
Juridicum auf dem Campus Bockenheim: Nach dem Abriss des Gebäudes könnte dort das Museum der Weltkulturen entstehen
24. Juli 2008 Der überwiegende Teil des 17 Hektar großen Universitätsgeländes auf dem Campus Bockenheim wird mit 9,4 Hektar als Mischgebiet ausgewiesen, etwa 2,8 Hektar werden zu reiner Wohnfläche umgewidmet. Das geht aus dem geänderten Flächennutzungsplan für das Gelände hervor, der von Montag an einen Monat lang offenliegen wird.
Der neue Flächennutzungsplan folgt weitgehend dem städtebaulichen Rahmenplan für das derzeit noch von der Goethe-Universität genutzte Gelände. Bisher war der überwiegende Teil des Areals als Sondergebiet für Hochschul- und Forschungseinrichtungen ausgewiesen. Mit dem neuen Flächennutzungsplan wird die Grundlage für Bebauungspläne für das Gelände geschaffen. Diese würden derzeit aufgestellt und seien weit fortgeschritten“, sagte Mark Gellert, der Sprecher des Planungsdezernats.
Wohnanteil soll auf maximal 35 Prozent gesteigert werden
Wie das für die Stadtentwicklung höchst interessante Areal nach dem Umzug der Universität auf den Campus Westend aussehen wird, ist im Flächennutzungsplan schon in Grundzügen zu erkennen. Wie hoch die Ausnutzung der Flächen sei, regele der Plan aber nicht, sagte Matthias Marsch, Abteilungsleiter beim Planungsverband, gestern. Daher ist das Ziel der Stadt, den ursprünglich im Rahmenplan vorgesehenen Wohnanteil von nur 30 Prozent der künftigen Bebauung zu steigern, weiterhin zu erreichen. Gellert rechnet mit einem Wohnanteil von maximal 35 Prozent“ der 340 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche.
Wie es in der Begründung zum geänderten Flächennutzungsplan heißt, soll das Areal zu einem Stadtquartier mit einer Mischung aus Gewerbe, Wohnen und qualitätvollen öffentlichen Aufenthaltsräumen“ umgestaltet werden. Es soll sich an der umliegenden Bebauung orientieren. Die durch das Straßennetz derzeit bestehende Gliederung in vier Blöcke soll durch einen Grünzug verbunden werden, der sich von der Bockenheimer Warte im Norden bis zur Georg-Voigt-Straße am Verlauf der Alten Landwehr orientiert. Dieser Grünstreifen soll, so heißt es, eine Fuge“ zwischen der im Westen geplanten reinen Wohnbebauung und den im Osten vorgesehenen Flächen für Dienstleistungen und Gewerbe bilden.
Denkmalgeschützter Sternwarte droht Schatten
Der zwischen Bockenheimer Warte und Senckenberg-Anlage verlaufende Abschnitt der Bockenheimer Landstraße vor dem denkmalgeschützten Depot soll umfunktioniert werden, um einen neuen Stadtteilmittelpunkt zu schaffen. Um die Bockenheimer Warte sollen Verkaufs- und Gastronomieflächen entstehen.
Im Südwesten des Plangebiets soll auf dem Grundstück des AfE-Turms eine Hochhausgruppe entwickelt werden. Drei treppenförmig abgestufte Hochhäuser mit einer Höhe von 70, 100 und 140 Metern sind im aktuellen Hochhausrahmenplan eingetragen. Das 70 Meter hohe Gebäude ist als Wohnhochhaus geplant. Die Hochhäuser drohen allerdings die denkmalgeschützte Sternwarte des Physikalischen Vereins zu verschatten, die sich nördlich am ebenfalls denkmalgeschützten Senckenberg-Naturkundemuseum an der Robert-Mayer-Straße befindet.
Wir sind nicht begeistert“, kommentierte der Vorsitzende des Physikalischen Vereins, Wolfgang Grünbein, gestern den derzeitigen Stand der Planungen. Durch die Hochhäuser sei der Himmel von der Sternwarte aus nur noch partiell sichtbar, Himmelsphänomene seien nur noch eingeschränkt zu beobachten. Der Verein beabsichtige daher, möglicherweise gegen den Bau der Hochhäuser vorzugehen. Wir suchen aber zunächst das Gespräch“, sagte Grünbein.
Bebauung soll Gelände deutlich aufwerten
Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG Holding und die OFB Projektentwicklung wollen das bisher von der Universität genutzte Gelände vom Land Hessen erwerben und im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) gemeinsam mit der Stadt entwickeln, sobald die Uni wie geplant im Jahr 2014 ihren Umzug auf den Campus Westend beendet hat. Das Land hofft, mit dem Verkauf des Geländes knapp 200 Millionen Euro zu erlösen. Die schon länger als zwei Jahre dauernden Gespräche drehten sich derzeit um Detailfragen“, sagte der Pressesprecher des Finanzministeriums, Jürgen Harrer. Es sei aber eher eine Frage von Monaten als von Jahren“, bis man zu einer Lösung komme.
Die Stadt will mit einer hochwertigen, sechs- bis siebengeschossigen Bebauung das Gelände aufwerten. Eine gleichmäßige, ruhige Höhenentwicklung ist geplant, heißt es in der Begründung zum Flächennutzungsplan. Auf dem Gelände der früheren Deutschen Bibliothek östlich der Zeppelinallee werden derzeit die 58 Meter hohen Westarkaden“ errichtet, ein Büroturm, den die KfW-Bank nutzen will. Noch ist unklar, ob auf der gegenüberliegenden Seite der Straße der markante Backsteinbau der Druckerei Dondorf im Norden des Geländes erhalten bleibt und, wie von verschiedenen Initiativen gewünscht, für genossenschaftliches Wohnen genutzt wird. Auch die KfW-Bankengruppe, die derzeit ihren Standort ausbaut, ist an dem Gelände interessiert. In der Begründung des geänderten Flächennutzungsplans heißt es, an dieser Stelle sei unter Umständen“ ein weiteres Hochhaus mit 50 bis 60 Meter Höhe angedacht.
Die Pläne liegen von Montag, 28. Juli, bis Mittwoch, 27. August, in der Geschäftsstelle des Planungsverbandes, Poststraße 16, offen. Die Bürozeiten für Besucher sind montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr sowie freitags von 9 bis 13 Uhr. Im Internet steht unter www.planungsverband.de ein Beteiligungsformular zur Verfügung. Weitere Informationen sind auch unter der Telefonnummer 0 69/25 77-15 56 zu erhalten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wolfgang Eilmes