01. Mai 2008 Die Chancen, dass der geplante Neubau für das Museum der Weltkulturen auf dem Degussa-Areal entsteht, stehen offenbar schlecht. Das lässt sich aus Äußerungen der Vorsitzender der Koalitionsfraktionen von CDU und Grünen, Markus Frank und Olaf Cunitz, ableiten. Er wisse nicht, wie innerhalb von vier Wochen die notwendigen Beschlüsse in der Koalition zu dem Museumsprojekt gefasst werden sollten, äußerte Cunitz auf Anfrage.
Der Eigentümer des Degussa-Areals, die Deutsche Immobilien Chancen (DIC), hat der Stadt bis Ende Mai Zeit gegeben, sich über das Vorhaben schlüssig zu werden (F.A.Z. vom Mittwoch). Andernfalls will das Immobilienunternehmen seinen ursprünglichen Plan weiterverfolgen, an dem für das Museum vorgesehenen Standort Wohnungen zu errichten.
Zögerlicher Magistrat
Cunitz äußerte sich erstaunt“ über das Vorgehen des Magistrats. Bisher hätten weder Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) noch die anderen Vertreter der Stadt, die an den Verhandlungen mit der DIC beteiligt gewesen seien, das Thema zur Beratung in der Koalitionsrunde angemeldet.
Mit den anderen Vertretern“ meint Cunitz die beiden CDU-Dezernenten Edwin Schwarz (Planung) und Felix Semmelroth (Kultur). Dabei seien die Gespräche mit der DIC doch schon vor etlichen Wochen im Kern abgeschlossen gewesen, hob Cunitz hervor.
Die Zeit wird knapp
Frank äußerte sich zurückhaltender. Wir freuen uns auf die Informationen des Magistrats und werden sie bewerten“, sagte er mit ironischem Unterton. Implizit bestätigte er damit, dass auch die CDU-Fraktion bisher über Details des Vorhabens nicht in Kenntnis gesetzt wurde.
Auf die Frage, ob er glaube, dass innerhalb von vier Wochen eine Entscheidung herbeigeführt werden könne, antwortete Frank ausweichend. Wir werden alles tun, um die Kulturstadt Frankfurt weiter zu stärker“, sagte er.
Vage Faktenbasis
Ich bin mit dem Gesamtverfahren unglücklich“, äußerte Cunitz weiter. Erstaunlich sei, dass das Raumprogramm für das Museum erst unmittelbar vor Ostern vorgelegt worden sei. Das war um den 20. März; zu diesem Zeitpunkt waren schon monatelang Verhandlungen mit der DIC über das Museumsprojekt geführt worden – offenbar auf sehr vager Faktenbasis.
Die DIC hatte ursprünglich sogar angemahnt, dass sich die Stadt bis Ende März über das Projekt klarwerden müsse, damit die Bebauung des übrigen Areals nicht verzögert werde. Die DIC hat die Frist dann mit Rücksicht auf die Entscheidungsprozesse auf seiten der Stadt um zwei Monate verlängert.
Das war nicht optimal
Cunitz wies darauf hin, dass die Grünen schon sehr früh klargemacht hätten, dass sie eine Erweiterung im Park des derzeitigen Standorts am Museumsufer strikt ablehnen. Diese Variante hatten Kulturdezernent Semmelroth und die Mehrheit der CDU-Fraktion favorisiert.
Dennoch habe anschließend offenbar keine ernsthafte und systematische Prüfung verschiedener anderer Standorte stattgefunden, jedenfall sei ihm kein derartiges Gutachten bekannt, sagte Cunitz weiter. Stattdessen habe man sich im Magistrat schnell auf das Degussa-Areal als neuen Wunschstandort kapriziert. Das war nicht optimal.“
Zweifel an Mietmodell
Cunitz sagte, auch das geplante Mietmodell für das Museums betrachte er zurückhaltend. Dass die Stadt nicht Eigentümerin des Museums werde, sei politisch schwer zu vermitteln. Zudem wundere ihn, welche Dimension das Projekt mittlerweile angenommen habe. Im Koalitionsvertrag sei von einer Erweiterung des Museums im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Stadt die Rede.
Es sei doch fraglich, ob der jetzt vorgesehene 8500-Quadratmeter-Bau noch vom Vertragstext gedeckt wäre. Im Nachhinein stelle sich auch die Frage, ob nicht auf falscher Faktenbasis über den Erweiterungsbau im Museumspark gesprochen worden sei. Damals habe das Museum seinen Raumbedarf deutlich niedriger angesetzt.
Üppiges Raumangebot
Im Raumprogramm, das dieser Zeitung vorliegt, wird eine Nutzfläche von 7655 Quadratmeter veranschlagt. Nimmt man Verkehrs- und Funktionsflächen hinzu errechnen sich 8500 bis 9000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Für Ausstellungsräume sind 4570 Quadratmeter vorgesehen, die übrigen gut 3000 Quadratmeter Nutzflächen sind für Museumspädagogik, Foyer, Gastronomie, Bibliothek und Archiv sowie Verwaltung, Werkstatt und Lager veranschlagt.
Wie zu hören ist, waren im Kulturdezernat zwischenzeitlich sogar Berechnungen angestellt worden, wonach der Neubau bis zu 14 000 Quadratmeter groß werden sollte.
Grünen-Fraktionschef Olaf Cunitz stellt den Neubau
des Museums der Weltkulturen auf dem Degussa-Areal infrage.
Text: F.A.Z./ale.
Bildmaterial: F.A.Z. - Röth
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