Verkehr

Krise im Frankfurter Taxi-Gewerbe: „Du sagen - Ich fahre“

12. Januar 2005 Der Frankfurter Taxifahrer und selbstständige Unternehmer Thomas Heddrich würde am liebsten hinschmeißen. Das Gewerbe habe sich in den 13 Jahren seiner Berufstätigkeit total zum Negativen gewandelt, sagt der 41jährige, der zunehmend genervt ist von sinkenden Einnahmen und unkollegialem Verhalten der anderen Fahrer. Unzufriedene Fahrgäste, zunehmende Mietwagen-Konkurrenz und Druck aus der Politik verstärken noch die Krisen-Stimmung in Frankfurts Taxi-Gewerbe.

Was den 1712 in Hessens größter Stadt zugelassenen Taxis und ihren Fahrern abverlangt wird, formuliert die Industrie- und Handelskammer (IHK): Neben einem sauberen und technisch einwandfreien Auto ist es vor allem ein freundlicher und ortskundiger Chauffeur, der für zufriedene Kunden sorgen soll. „Die müssen nicht Schlips und Kragen tragen, aber auch nicht in Shorts und Badelatschen fahren“, sagt IHK- Vizepräsident Peter Niere. Laut Gesetz darf die Kammer aber nicht die Servicebereitschaft, sondern ausschließlich die Ortskunde testen.

„Du sagen - Ich fahre“

Doch schon damit scheint es bei vielen Kutschern nicht weit her zu sein. Bei Fahrten vom Flughafen heißt es schon mal im gebrochenen Deutsch „Du sagen - Ich fahre“. Und selbst nach einer vorherigen Vergewisserung, ob das Ziel bekannt sei, zeigen viele Fahrer ihre Unkenntnis erst nach einigen Kilometern. Am Hauptbahnhof sei mehreren Fahrern das Tigerpalast-Varieté angeblich unbekannt gewesen, berichtet eine Besucherin aus Bad Homburg.

Besonders am Bahnhof und am Flughafen gibt es immer wieder Ärger mit Fahrern, die trotz Beförderungspflicht kurze Fahrten nicht ausführen wollen. „Die zocken auf die lange, lukrative Tour“, sagt Heddrich. „Taxi fahren ist zum reinen Glücksspiel geworden.“ Die schrumpfenden Gewinne teilen sich die Lizenz-Taxis mit einer wachsenden Zahl von Mietwagen und Shuttle-Bussen, die sich vor allem auf das lukrative Zubringergeschäft zum Flughafen stürzen.

Umsatzeinbrüche und steigende Kosten

Die Taxi-Vereinigung versucht an den kritischen Plätzen die undisziplinierten Fahrer mit Aufsehern in ihre Schranken zu weisen. „Das kann bis zu einer Platzsperre gehen“, sagt der Vorsitzende Walter Barth. Zudem hätten Schulungen und der „Taxi-Top-Card“ genannte, ebenfalls mit einer Prüfung verbundene Fahrerausweis die Situation bereits deutlich verbessert. International anerkannt sei der Einsatz von Taxi-Helfern bei großen Messen an den Ausgängen des Ausstellungsgeländes.

Doch die grundsätzliche Misere des Gewerbes kann auch die Vereinigung nicht lösen. Umsatzeinbrüche sowie steigende Kosten machen den Betrieben zu schaffen, die Fahrer kommen kaum noch auf ein auskömmliches Gehalt. Nach drei Jahren Pause wird daher bereits wieder über höhere Tarife diskutiert. IHK-Mann Niere warnt: „Nach oben gibt es nicht viel Spielraum, da sonst die Nachfrage weiter wegbricht.“ Er tritt für eine vorsichtige Liberalisierung des Taxi- Marktes ein, um über mehr Wettbewerb bessere und günstigere Leistungen zu erhalten.

„Für fünf Aufträge am Tag brauche ich keine Satellitenortung“

Die Taxi-Besitzer wehren sich gegen neue Lizenzen oder gar die völlige Freigabe der Zulassungen und wollen daher sogar ein Gutachten über die Taxiversorgung Frankfurts bezahlen, das eigentlich die Stadt erstellen müßte. „Noch mehr Autos bringen uns auf das Niveau von Pizza-Diensten“, meint Barth und weist einen anderen Weg. „Unsere Zukunft liegt in den Kurzstrecken.“ Der Verband will die elfenbeinfarbenen Autos wieder stärker im Ergänzungs- und Anschlussverkehr der anderen öffentlichen Verkehre einsetzen, etwa an den Endhaltestellen der U-Bahnen. Notwendig dazu sei ein bereits eingeführtes, von Satelliten gestütztes Vermittlungssystem.

Heddrich und vier Kollegen haben sich zu einer Mini-Zentrale zusammengeschlossen, die mit besserem Service mit einer Großbank ins Geschäft gekommen ist. Von der kostspieligen Aufrüstung der Technik hält er nichts: „Für fünf Aufträge am Tag brauche ich keine Satellitenortung.“



Text: dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
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