Von Mechthild Harting
14. Februar 2008 Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) stellt sich dem Klimawandel. Denn dass dieser eingesetzt hat und auch Auswirkungen auf das Leben in Frankfurt haben wird, davon ist die Stadträtin überzeugt. Nun müsse noch die Sensibilität der anderen deutlich erhöht werden“, sagte sie zum Auftakt der Veranstaltungsreihe Frankfurt bleib(t) cool“, die das Gesundheitsamt gemeinsam mit dem Umweltdezernat und dem Energiereferat organisiert. Die anderen, das ist ihrer Ansicht nach zum Beispiel die Stadtplanung, die den Aspekt des Stadtklimas auch bei der Festlegung des Hochhausrahmenplans berücksichtigen solle. Denn die Hochhausstandorte beeinflussen das Stadtklima“, sagte Rottmann. Einige Frischluftschneisen seien in der Vergangenheit verbaut worden, künftig wollen wir zusätzliche Fehler vermeiden“.
Dass sich das Klima verändert hat, daran ließ auch Paul Becker vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach keinen Zweifel. Eine Vermeidung des Klimawandels ist nicht mehr möglich.“ Seit 1988 seien alle Jahre in Deutschland zu warm“, sprich wärmer als der langjährige Durchschnitt, gewesen, ausgenommen das Jahr 1996. Die Prognosen für die Zukunft fielen allerdings regional sehr unterschiedlich aus. So würden die Sommer trockener und wärmer, die Winter milder und feuchter – zumindest in Norddeutschland. Und Berlin und die neuen Bundesländer müssten voraussichtlich mit größerer Trockenheit rechnen. Andernorts werde es dagegen häufiger Hochwasser geben.
Künftig vermutlich weniger Kältetote“
Becker zufolge bietet der Klimawandel aber auch Chancen, gerade für Deutschland und Mitteleuropa. Ich behaupte, der Energieverbrauch geht in Deutschland zurück.“ Denn die milderen Winter hätten zur Folge, dass weniger geheizt werden müsse. Und auch Christina Koppe, Medizinmeteorologin beim Deutschen Wetterdienst, kann dem Klimawandel mit Blick auf die gesundheitlichen Folgen einen positiven Aspekt abgewinnen: Es wird künftig vermutlich weniger Kältetote geben als bisher.“ Wie sich ohnehin bei milderen Wintern die Sterbekurve verändern dürfte: Würden derzeit mehr Menschen im Winter als im Sommer sterben, könnte sich dies künftig angleichen.
Insgesamt schätzt Koppe die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen jedoch überwiegend negativ“ ein. Auch im Rhein-Main-Gebiet. Denn durch mehr Sonnenschein im Sommer werde das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, erhöht. Die Luftqualität verschlechtere sich durch mehr Tage mit hoher Ozonkonzentration. Die größte Gesundheitsbeeinträchtigung besteht nach ihrer Ansicht aber im Anstieg der Temperaturen: Er begünstige eine Ausbreitung von Zecken und möglicherweise sogar der Malaria. Koppe berichtete von Untersuchungen, die für Portugal und Großbritannien eine Erhöhung des Infektionsrisikos prognostizierten. Und auch die Infektionskrankheit Leishmaniose, die durch die Sandmücke übertragen werde, könne in Mitteleuropa inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden. In Deutschland sei die Mücke entlang des Rheins bereits gefunden worden.
Allergiker finden keine Ruhe mehr“
Die wärmeren Temperaturen verändern aber auch die Pflanzenwelt: Die hochallergene Ambrosiapflanze verbreitet sich nach Koppes Worten immer mehr. Schon im vergangenen Jahr habe das hessische Umweltministerium vor der Pflanze gewarnt. Der Temperaturanstieg verlängere außerdem den Pollenflug. Derzeit beginne er etwa zehn Tage eher als früher. Allergiker finden keine Ruhe mehr“, sagte Koppe. Und schließlich würden die Menschen auch durch häufiger auftretende Extremereignisse“ gefährdet – Überflutungen, Stürme, Lawinen oder Hitzewellen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Henning Bode
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