19. Januar 2006 Trotz der Kündigung der ursprünglich als Veranstaltungsort vorgesehenen Heilig-Geist-Kirche will der jüdische Verleger Abraham Melzer die vorgesehene Lesung mit Rupert Neudeck nicht absagen. Er bestehe auf das vom Grundgesetz garantierte Recht auf Meinungsfreiheit und lasse sich keine Zensur gefallen, sagte Melzer: "Wir wollen unsere Meinung äußern, ohne daß zionistische Organisationen uns stören." Neudeck wolle morgen abend in Frankfurt sein und lesen. Weil er keinen Ersatzraum in der Nähe des Dominikanerklosters gefunden hat, will Melzer die Veranstaltung vor der Kirche abhalten. Allerdings befürchte er Proteste und unschöne Szenen: "Ich kenne meine Brüder. Da gibt es einige Hitzköpfe."
Wie berichtet, hatte der evangelische Regionalverband den Mietvertrag mit Melzer gekündigt. Dies mit der Begründung, daß man die Sicherheit der Veranstaltung nicht mehr gewährleisten könne. Anlaß waren Proteste jüdischer Persönlichkeiten der Stadt, darunter der Historiker Arno Lustiger. Sie wenden sich vor allem gegen das Auftreten des Autors Hajo Meyer, eines jüdischen Holocaust-Überlebenden aus den Niederlanden, der in seinem Buch "Das Ende des Judentums" die israelische Politik gegenüber den Palästinensern massiv kritisiert hat.
Melzer wies darauf hin, daß für die Veranstaltung lediglich Rupert Neudeck angekündigt worden sei, der sein Buch "Ich will nicht mehr schweigen - Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina" vorstellen wolle. Autor Meyer, dessen Buch wie das von Neudeck im Melzer-Verlag erschienen ist, wolle nur als Zuhörer kommen. Neudeck habe sich beim Verfassen seines Werks von Meyer inspirieren lassen und sei mit diesem befreundet. Es sei absurd, von einer haßerfüllten Hetzveranstaltung gegen Israel zu sprechen, wie dies Lustiger in einem Aufruf zu Protesten gegen die Veranstaltung getan habe. Neudeck, der mit der von ihm gegründeten Hilfsorganisation Cap Anamur so vielen Menschen geholfen habe, sei alles andere als ein Judenfeind.
Er selbst, so versichert Melzer, liebe Israel, schließlich sei er dort geboren und aufgewachsen, seine ganze Familie wohne dort. Seine Kritik richte sich einzig und allein gegen die Politik der dortigen Regierung vor allem gegenüber den Palästinensern. Eine solche skeptische Haltung sei sein gutes Recht und habe nichts mit Antisemitismus zu tun. Gewiß sei es so, daß er manchmal für seine Haltung Beifall von der falschen Seite bekomme, doch dagegen könne er sich nicht wehren. So habe eine rechtsextremistische Zeitung einen Interviewwunsch an ihn herangetragen, er habe das Schreiben aber sofort in den Papierkorb geworfen.
Melzer zufolge hat der Evangelische Regionalverband ihm den Raum nicht aus Sicherheitsgründen gekündigt. Dessen Vorsitzende Esther Gebhardt habe ihm gesagt, man betrachte bei der Kirche den Streit als eine innerjüdische Angelegenheit und wolle sich da nicht einmischen. Der Verleger beklagte, daß seine Gegner mit der Skandalisierung seiner Arbeit und Haltung seinen Verlag ruinieren wollten. So habe Adolf Diamant, der eigenen Aussagen zufolge maßgeblich zu der Kündigung durch die Kirche beigetragen hat, Kunden des Verlags kontaktiert und ihnen gegenüber behauptet, das Unternehmen verbreite judenfeindliche Bücher.
Für neuen Ärger sorgte Melzer mit ausfälligen Schreiben an einige seiner Kritiker. So warf er dem früheren Auschwitz-Häftling Lustiger vor, er habe die Naziideologie und -methoden so verinnerlicht, daß er sie jetzt selbst anwende. rieb.