Frankfurter Zoo

Zoo soll Zentrum der Umweltbildung werden

Von Eva-Maria Magel

Erfahrener Artenschützer: Manfred Niekisch

Erfahrener Artenschützer: Manfred Niekisch

05. Dezember 2007 Frankfurt könnte sich zu einem international wegweisenden Naturschutz-Zentrum entwickeln – das zumindest ist eine Hoffnung, die sich mit der Nominierung Manfred Niekischs zum Zoodirektor verbindet. „Umweltbildung im besten Sinne ohne säuerliche Indoktrination“ wünscht sich der Professor für Internationalen Naturschutz an der Universität Greifswald.

Dazu sollten nach seiner Meinung im Zoo und international Kooperationen, vor allem mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und dem Verbund Bio Frankfurt genutzt werden, die „einmalig“ seien. Er habe sich beworben, weil er glaube, der Stadt sei es mit der „Naturschutzvision“ ernst, sagte Niekisch der F.A.Z.: „Die Stadt hat den Handlungsdruck erkannt unter anderem aufgrund der unschönen Vorfälle.“ Er will für den Neuanfang vor allem das Vertrauen der Belegschaft gewinnen.

Berufung frühestens zum 1. März 2008

Voraussichtlich im Januar soll der künftige Zoo-Leiter vom Magistrat bestellt werden. Nicht nur Niekisch zeigte sich überrascht, wie schnell alles gegangen sei: Erst am Montag hatte sich Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) nach einem Assessment Center für Niekisch entschieden und am Dienstag Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), die Koalitionspartner und Niekisch selbst informiert. Insgesamt hätten sich gut 30 Kandidaten beworben, sagte Semmelroth. Niekisch solle nun in Sachen Artenschutz „Frankfurt modellhaft ausrichten“.

Der „beste Kandidat“, wie Semmelroth Niekisch nannte, ist sozusagen vor der Haustür gefunden worden. In Frankfurt ist der 1951 in Nürnberg geborene Zoologe, der in Bad Homburg lebt, schon seit 1983 tätig: Damals trat er eine Stelle als Leiter der Artenschutzzentrale beim World Wide Fund for Nature (WWF) an, der in Frankfurt seinen Sitz hat. Seit vielen Jahren gehört Niekisch dem Kuratorium der Bruno-H.-Schubert-Stiftung an, dem er seit Anfang November vorsteht, seit zwei Jahren ist er Vizepräsident der ZGF.

Diese Ämter hätten nichts mit seiner Berufung zu tun, so Niekisch, der international in zahlreichen Naturschutzgremien wirkt und auch die Bundesregierung berät. Er kann frühestens zum 1. März berufen werden, wenn der Vertrag des beurlaubten Zoodirektors Christian Schmidt endet, doch sagte er, er wolle schon zuvor öfter in den Zoo kommen, auch, um Gespräche mit dem Interimsdirektor Bernd Schildger zu führen. Die „Vorklärung“ der vergangenen Monate sieht er als gute Grundlage für einen Neuanfang. In der unter Leitung Schildgers erarbeiteten „Vision“ ist als Ziel ein „Zoo-Naturschutzzentrum“ genannt, das der Zoo mit Partnern wie der ZGF und dem Verbund Bio Frankfurt, an dem Senckenberg-Institut, Universität und WWF beteiligt sind, gestalten solle.

Niekisch sieht große Chancen für den Zoo

Die internationale Naturschutzorganisation ZGF hatte mehrfach auf die „Botschafterfunktion“ des Zoos hingewiesen, die man ausbauen und mit einem ökologischen Konzept verbinden könne, um Informationen auch über Naturschutzprojekte in aller Welt zu vermitteln. Die Leitung der ZGF hatte sich jüngst in New York den erfolgreichen Bronx Zoo angesehen, den die Wildlife Conservation Society betreibt.

Niekisch will zwar nicht unbedingt das amerikanische Vorbild imitieren, sieht aber große Chancen für den Zoo, zu denen er trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten auch die Lage mitten in der Stadt zählt. Außerdem habe er freie Hand, den Betrieb zu reorganisieren: Vieles sei in Bewegung. Semmelroth sagte, derzeit werde erarbeitet, welche Projekte beim Geldausgeben Priorität hätten – unter anderem sollen der Eingang und das Bärengehege verändert werden. Dabei solle der Zoo aber keine „Dauerbaustelle“ werden.

Der Geschäftsführer der ZGF, Christoph Schenck, und ZGF-Präsident Gerhard Kittscher nahmen die Nominierung ihres Vizepräsidenten „sehr positiv“ auf, wie Schenck sagte. Er lobte die „autarke Entscheidung der Stadt“. Es werde wohl in Kürze „intensive Gespräche“ zwischen beiden Seiten geben.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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