
Verspricht von dem neuen Institut auch Impulse für die deutsche Kirche: Bischof Tebartz-van Elst, hier mit Frankfurts Stadtoberhaupt Roth
09. Juni 2008 Die katholische Kirche will von Frankfurt aus mit einem neuen Institut für Weltkirche und Mission“ den Austausch mit Theologen in anderen Ländern fördern. Die Einrichtung soll außerdem zu einem zeitgemäßen Verständnis von Mission beitragen und die Ausbildung von Mitarbeitern in der Kirche und deren großen Hilfswerken verbessern. Angesiedelt werden soll das von der Deutschen Bischofskonferenz finanzierte Institut an der vom Jesuitenorden getragenen Philosopisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verspricht sich von der Arbeit in dem Institut auch Impulse für die Belebung der deutschen Kirche.
Nach Angaben von Hochschulrektor Ulrich Rhode wird das Institut 6,5 Stellen umfassen: die des Lehrstuhlinhabers, seiner Assistenten und Doktoranden sowie einer Sekretärin. Das Institut werde die bedeutendste Stelle für Missionswissenschaft“ in der deutschen Kirche, äußerte Rhode auf Anfrage. Gemeinsam mit der Bischofskonferenz sucht die Hochschule derzeit nach einem geeigneten Professor. Die Stelle soll dem Rektor zufolge bis Mitte 2009 besetzt werden.
Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs
Der Pastoraltheologe und missionstheologische Fachmann von Sankt Georgen, Michael Sievernich, sieht es als eine der Kernaufgaben des Instituts an, zu definieren, was die Sendung der Kirche in der späten Moderne ausmacht“. Er verweist beispielsweise auf die starke Konkurrenz“, die der katholischen Kirche in Mittel- und Südamerika durch die Missionstätigkeit von Freikirchen entstehe, und die Notwendigkeit, weltweit einen fundierten interreligiösen und -kulturellen Dialog zu führen. Auf die Gefahr der Ausbreitung von Sekten“ in Ländern Südamerikas und Afrikas weist auch der Limburger Bischof hin. Hinter solchen Gruppierungen stünden oft kommerzielle interessen, eine Lebenshilfe böten sie den Menschen nicht, kritisierte er. Genau das aber sei das Bestreben der Kirche.
Die Deutsche Bischofskonferenz befasst sich schon seit gut zwei Jahren mit der Gründung des Instituts, mit dem ein aus ihrer Sicht bestehendes Lehr- und Forschungsdefizit behoben werden soll. Die theologische Auseinandersetzung mit der Weltkirche hat ihren angestammten Platz an den Hochschulen in Deutschland weitgehend eingebüßt“, heißt es in einem Papier der bischöflichen Kommission Weltkirche“. Tebartz-van Elst machte dafür vor allem Einsparungen der Bundesländer an den theologischen Fakultäten der Hochschulen verantwortlich. Für die Ansiedlung des Instituts in Sankt Georgen spreche, dass dort viele Studenten aus Afrika, Lateinamerika und Asien ihr Aufbaustudium absolvierten. Wie Rhode sagte, kommt rund die Hälfte der 93 Promotions- und Lizentiatsstudenten aus dem Ausland. Außerdem haben wir als Jesuiten gute Beziehungen in andere Länder“ fügte der Rektor hinzu.
Kooperation mit mehreren Instituten
Kooperieren soll das Institut mit ähnlich ausgerichteten Lehrstühlen, etwa in Münster und Würzburg, und anderen Einrichtungen wie der Forschungseinheit Theologie interkulturell“ an der Frankfurter Universität. Als nicht-universitärer Partner hinzu kommt das Missionswissenschaftliche Institut des katholischen Hilfswerks Missio“ in Aachen.
Tebartz-van Elst erwartet, dass das Institut durch seine vergleichende Pastoraltheologie“ auch die Seelsorge in der deutschen Kirche inspiriere. Zum Beispiel könne aus asiatischen und afrikanischen Ländern gelernt werden, wie kleine christliche Gruppen die Bildung von Gemeinden belebten.
An der Institutsgründung hat Tebartz-van Elst von Anfang an mitgewirkt: Schon vor seiner Ernennung zum Bischof von Limburg war er als Weihbischof von Münster Mitglied der bischöflichen Kommission Weltkirche“ und hatte die Leitung einer Arbeitsgruppe zur Einrichtung des Instituts übernommen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Roger Hagmann