Evangelische Kirche

„Ranking“ für Frankfurter Gotteshäuser

Von Stefan Toepfer

Als sogenannte Dotationskirche nicht im Ranking bewertet: die Katharinenkirche

Als sogenannte Dotationskirche nicht im Ranking bewertet: die Katharinenkirche

20. Mai 2008 Die evangelische Kirche in Frankfurt kann wegen drastisch sinkender Kirchensteuereinnahmen nicht mehr alle Gotteshäuser unterhalten. Als neue Grundlage für die Debatte darüber, welche Kirchen nicht weiter finanziert werden, haben alle Gemeinden nun eine Liste bekommen, auf der die Gotteshäuser mit Punkten bewertet werden. Am Ende der Liste, die dieser Zeitung vorliegt, stehen die Versöhnungskirche im Gallusviertel (5,8 Punkte) und die Festeburgkirche in Preungesheim (6,2). Angeführt wird das „Ranking“ von der Emmauskirche in Eschersheim (9,8) und der Epiphaniaskirche im Nordend (9,3).

Die Regionalversammlung, das „Parlament“ der Kirche, hatte das Verfahren zur Bewertung der Gotteshäuser im April beschlossen. Es war zuvor von einem Ausschuss erarbeitet worden. Bei diesem der Kirche zufolge in Deutschland „bisher einmaligen“ Kriterienkatalog werden die Kirchen nach ihrem Zustand, ihrem Symbolwert, dem Einzugsgebiet und der erwarteten Entwicklung der Gemeinde bewertet. Jedes dieser vier Kriterien ist in drei oder vier weitere Bewertungsmaßstäbe unterteilt. Die Höchstpunktzahl liegt bei zwölf (je drei Gesamtpunkte aus den vier Hauptkriterien). Berücksichtigt werden etwa der kalkulierte Bauunterhalt, der Denkmalschutz, die Erreichbarkeit einer Kirche, der Gottesdienstbesuch und die demographische Entwicklung einer Gemeinde (alle Ergebnisse des Rankings: Bewertungsergebnis der Frankfurter Kirchen ).

Dotationskirchen nicht bewertet

Die Emmauskirche schneidet deswegen so gut ab, weil sie in einem guten Zustand ist (insgesamt drei Punkte) und in der Denkmalliste der Stadt steht, unter anderem einen „markanten“ Außenplatz besitzt und somit einen relativ hohen Symbolwert hat (2,5 Punkte). Gedrückt wird die Gesamtpunktzahl allerdings von der relativ schlechten Quote beim Gottesdienstbesuch (weniger als 2,5 Prozent der Gemeindemitglieder). Doch steht sie insgesamt mit 9,8 Punkten sehr gut da. Die Versöhnungskirche ist demgegenüber zum Beispiel in einem schlechteren Zustand (zwei Punkte) und hat nur einen niedrigen Symbolwert (1,3). Eine „Zukunftsentwicklung“ – entscheidend dafür sind Mitgliederzahl, Gottesdienstbesuch und demographische Entwicklung – wird für diese Kirche kaum gesehen (ein Punkt). Als positiv wird hingegen die Entwicklung von Gemeinden gesehen, in denen es Neubaugebiete gibt, etwa die Kreuzgemeinde in Preungesheim mit dem „Frankfurter Bogen“ oder die Dreifaltigkeitsgemeinde, zu der der neue „Rebstockpark“ gehört. Die Zahl der Mitglieder dieser Gemeinde wird sich, so die Prognose, bis 2017 sogar mehr als verdoppeln.

Nicht bewertet wurden die „Dotationskirchen“ in der Innenstadt, etwa die Alte Nikolaikirche (für deren Unterhalt kommt die Stadt auf), und Gotteshäuser, die durch Spenden unterhalten werden, etwa die Dorfkirche in Unterliederbach.

Die Liste soll noch keine definitive Entscheidung darüber sein, welches Gotteshaus auch künftig aus Kirchensteuermitteln unterhalten wird. Bis zum 30. Juni sollen die Gemeinden bei der Bau- und Liegenschaftsabteilung des Evangelischen Regionalverbands dazu Stellung nehmen – auch hinsichtlich der Gemeindehäuser. Gemeinsam mit dem „Kirchen-Ranking“ wurde den Gemeinden auch eine Liste mit der Bewertung dieser Häuser zugesandt. Bis Ende 2010 soll es dann ein Gebäudekonzept geben und über die Abgabe von Immobilien entschieden worden sein.

56 Kirchen und 102 Gemeinde- und Pfarrhäuser

Nach Angaben der Kirche sind für den Unterhalt der jetzigen Gebäude in den nächsten zehn Jahren fast 43 Millionen Euro nötig; es stehen aber nur 22,5 Millionen Euro aus der Kirchensteuer zur Verfügung. In Frankfurt gibt es derzeit 56 Kirchen und 102 Gemeinde- und Pfarrhäuser.

Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Regionalverbands, war für ein Gespräch nicht zu erreichen. Im März hatte sie gegenüber dieser Zeitung aber gesagt, dass in absehbarer Zeit 15 bis 20 Kirchen abgegeben werden könnten.

Kritik am schlechten Platz „seiner“ Kirche übte Volker Stein aus der Festeburggemeinde. Stein gehörte bis Januar mehr als 35 Jahre dem Kirchenvorstand an und berät diesen jetzt in der Diskussion um die Gebäude; er ist außerdem Gebhardts Stellvertreter im Regionalverband. Stein sagte, es sei nicht berücksichtigt worden, dass in der Festeburgkirche wegen ihrer Akustik immer wieder Musikaufnahmen gemacht würden. Außerdem werde sie auch von der Schwedischen Gemeinde genutzt. Manche Kriterien seien subjektiv; das Ranking sei „mit der heißen Nadel gestrickt“ worden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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