Frankfurter Zoo

Knuddeln von morgens bis abends

Von Rainer Schulze

Berührungsängste im Streichelzoo

Berührungsängste im Streichelzoo

24. Mai 2007 Was in einem Ziegenkopf vor sich geht, bleibt dem Menschen verschlossen. Aber vielleicht lässt sich der Reflex der afrikanischen Zwergziegen mit den Worten „In Deckung!“ übersetzen. Denn die Tiere flüchten, als zwei Kindergartengruppen juchzend ihr neues Gehege stürmen. Die Ziegen springen über einen liegenden Baumstamm und hinter das Gatter mit der Aufschrift „Ruhezone“.

In dem abgetrennten Rückzugsraum verschnaufen sie im Schatten eines Baumes. Die Kinder meinen es doch so gut, aber den Ziegen ist heute nicht nach Fellkontakt. Mensch und Tier müssen sich im neuen Streichelgehege des Zoos erst aneinander gewöhnen.

Haustier seit elf Jahrtausenden

„Streicheln ist okay, aber nicht Hinterherrennen.“ Walter Arlt weist die verdutzten Kinder zurecht, die gar nicht verstehen können, warum die Ziegen vor ihren Annäherungsversuchen Reißaus nehmen. Der Tierpfleger kümmert sich, das sieht man ihm irgendwie an, seit 32 Jahren um „robuste“ Tiere. Erst war er bei den Menschenaffen, heute reicht er Kamelen Heu und Wasser.

Auf ihnen sollen die Kinder im Streichelzoo später einmal ihre Runden drehen können. Vorerst gibt es das Angebot aber nur in der Pony-Klasse. Das genügsam wirkende Shetlandpony „Lissy“ und seine Gefährten „Laura“ und „Bruno“ werden von Samstag an im Gehege samstags und sonntags für kleine Ausritte zur Verfügung stehen.

Berührungsängste werden Ziegen gemeinhin nicht nachgesagt, „manche lassen sich von morgens bis abends knuddeln“, sagt Arlt. Immerhin hatte die Ziege „an sich“ auch genügend Zeit, sich an den Menschen zu gewöhnen: Schon vor elf Jahrtausenden, so verrät die Hinweistafel vor dem Gatter, wurden in Kleinasien Ziegen als Milch, Fleisch und Leder gebende Haustiere gehalten. In Frankfurt sind die Tiere dagegen fast zwei Jahre lang vom größten Trubel verschont geblieben. Der alte Streichelzoo musste 2006 dem dort entstehenden Bonoboland weichen.

„Ziegen sind von Natur aus neugierig“

Einige ganz junge Zicklein im neuen, großen Gehege in der Huftieranlage schnuppern sogar erst seit zwei Monaten Zooluft. Wenn sie partout keine Lust auf Streichelkontakt haben, stupsen sie unmissverständlich mit dem Kopf. Das, sagt Huftierkurator Stefan Stadler, sei aber auch ihre einzige Charakterschwäche. „Ziegen sind von Natur aus neugierig und können gut mit Kindern.“

Die Streicheleinheiten, die im neuen Gehege verabreicht werden, hätte sich mancher Zoomitarbeiter vermutlich auch früher gewünscht. Die Stimmung wirkt nach dem überraschenden Rücktritt des früheren Direktors Christian Schmidt jedenfalls sehr aufgeräumt. Noch will sich niemand dazu äußern, unter wessen Führung es weitergeht. Erst wenn man sich über die in Richtung Naturschutz weisende Zukunftsstrategie einig sei, so heißt es aus dem Kulturamt, würden Namen genannt.

Durch einen barrierefreien Zugang können auch Rollstuhlfahrer den neuen Streichelzoo betreten. Kinder, die mit der Fauna selten in Berührung kommen, sollen hier den Umgang mit Tieren lernen. Dass es durchaus Aufklärungsbedarf gibt, zeigt sich im Gehege nebenan. Möhrchen mümmelnde Meerschweinchen liegen unter kindlicher Beobachtung faul auf der Wiese. „Hallo, kleiner Hase!“, ruft ein Knirps. Sein Freund korrigiert: „Ich weiß, was die sind: Hamsters.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Bergmann

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