Medien im Internet

Diskussion über Zukunft von Zeitungen und Rundfunk im Netz

Der Vorwurf: Die öffentlich-rechtlichen Sender machen gebührenfinanzierte Zeitungen im Netz

Der Vorwurf: Die öffentlich-rechtlichen Sender machen gebührenfinanzierte Zeitungen im Netz

29. Juni 2007 Wie weit dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren gebührenfinanzierten Angeboten in das Internet vordringen? Diese Frage bestimmt derzeit die medienpolitische Debatte, und auch bei der Podiumsdiskussion „Gehen wir ins Netz?“ im Holzhausenschlösschen rückte sie in den Mittelpunkt.

„Wenn es eine Zukunft für die Öffentlich-Rechtlichen geben soll, muss diese online stattfinden“, sagte der Multimedia-Abteilungsleiter des Hessischen Rundfunks, Tilo Barz, bei der Veranstaltung des Fortbildungsprogramms Buch- und Medienpraxis der Goethe-Universität.

„Verzerrung des Wettbewerbs“

Dem Leiter der Nachrichtenredaktion der F.A.Z., Jasper von Altenbockum, geben die Digitalisierungspläne von ARD und ZDF hingegen Anlass zur Sorge: Er befürchtet eine Verzerrung des Wettbewerbs, wenn die Sender mit GEZ-Gebühren ihre Internetseiten ausbauen und damit in Konkurrenz zu den Angeboten der Verlage treten. „Die können mit ganz anderen Mitteln arbeiten, die auch wir gerne hätten“, sagte Altenbockum.

Barz hält eine Annäherung beider Seiten für möglich. Er sagte, er könne sich gut vorstellen, dass Verlage und öffentlich-rechtliche Sender beim Ausbau ihrer Online-Angebote zusammenarbeiteten, wie es der ARD-Vorsitzende Fritz Raff vorschlägt. „Viele Fragen sind ja auf Arbeitsebene auch nicht so heiß, wie sie auf Verbandsebene diskutiert werden.“

Die derzeitige Debatte über die Senderpläne aber kommt Barz nach eigenen Worten vor, „wie wenn sich zwei Kapitäne auf der Titanic um das Steuerrad streiten“. Es bestehe die Gefahr, „dass beide Seiten ihre besten Köpfe damit beschäftigen, dem jeweils anderen nachzuweisen, dass er über die Hecke frisst, während die das Rennen machen, die qua Herkunft ganz neu denken“. Dies sei beispielsweise beim Versandhandel geschehen, wo etablierte Häuser wie Quelle in den vergangenen Jahren massiv an Online-Anbieter wie Amazon verloren hätten.

„Printmedien sind zum Handeln gezwungen“

Altenbockum meinte zum Angebot des ARD-Vorsitzenden: „Ausschließen sollte man nichts.“ Nach seinen Worten sind die Printmedien zum Handeln gezwungen: „Die junge Generation entwickelt ihre Lesekultur über das Internet. Wenn Sie darauf nicht reagieren, gehen Sie mit fliegenden Fahnen unter.“ Er selbst gehöre einer Arbeitsgruppe an, „die Print- und Onlinekultur zusammenbringen soll“.

Schwierigkeiten bereitet laut Altenbockum dabei vor allem der Anspruch, gleichzeitig schnell und sorgfältig zu sein. „Bei uns in der Redaktion gibt es da zwei Schulen: Die einen sagen, das ist überhaupt nicht möglich, die anderen meinen, das muss gehen, weil der Journalismus auf Papier sonst das Nachsehen haben wird.“

Wer Qualität liefere, werde sich auf lange Sicht auch im Internet durchsetzen, sagte Barz. „Spiegel Online kann man für die vielen Promi-Geschichten oder Psychotests schelten, wie man will. Aber was deren Erfolg ausmacht, sind gut recherchierte und exklusive Geschichten.“ Altenbockum entgegnete: „Wir beobachten, dass die Konkurrenz da durchaus Kompromisse eingeht. Diejenigen, die bisher Erfolg haben, pflegen eine ärmere Form des Journalismus.“

Text: pgll., F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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