07. Januar 2008 Nach der Attacke auf einen Frankfurter U-Bahn-Fahrer werden von Mitte des Jahres an alle unterirdisch gelegenen U-Bahn-Stationen im Stadtgebiet mit Videokameras und Notrufsäulen ausgerüstet. Dies teilte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mit. Außerdem soll die Stadtpolizei nach einem Plan des Frankfurter Sicherheitsdezernenten Volker Stein (FDP) in den Abendstunden öfter auf den Bahnsteigen patrouillieren. Dem 43 Jahre alten Bahnfahrer, der in der Nacht zu Sonntag an der Station Heddernheim von Jugendlichen ohne ersichtlichen Grund zusammengeschlagen worden war, geht es unterdessen besser: Er hat das Krankenhaus verlassen.
Die Täter sollen zu einer Gruppe von sieben Jugendlichen im Alter zwischen 17 und 21 Jahren gehören. Die Staatsanwaltschaft konzentriert sich bei den Ermittlungen nunmehr auf zwei der jungen Männer, wie Sprecherin Doris Möller-Scheu mitteilte. Ein Zwanzigjähriger soll das Opfer geschlagen, ein Siebzehnjähriger soll zugetreten haben. Der Jüngere sei erst im November 2007 zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten wegen Körperverletzung und Raubs verurteilt worden. Gegen ihn werde Haftbefehl beantragt wegen Wiederholungsgefahr.
Jugendliche Verdächtige mehrfach vorbestraft
Drei der sieben jungen Männer hätten keinen Anteil an der Tat. Zwei weitere sollen vor dem Vorfall in der U-Bahn randaliert haben. Das Opfer identifizierte die Verdächtigen auf Fotos. Die nicht unmittelbar beteiligten Jugendlichen hatten dem Opfer nicht geholfen. Erst eine Polizeistreife verhinderte weitere Angriffe. Alle sieben Jugendlichen sind auf freiem Fuß.
Nach Darstellung des hessischen Innenministers Volker Bouffier (CDU) sind sechs von ihnen Deutsche ausländischer Abstammung. Drei von ihnen hätten eine doppelte Staatsbürgerschaft. Der eine besitze neben dem deutschen einen afghanischen Pass, der Zweite einen eritreischen und der Dritte einen polnischen Pass. Die Jugendlichen seien mehrfach vorbestraft, sagte Landespolizeipräsident Norbert Nedela. Sie seien unter anderem wegen Raubes, Körperverletzung, Sexualdelikten, Rauschgiftkonsums und Diebstahls verurteilt worden.
Die VGF kündigte an, dass bis Ende 2009 die übrigen 19 der 26 unterirdisch gelegenen Frankfurter U-Bahn-Stationen mit Videokameras und Notrufsäulen ausgestattet würden. Dieses Projekt sei jedoch keine unmittelbare Reaktion auf den Überfall und schon im Dezember 2006 beantragt worden. Von den Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro übernimmt das Land laut hessischem Verkehrsministerium 1,6 Millionen; den Rest trägt die VGF. Das Geld könne erst jetzt freigegeben werden, weil der Antrag zu spät für den Haushalt 2007 eingereicht worden sei, äußerte ein Ministeriumssprecher.
Gewerkschaft der Polizei wirft Koch Unglaubwürdigkeit vor
Die ersten sieben U-Bahn-Stationen waren vor der Fußball-WM 2006 mit Kameras und Notrufen ausgestattet worden. Außer den 26 unterirdischen gibt es in Frankfurt 58 oberirdisch gelegene U-Bahn-Haltestellen. Auch die Station in Heddernheim liegt über der Erde und wird bisher nicht von Kameras überwacht. Eine der Kameras des nahen VGF-Betriebshofs nahm jedoch einige der verdächtigen Jugendlichen auf; die Tat selbst ist nicht dokumentiert.
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sieht sich nach dem Vorfall in Frankfurt in seiner Forderung nach einem härteren Jugendstrafrecht bestärkt. Die Gewerkschaft der Polizei dagegen warf ihm Unglaubwürdigkeit vor. Erst seien unter seiner Führung Stellen bei der Polizei gestrichen worden, und nun wolle der Ministerpräsident plötzlich Jugendliche mit höheren Strafen abschrecken. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Christean Wagner, teilte dagegen mit, es gebe heute über 1000 Polizisten mehr auf der Straße als bei Rot-Grün“ 1999.
Der Frankfurter Sicherheitsdezernent Stein kündigte an, öfter Streifen der Stadtpolizei auf die U-Bahnhöfe zu schicken, vor allem nach 20 Uhr, wenn der Berufsverkehr abnehme. Wir müssen mehr Präsenz zeigen und die Täter damit abschrecken.“ Der Frankfurter SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling sprach sich dafür aus, Jugendliche nach einer Tat schneller zu bestrafen. Er gab zu bedenken, dass es auch mit mehr Kameras in den U-Bahn-Stationen weiterhin tote Winkel“ geben werde. Grünen-Fraktionschef Olaf Cunitz warnte davor, die Debatte auf Jugendliche aus Einwandererfamilien zu verengen: Das ist ein soziales Problem.“ Sein Kollege Markus Frank (CDU) forderte, das Strafrecht so zu verändern, dass solche brutalen Schläger nicht sofort nach der Tat wieder auf freiem Fuß sind“.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Frank Röth