Von Katharina Iskandar
15. Januar 2008 Mit Gottesdiensten, Anti-Rassismus-Plakaten und einer Ausstellung zum Thema Rechtsextreme Gewalt“ in der Nikolaikirche will das Römerbergbündnis gegen die Kundgebungen von NPD und Republikanern protestieren, die am Samstag- und Sonntagnachmittag auf dem Römerberg abgehalten werden sollen. Wir rufen dazu auf, dass die Bürger Zivilcourage zeigen und in die Nikolaikirche kommen“, sagte Harald Fiedler, Sprecher des Bündnisses, das sich aus Kirchen, der Jüdischen Gemeinde, dem Frankfurter Jugendring und dem Deutschen Gewerkschaftsbund zusammensetzt. Es sei unerträglich“, wenn rechtsextreme Parteien den Römerberg für Wahlkampfzwecke nutzten. Solche Kundgebungen würden in Frankfurt nicht unwidersprochen akzeptiert“.
Auf eine eigene Kundgebung, die etwa auf dem Paulsplatz möglich gewesen wäre, werde man aber verzichten, sagte Fiedler weiter. Wir wollen nicht auf einen anderen Platz ausweichen, sondern unsere Meinung genau dort kundtun, wo sich die rechtsextremen Parteien versammeln – auf dem Römerberg“. Der Platz gehöre allen Bürgern der Stadt, nicht nur bestimmten Gruppierungen. Diese Ansicht macht das Bündnis auch auf einem Flugblatt deutlich, das in diesen Tagen unter dem Motto Der Frankfurter Römerberg gehört den Demokraten“ verteilt werden soll. Stadtdekan Raban Tilmann hofft, dass der Römerberg und somit auch die Nikolaikirche während der Kundgebungen für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben und der Platz nicht aus Sicherheitsgründen abgeriegelt werden muss. Man kann die Menschen schließlich nicht daran hindern, den Gottesdienst zu besuchen.“
Einsatz von mehreren hundert Polizisten vorgesehen
Nach den Worten von Sprecher Jürgen Linker erwartet die Polizei, dass die Veranstaltungen von allen Seiten her friedlich verlaufen“. Man sehe derzeit keinen Anlass, den gesamten Platz abzusperren. Gleichwohl machte Linker deutlich, dass es in erster Linie die Aufgabe der Polizei sei, dafür zu sorgen, dass die Veranstaltungen bis zum Schluss gewaltfrei bleiben“. Sollte es doch zu Auseinandersetzungen zwischen den Lagern kommen, könne es rein theoretisch“ sein, dass der Römerberg zeitweise nicht für jedermann zugänglich sein werde. Mehrere hundert Beamte werden nach den Plänen der Polizei jeweils an beiden Tagen im Einsatz sein. Nach den Worten Linkers sind die Veranstaltungen aber bei weitem nicht mit den NPD-Aufmärschen im Juli und Oktober zu vergleichen“. Damals waren einige hundert NPD-Anhänger durch Hausen marschiert – begleitet von Tausenden von Polizisten.
Protest gegen die Kundgebungen haben auch die Anti-Nazi-Koordination (ANK) und die Frankfurter Antifa angekündigt. Nach Angaben von ANK-Sprecher Hans Christoph Stoodt werden die Gegendemonstranten versuchen, den Römerberg jeweils schon zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltungen zu besetzen, in der Hoffnung, dass die Polizei uns lässt“. Mitglieder der Antifa wollen diesen Plan unterstützen, wie zu hören war. Sollte die Polizei den Platz jedoch vorher absperren, um die angemeldete Kundgebung zu gewährleisten, wie es das Grundgesetz vorsieht, erwägt die Antifa nach eigenen Angaben eine weitere Protestaktion vor dem Polizeipräsidium.
Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) machte gestern unterdessen deutlich, dass es kein Instrumentarium“ gebe, um die Kundgebungen zu verbieten. Stattdessen habe man sich darauf konzentriert, durch Auflagen für beide Veranstaltungen ein möglichst enges Zeitfenster“ von höchstens zweieinhalb Stunden zu schaffen. Hochzeiten, die am Samstag im Römer stattfinden, sind laut Stein nicht tangiert“. Sie seien für den Vormittag terminiert. Von einem friedlichen Verlauf geht auch der Frankfurter Einzelhandelsverband aus. Natürlich weiß man nie, wie solche Veranstaltungen enden“, sagte Verbandsvorsitzender Frank Albrecht gestern. Die Schaufenster verrammeln wir aber deswegen nicht.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt
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