich das Gelände in öffentlicher Hand befindet.
Semmelroth: Museumsufer ist einzigartig
Im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft will die Stadt das Gelände entwickeln. Doch die Verhandlungen zwischen dem Finanzministerium und einem Konsortium aus der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG Holding und der OFB Projektentwicklung dauern schon mehr als zwei Jahre. Bei den laufenden Gesprächen, so ist zu hören, spielt eine Ansiedlung des Museums der Weltkulturen auf dem Areal keine Rolle. Allerdings ließe es sich in die Bebauung integrieren.
Das Stadtparlament hatte sich mit dem Auftrag an den Magistrat in die Sommerpause verabschiedet, alle möglichen Standorte für das Museum der Weltkulturen noch einmal zu prüfen – also eine Erweiterung im Garten des bisherigen Domizils am Museumsufer, einen Neubau auf dem Sudfass-Areal am nördlichen Mainufer, die Spitze der Offenbacher Hafenmole und ein Grundstück zwischen Deutschherrnbrücke und Honsellbrücke östlich der Großmarkthalle. Die Liste könne um weitere Standorte ergänzt werden, hieß es in dem Antrag.
Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), der sich bisher schon ablehnend zu einer Verlagerung nach Bockenheim geäußert hatte, sagte, das Museumsufer sei einzigartig und gerade das Haus der Weltkulturen mit seiner einmaligen Sammlung dürfe aus diesem Ensemble nicht herausgelöst werden. Das Raumkonzept dafür, dass das Museum seine Bestände endlich angemessen präsentieren“ könne, sei fertig, und Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) lasse die bisher benannten Standorte jetzt daraufhin prüfen. Erst danach könnten möglicherweise weitere Vorschläge berücksichtigt werden
Stadt will sich Sudfass-Gelände sichern
Die Stadt ist nach Auskunft des Liegenschaftsamtsleiters Alfred Gangel derweil bemüht, sich den Zugriff auf das Sudfass-Gelände zivilrechtlich zu sichern. Wie gestern berichtet, will der Eigentümer und Bordellbetreiber sein Grundstück für rund 13 Millionen Euro an das Unternehmen Hochtief verkaufen. Gangel hält einen Museumsneubau an diesem Ort trotz des ambitionierten Preises“ für finanzierbar. Jetzt müssen wir sehen, dass uns die Felle nicht ganz davonschwimmen.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., F.A.Z. - Wolfgang Eilmes