Sperrgebiet Frankfurt-Hausen

Braun ist hier nur die Erde

Von Rainer Schulze

Grillen unter Polizeischutz

Grillen unter Polizeischutz

08. Juli 2007 Das ist nicht der Geburtstagsempfang des amerikanischen Präsidenten. Obwohl die Sicherheitsvorkehrungen ganz den Anschein erwecken. Auf dem Weg zum Sommerfest des Kleingärtnervereins „Taunusgärten 3“ werden viermal Ausweis und Rucksack kontrolliert. Mindestens.

Durch die Absperrung vor der Breitenbachbrücke, unter der sich die Neonazis sammeln, kommt nur, wer einen guten Grund hat. Entlang der Rödelheimer Landstraße patrouillieren Polizisten in schwerer Schutzmontur. Und vor der Parzelle der Kleingärtner am Gewerbegebiet Industriehof stehen gleich drei Mannschaftswagen. Dabei ist in den Taunusgärten eigentlich jeder willkommen. Es sei denn, er hat eine ewiggestrige Gesinnung.

Besser keine Kinder ins Sperrgebiet bringen

„Braun ist bei uns nur die Erde“, sagt Karsten Fischer und spießt ein Stück Schnitzel auf die Gabel. Neben dem Obmann der Kleingärtner ist noch genug Platz auf der Klappbank, die meisten Biertische sind unbesetzt. Die Lampionkette leuchtet, an der Theke lehnen ein paar Durstige. Es ist halb sechs Uhr abends, der Grill brennt, die Würstchen werden gewendet. Mit 300 Gästen haben die Kleingärtner gerechnet. Gekommen ist bisher nicht einmal ein Zehntel.

Das Kinderfest hat schon vor zweieinhalb Stunden begonnen, später soll getanzt werden. Zwei Kinder schaukeln im Garten – es sind Fischers eigene. Kaum ein anderer Kleingärtner hat sich mit seinem Nachwuchs hierher getraut. An den Absperrungen rät die Polizei davon ab, mit Kindern ins Sperrgebiet zu fahren. Denn die Taunusgärten liegen nur zwei, drei Steinwürfe von der Neuen Börse entfernt, wo die Neonazis ihre Abschlusskundgebung halten wollen.

Zum Glück überprüft die Steinwurfdistanz niemand genau. Er sei gut vorbereitet, sagt ein Einsatzleiter aus Baden-Württemberg, der schon in Heiligendamm dabei war, und klopft auf seine Schienbeinschoner. Doch die befürchteten Krawalle bleiben aus. Mit der bloßen Präsenz von Wasserwerfern, gepanzerten Fahrzeugen und Tausenden Beamten hält die Polizei die Rechtsextremen und deren Gegner auf Distanz.

Verständnis für den Polizeischutz

Schon vor Monaten haben die Kleingärtner den Termin für das Sommerfest in ihren Kalender eingetragen. Erst vergangene Woche war klar, dass die NPD hier marschieren wird. Erst hieß es, nur vormittags. Dann ließ man sie doch von 13 bis 19 Uhr laufen. Das Bier war da längst geliefert, die Musik schon bestellt. Also noch alles absagen? Das kam für Karsten Fischer nicht in Frage: „Wegen der paar Hanseln?“ Er schüttelt energisch den Kopf. „Das wäre ein Sieg für die NPD. Es wäre schlimm, wenn wir so weit wären, dass wir unseren Alltag an denen ausrichten.“

Die Kleingärtner feiern im Auge des Hurrikans. Zweihundert Meter entfernt laufen gerade rund 500 Rechtsextreme, begleitet von Hunderten Polizisten, die Ludwig-Landmann-Straße entlang und grölen stumpfsinnige Parolen, die ungehört im leergefegten Stadtviertel verhallen. Eine Demonstration? Nein, ein Phantomzug, von dem niemand Notiz nimmt. In den Taunusgärten schimpfen sie auf das „Desaster“, für das Zigtausende ihr Leben einschränken müssen. Er wisse gar nicht, wie er das Viertel wieder mit dem Auto verlassen solle, flucht ein Gast.

Für den Polizeischutz haben alle Verständnis. Die Beamten gehen ein und aus, nutzen die Toiletten und werden mit Kaffee und Kuchen versorgt. Nur die Zerstörer des Sommerfestes sind hier unerwünscht. Vielleicht bemerken ja ein paar Rechtsextremisten das Schild am Eingang zur Schrebergartenanlage: „Wir grillen heute mit türkischer Paprika.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa, F.A.Z. - Schulze

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