Von Matthias Alexander
12. Februar 2008 Die schwarz-grüne Koalition in Frankfurt ist derzeit intensiv darum bemüht, eine Entscheidung über das Urban Entertainment Center (UEC) herbeizuführen. Nach Informationen der Rhein-Main-Zeitung zeichnet sich ab, dass dem Wunsch der Bauherren nach einer Ausweitung der Einzelhandelsfläche entsprochen wird. Um die Sorge vieler Einzelhändler nach einer zu starken Ausweitung der Flächen im Stadtgebiet zu zerstreuen, soll dagegen das geplante Einkaufszentrum auf dem Honsell-Dreieck offenbar kleiner ausfallen als zuletzt geplant.
Mehrere Magistratsmitglieder, darunter Wirtschaftsdezernent Boris Rhein (CDU) und Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen), wollen dem Vernehmen nach im Gegenzug zur Genehmigung des UEC dessen Bauherren Vivico Real Estate und ECE dazu bewegen, statt des geplanten Großkinos ein Kongresszentrum in das UEC zu integrieren. Als Betreiber des Kongresszentrums ist die Messegesellschaft ins Gespräch gebracht worden, an der die Stadt beteiligt ist. Mit diesem Vorschlag sollen auch die Bedenken einflussreicher Stadtverordneter innerhalb der CDU zerstreut werden, die sich bisher gegen eine Genehmigung des UEC in der beantragten Form wenden. Während die Bauvoranfrage nach Ansicht von Vivico und ECE den Vorgaben des städtebaulichen Vertrags entspricht, wird das von einzelnen Stadtverordneten der Koalition bestritten. Sie machen geltend, dass die maximal zulässige Ladenfläche überschritten sei, weil bestimmte Flächen herausgerechnet worden seien.
Eine Entscheidung ist überfällig
Ein Sprecher der Vivico bestätigte den Wunsch der Stadt nach einem Kongresszentrum. Man werde sich demnächst mit Vertretern der Messe treffen, um deren Vorstellungen kennenzulernen. Die Messegesellschaft hat schon zu verstehen gegeben, dass ihre eigenen Kongressflächen ausgebucht seien.
Die Stadt steht unter doppeltem Druck. Eine Entscheidung ist überfällig, weil der Bauaufsicht seit etlichen Monaten eine Bauvoranfrage von Vivico und ECE für das UEC vorliegt. Diese ist jedoch immer noch nicht beschieden worden, obwohl die Zeit für eine fachliche und rechtliche Prüfung ausgereicht hätte. Offenbar hat Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU), der für die Bauaufsicht zuständig ist, das Verfahren aus politischen Gründen gebremst. Zwar sind die Chancen der Investoren gering, auf rechtlichem Weg eine Bearbeitung der Voranfrage zu erreichen; es gilt jedoch mit Blick auf den Ruf der Stadt unter Investoren als extrem heikel, eine Bauvoranfrage so lange nicht zu bescheiden.
Der Schwarze Peter liegt jetzt bei uns
Zum anderen hat die Vivico mit Hyatt einen Betreiber für den rund 160 Meter hohen Hotel- und Wohnturm gefunden, der zum UEC gehört. Im Frühjahr 2009 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden; der Projektentwickler hat aber klargestellt, dass der Hotelturm nur errichtet werden könne, wenn gleichzeitig mit den Arbeiten an dem benachbarten Einkaufszentrum begonnen werde. Es wäre den Gästen des Fünf-Sterne-Hauses schließlich nicht zumutbar, morgens vom Lärm einer Baustelle geweckt zu werden. Die Stadt läuft Gefahr, aufgrund ihrer Säumigkeit in den Ruf zu geraten, eine große Investition verhindert zu haben. Die Vivico Real Estate spricht von 1,2 Milliarden Euro, die sie in den nächsten Jahren im Europaviertel investieren will. Der Schwarze Peter liegt jetzt bei uns“, sagt ein führender Koalitionspolitiker.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Vivoco
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