Frankfurter Opernball

Ein Frühlingstraum in Pink

Von Michael Hierholzer

Umrahmt von Pink: Der ehemalige Schweizer Botschafter Thomas Borer und seine Frau Shawne Borer-Fielding

Umrahmt von Pink: Der ehemalige Schweizer Botschafter Thomas Borer und seine Frau Shawne Borer-Fielding

01. März 2009 Die Außentemperatur hat sich dem Motto des Deutschen Opernballs 2009 angepasst: Vorfrühlingshaft moderat steht die Luft über dem polizeilich komplett gesperrten Platz und wagt nicht zu wehen. Phantastische Blüten, Sumpfdotterblumen gleich, schweben über dem Lucae-Brunnen und zieren die Fassade des Neorenaissance-Gebäudes der Alten Oper. Künstliche Lichtpflanzen. Weiß, blau, gelb, rot. Blumenmädchen auf Stelzen und eine Schneckenfee mit spiraligem Haus lassen keinen Zweifel am diesjährigen Thema dieses Ereignisses aufkommen, das den Charakter eines Frankfurter Bürgerballs nie abgelegt hat und mit seiner gesittet-lockeren Art einzigartig bleibt in Deutschland.

Walzerklänge begrüßen die Gäste, die aus den gediegenen Automobilen einer schwäbischen Firma, aus Taxis und gelegentlich aus einer Stretch-Limousine steigen, darunter Damen in für die Jahreszeit eigentlich noch zu dünnen Kleidern. Manch eine strahlt in unifarbenem Abendgewand, in leuchtendem Grün, in sattem Dunkelrot. Lächeln, immer nur lächeln. Die Fotoapparate und Kameras suchen Fernsehärztin Antje-Kathrin Kühnemann, Schauspielerin Gudrun Landgrebe, Eiskunstlauf-Legende Marika Kilius und all die anderen mal fest, mal ätherisch, mal gekünstelt in die Objektive blickenden Fürstinnen des Fests. Die Männer sind bei der Gesichtsakrobatik eher zurückhaltend. Zwischen den Ankommenden dreht ein walzerseliges Paar seine Kreise. Jeder Gast erhält Beifall. Es gibt keine Unterschiede. So ist Frankfurt.

Jazziges vom Bläser-Quintett

„Printemps, Primavera - Frühling“: Ins Foyer hat sich ein Schmetterling auf Pumps verirrt, mit großen Flügeln, ein zartes Geschöpf. Ein Bläser-Quintett spielt jazzig auf. Als Erstes finden viele an einem Glas Champagner Halt, junge Frauen raffen ihre überlangen Abendkleider beim Gehen, damit sie nicht jetzt schon unten herum zu knittern beginnen, und die Fliegen der Herren sitzen noch so akkurat, als seien sie mit der Wasserwaage ausgerichtet worden.

Der Große Saal ist ein Traum in Pink. Rosa Tischdecken, pastellfarbene Lichtspiele, von der Decke hängt eine Riesenblume. Ein ausladender goldener Rahmen umfasst die Projektionsfläche, auf der sich alle wichtigen Vorkommnisse dieses Abends, dieser Nacht widerspiegeln. Es ist angerichtet. Auf einigen Tellern findet sich ein kleiner gläserner Damenschuh mit gemüseverdächtigem Inhalt. In diesem Saal wird gegessen, getanzt, das Show-Programm präsentiert. Oberbürgermeisterin Petra Roth wiegt sich im Takt. Auch Bankier und Ehrenbürger Friedrich von Metzler hat vor, sich zur Musik zu bewegen: „Ich muss nur geführt werden“, sagt er lachend.

Mit oder ohne Kummerbund

Anderswo in der Alten Oper hat eine Wahrsagerin ihr Zelt aufgeschlagen. Schon legt sie für eine Dame die Karten. Es wird nichts Schlimmes sein, was ihr prophezeit wird. Denn „Die Zukunft ist rosarot“ steht auf dem Schild, das zum Blick in die Zukunft einlädt.

Der Trend bei den Herren geht zum schwarzen Halspropeller. Ein paar sind „overdressed“ und tragen Frack. Das ist Robin Gibb nicht gänzlich angemessen: Der einstige Sänger der Bee Gees, Stargast des Abends, hat schließlich schon in den sechziger Jahren des vorigen Säkulums für frischen musikalischen Wind gesorgt. Da reicht der Smoking aus. Mit oder ohne Kummerbund. Je länger die Nacht währt, um so zerzauster Frisur und Garderobe. Das ist der Lauf einer Ballnacht. Wer nicht flaniert, versäumt viel. Zauberkünste, Kraftakte, musikalische Spezialitäten unterschiedlicher Stilrichtungen, kulinarische Finessen. Es wird gefeiert, bis der Morgen graut. Gut, dass heute Sonntag ist.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: ©Helmut Fricke, AP, ddp, dpa, Wolfgang Eilmes, Wonge Bergmann

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