Von Friederike Haupt
13. Oktober 2006 Sebastian Brenner hat sich schick gemacht für die Uni. Weißes Jackett, weißes T-Shirt, akkurat gescheiteltes Haar - alles muß stimmen, denn Sebastian hat heute noch viel vor. Auf die Willkommensparty am Abend freue ich mich schon, sagt der angehende Jurastudent. Die offizielle Begrüßung der Universitätsneulinge auf dem Frankfurter Westend-Campus hat er gerade hinter sich gebracht.
War ganz okay, sagt er diplomatisch und schaut nebenbei schon den Studenten hinterher, die sich gerade um den Stand mit den blau glänzenden Begrüßungstaschen scharen. Andere sind im Festsaal geblieben, um sich an den kleinen Messeständen zu informieren. Am Juso-Tisch wird wild diskutiert, während eine Krankenkasse für die Aktion rauchfreie Hochschule wirbt und die größtenteils desinteressiert vorbeischlendernden Studenten mit Gratiskugelschreibern anzulocken versucht. Wo gleich gefüllte Plastiktaschen ausgegeben werden, zieht es besonders viele hin; daß sich in der Tüte dann nur Prospekte befinden anstatt der vielleicht erhofften Werbegeschenke sorgt bei einigen für enttäuschte Gesichter.
245 Euro Semesterbeitrag sind schon heftig
Schon während der Begrüßungsreden hatten sich viele lieber den Ständen zugewandt. Ich freue mich ganz außerordentlich über Ihr Glück! Mit diesen Worten eröffnete Uni-Vizepräsident Horst Stöcker seine Ansprache, um anschließend zu erläutern, daß er das Glück der Studenten meine, an einer so exzellenten Hochschule eingeschrieben zu sein. Schnell setzte allgemeines Gemurmel ein, das sich auch während der Rede von Stadträtin Manuela Rottmann (Die Grünen) fortsetzte. An mir sieht man: Man wird was, wenn man hier studiert hat, sagte sie den Studenten, von denen daraufhin einige grinsten und die meisten weiter in ihren schon gesammelten Informationsprospekten blätterten.
So weit in die Zukunft denken die meisten Neustudenten noch nicht, viel spannender ist für sie das Thema Studiengebühren. Während vor dem Eingang Ralph Nierula vom studentischen Protestplenum Zettel mit Demonstrationsaufrufen verteilt und sich über das Interesse der Erstsemester freut, schaut sich Christoph Neuert noch im Festsaal um. Der Hanauer hat sich für katholische Theologie und klassische Archäologie eingeschrieben. Die 245 Euro Semesterbeitrag, die wir jetzt schon zahlen, sind ja schon heftig, sagt er. In Sachen Studiengebühren wolle er sich bald beim AStA informieren. Daß er während des Studiums im nahen Frankfurt weiterhin zu Hause wohnen könne, entschärfe aber seine finanzielle Lage. Einige der neu Eingeschriebenen denken wegen der Gebühren schon über einen Hochschulwechsel nach - beispielsweise Marion Graupner. Nach dem Bachelor könnte ich mir das gut vorstellen, sagt die Geologiestudentin. Christian Betz, ebenfalls angehender Geologe, hat sich für einen Wechsel schon Trier ausgesucht. Rheinland-Pfalz eben, gebührenfrei, sagt er lachend. Daß das Land Studenten von außerhalb zahlen lassen will, scheint er nicht zu wissen.
Rund 5500 Studenten hätten sich zum Wintersemester eingeschrieben, verkündet eine Mitarbeiterin des Studentensekretariats stolz; ein paar könnten in den nächsten Wochen noch dazukommen. Einige von ihnen hat Jurastudent Sebastian Brenner wohl abends bei der Willkommensparty getroffen. Die hat er mit Freunden besucht. Aus Kriftel? Nein, die Leute kenne ich vom Uni-Orientierungstag.
Text: F.A.Z., 13.10.2006
Bildmaterial: F.A.Z. - Anna Mutter