14. Mai 2008 Bei der Messerattacke auf einen Frankfurter Rabbiner waren sowohl beim Angreifer als auch beim Opfer Drogen beziehungsweise starke Medikamente im Spiel. In nicht öffentlicher Sitzung beschäftigte sich das Frankfurter Landgericht am Mittwoch die Medikation des jüdischen Geistlichen zum Zeitpunkt des Angriffs im September vergangenen Jahres. Es handele sich um eine geballte Mischung diverser Anti-Depressiva, erklärte hinterher der Rechtsmediziner Gerold Kauert. Er frage sich schon, welche Indikation für derart schwere Geschütze bestanden habe. Insgesamt sei die Medikation etwas merkwürdig, lasse aber auf die Behandlung einer Depression schließen.
Der mutmaßliche Täter, ein 23 Jahre alter Deutsch-Afghane, hat am Tattag möglicherweise weniger Haschisch geraucht als er ausgesagt hat. Er hätte nach den Schilderungen des Konsums höhere Carbonsäurewerte im Urin des Mannes erwartet, sagte Gutachter Kauert. Der Angeklagte hatte berichtet, vor der Tat innerhalb weniger Stunden vier oder fünf Joints geraucht zu haben. Die im Brusthaar des Angreifers festgestellten Werte des Cannabis-Wirkstoffs THC wiesen schon auf einen recht häufigen, aber keineswegs exzessiven Konsum der Droge, meinte hingegen der Rechtsmediziner.
Mit Gaspistole auf Hausmeister geschossen
Zuvor hatten Zeugen von anderen, dem Gericht bereits bekannten Gewalttaten des arbeitslosen jungen Mannes berichtet. So hat er mehrfach in einem Hochhaus im Frankfurter Vorort Hattersheim Nachbarn und den Hausmeister bedroht. Auf den Hausmeister feuerte er aus einer Gaspistole und zeigte ihm eine scharfe Patrone mit den Worten: Für dich Scheiß-Deutschen ist so eine Kugel in Afghanistan bestimmt. Die Zeugen waren auf Antrag des als Nebenkläger auftretenden Rabbiners geladen worden.
Die beiden Begleiter des Rabbis vom Tatabend, dem 7. September 2007, scheuen sich hingegen weiterhin, für eine Zeugenaussage erneut nach Deutschland zu kommen. Es handelt sich um eine junge Jüdin aus Brasilien und einen Israeli. Sie hätten über ihre Anwälte mehr oder minder diffuse Ängste geäußert, berichtete der Gerichtsvorsitzende Klaus Drescher. Sie sollen für den Montag erneut geladen werden. Noch für den selben Tag sind die Plädoyers vorgesehen, bevor am Dienstag das Urteil fallen soll.
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa
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