Kriminalität

Strengere Kontrollen in der Drogenszene von Frankfurt

4400 Drogensüchtige sind in Frankfurt bekannt

4400 Drogensüchtige sind in Frankfurt bekannt

29. April 2005 Die Polizei will in Absprache mit der Staatsanwaltschaft künftig schärfer gegen auswärtige Drogenabhängige vorgehen, die sich in Frankfurt mit Rauschgift versorgen und die hiesige Szene vergrößern. Strengere Kontrollen sollten nicht zuletzt dazu beitragen, diese Menschen zur Rückkehr in ihre Heimatstädte zu bewegen, heißt es im Polizeipräsidium. Wie berichtet, wird der Rauschgiftkonsum auf der Straße von der Polizei seit vergangenem Jahr nicht mehr geduldet. Wer auf dem Gehweg oder zwischen geparkten Autos Heroin konsumieren will, statt in die dafür eingerichteten Druckräume zu gehen, muß damit rechnen, daß ihm Polizeibeamte die bereits aufgezogene Spritze wegnehmen.

Nach Einschätzung von Gesundheitsdezernent Nikolaus Burggraf (CDU) sind rund 30 Prozent der Menschen, die in Frankfurt Rauschgift nehmen, nicht in der Stadt gemeldet. Das habe nicht zuletzt damit zu tun, daß es sogenannte Druckräume, in denen Süchtige unter ärztlicher Kontrolle Drogen injizieren könnten, im Umland nicht gebe. Würden solche Angebote auch in anderen Städten geschaffen, bedeutete dies für Frankfurt eine spürbare Entlastung. Es könne jedenfalls nicht sein, daß, wie geschehen, Süchtigen in Berlin gesagt werde, sie sollten doch nach Frankfurt gehen, weil hier die Hilfsangebote so gut seien, sagte Burggraf in der jüngsten Sitzung des Rechtsausschusses der Stadtverordnetenversammlung.

4400 Rauschgiftsüchtige bekannt

Die Frankfurter Polizei hatte Ende vergangenen Jahres rund 4400 Rauschgiftsüchtige registriert, die Dunkelziffer ist nach Schätzungen allerdings möglicherweise noch einmal so hoch. 20 Prozent der Süchtigen haben nach Erkenntnissen der Sicherheitskräfte keinen festen Wohnsitz.

In Zusammenarbeit mit dem Drogenreferat der Stadt wurde im vergangenen Jahr das Projekt "Offensive Sozialarbeit, Sicherheit, Intervention und Prävention" umgesetzt. Hinter der Abkürzung "Ossip" verbirgt sich das Konzept, die Drogenszene mit einer Mischung aus Repression und Prävention aufzulösen. Rund 30000 Menschen seien 2004 unter diesem Motto überprüft worden, etwa 2000 zusätzliche Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz auf diese Weise festgestellt worden. Der Heroinhandel auf der Straße habe als Folge dieser Kontrollen deutlich abgenommen, heißt es im Polizeipräsidium.

Mehr Kontrollen - mehr Straftaten aufgedeckt

Die insbesondere im Bahnhofsgebiet verschärften Drogenkontrollen waren ein entscheidender Grund für die Zunahme der Gesamtzahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr. Die Zahl der Drogenvergehen stieg laut Polizeistatistik um 65 Prozent auf fast 7000 Fälle. Ein Kommissariat für "Organisierte Rauschgiftkriminalität", in das auch Beamte des Zolls integriert sind, und das Kommissariat für Rauschgiftstraßenhandel beschäftigen sich fast ausschließlich mit Drogendelikten. Rund sechs Prozent aller in Frankfurt begangenen Straftaten werden laut Statistik von Drogenabhängigen verübt oder sind Drogendelikte.

Die intensiven Kontrollen haben nach Angaben von Polizeisprecher Jürgen Linker den positiven Nebeneffekt, daß die Szene der Crack-Dealer im Bahnhofsgebiet deutlich kleiner geworden sei. Das Kokain-Derivat Crack bleibt unter den harten Rauschgiften jedoch die Hauptdroge. Besorgniserregend ist aus Sicht der Polizei, daß sich in Haschisch und Marihuana in immer stärkerer Konzentration der süchtig machende Stoff THC finde. Von "weichen", sprich relativ harmlosen Drogen könne man bei den beiden Rauschgiften daher nicht mehr sprechen. Im vergangenen Jahr starben nach Polizeiangaben in Frankfurt 35 Menschen an den Folgen ihrer Drogensucht. Die Opfer, 31 Männer und vier Frauen, seien zwischen 21 und 54 Jahre alt, einige schon seit Jahren als Drogenkonsumenten bekannt gewesen. (ler.)

Bildmaterial: dpa/dpaweb

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