Von Katharina Iskandar und Britta Jansen
27. November 2008 Die haben mir auf den Arm geschlagen und mich mit schwarzer Farbe besprüht. Denis Vugrinec steht noch immer unter Schock. Der Mitarbeiter des Studentenwerks hatte am Mittwoch in der Cafeteria des House of Finance Dienst, als er von vermummten Demonstranten attackiert worden war. Sie wollten Waren stehlen, wie Vugrinec sagt. Als er die Randalierer aus der Cafeteria werfen wollte, griffen sie ihn an.
Vugrinec ist nicht der Einzige, der sich am Tag nach dem Krawall am Campus Westend an der Aggressivität der Vorfälle stört. Gestern wurde eine Petition ins Internet gestellt, dort sprechen sich Teile der Studentenschaft gegen Gewalt aus - und kritisieren insbesondere die AStA-Vorsitzende Nadia Sergan, die das Vorgehen in einer öffentlichen Mitteilung als super Aktion bezeichnet hatte. In den vergangenen Jahren kam es in Verbindung mit studentischen Protesten in wiederholtem Maße zu gewalttätigen Ausschreitungen. Die Mehrheit der Studenten kann sich damit nicht identifizieren, heißt es in der Petition (www.ipetitions.com/petition/StudentenGegenGewalt/). Der AStA solle sich von diesen Taten distanzieren und dafür sorgen, dass es in Zukunft in Verbindung mit studentischen Protesten nicht zu solchen Ausschreitungen kommt.
Die haben sich total asozial verhalten
So kann kaum einer der Studenten verstehen, was die Gruppe von etwa fünfzig Personen am Mittwoch nach der Vollversammlung dazu gebracht hat, Teile des House of Finance derart zu verwüsten. Aus Sicht vieler Beteiligten sollte bei der Versammlung nur der Unmut darüber gezeigt werden, dass möglicherweise bald wieder Studiengebühren eingeführt werden könnten. Zudem protestierten sie gegen die ihrer Ansicht nach schlechten Bedingungen in Bachelor-Studiengängen.
Die Ausschreitungen folgten offenbar einem Muster. Ein Teil der Demonstranten habe sich aus der Menge gelöst und das House of Finance gestürmt, berichtet Jens, ein BWL-Student, der an der Demonstration teilgenommen hat. Die Linken fühlen sich immer berufen, gegen Missstände an der Uni zu demonstrieren, dabei interessiert es sie gar nicht wirklich, sagt er. Dieses Phänomen hat die Polizei auch schon bei anderen Demonstrationen beobachtet, bei denen Mitglieder linksextremer Organisationen durch ihre Aggressivität aufgefallen waren.
Auch Brenda Wastier, die am Empfang des Hauses arbeitet, hat die Angreifer beobachtet. Rund 20 bis 30 Maskierte seien aggressiv gegen Mitarbeiter des House of Finance vorgegangen. Die haben sich total asozial verhalten. Sofort hätten sie begonnen, die Wände mit Graffiti zu besprühen und das Personal zu beleidigen. Einer der Professoren sei bespuckt, ein anderer mit einer Leiter an die Wand gedrückt worden. Zudem hätten die Eindringlinge Kameras zerstört, die in dem Gebäude installiert seien. Nach der Attacke hätten sich manche in den Ecken herumgedrückt, geraucht und getrunken. Die waren wie Hooligans. Nur wenige Studenten bringen für die Aktion Verständnis auf, so etwa Lehramtsstudentin Tanja Heenes: Dass manche sich über den überbordenden Luxus im House of Finance ärgerten, könne sie nachvollziehen. Am Campus Bockenheim geht es deutlich bescheidener zu.
Das Ausmaß der Übergriffe hätte sogar noch größer ausfallen können, wie gestern bekannt wurde: Die Autonomen hatten ursprünglich vorgehabt, auch den Weihnachtsmarkt zu stürmen, der am Mittwoch eröffnet worden war. Dies konnte die Polizei jedoch verhindern.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Felix Seuffert