Stadtentwicklung

Technisches Rathaus: Abriss nicht vor Ende 2010

Von Matthias Alexander

08. Juli 2008 Der Abriss des Technischen Rathauses wird sich voraussichtlich deutlich verzögern. Im Römer wird inzwischen erwartet, dass die Abbrucharbeiten frühestens Ende 2010 beginnen. Der abermalige Aufschub ist auf zwei Ursachen zurückzuführen. Zum einen wird aller Voraussicht nach ein Bebauungsplan aufgestellt werden, nachdem sich die schwarz-grüne Koalition auf eine Direktvergabe des Grundstücks an die städtische Tochtergesellschaft FAAG verständigt hat. Der bisherige Kurs der Koalition, die eigenen Vorstellungen für das Areal in Stadtverordnetenbeschlüssen festzuhalten, ist aus rechtlichen Gründen nicht mehr zu halten.

Zum anderen ist eine Entscheidung darüber, ob die Tiefgarage Römer komplett oder nur teilweise abgerissen wird, erst möglich, nachdem die FAAG eine detaillierte Planung erstellt hat. Davor kann nicht mit dem Abriss des Betonbaus begonnen werden, weil die Auftriebskräfte des Grundwassers nur dann zu beherrschen sind, wenn klar ist, bis zu welchem Punkt die alte Bausubstanz beseitigt werden soll.

Für einen Teil-Erhalt der Tiefgarage sprechen die geringeren Kosten, für den Komplettabriss die größere Gestaltungsfreiheit bei der Neubebauung. Das Stützenraster der Tiefgarage könnte dann so gewählt werden, dass es zur überirdischen Bebauung passt. Bei einen Erhalt in Teilen wären dagegen komplizierte Ableitungen der Lasten notwendig, wofür sich eine Art Betondeckel anböte. Diese Lösung hätte allerdings den Nachteil, dass sich nur bedingt Kellerräume für die neuen Gebäude einrichten ließen, was wiederum deren Vermarktung erschweren würde.

Nutzung des Archäologischen Gartens weiter ungeklärt

Unterstellt man, dass sich die Abbrucharbeiten mindestens ein halbes Jahr hinziehen, so kann mit der Neubebauung des Dom-Römer-Areals frühestens im Herbst 2011 begonnen werden. Diese Prognose setzt allerdings voraus, dass von nun an das Altstadtprojekt von den Akteuren im Römer ohne weitere Verzögerungen vorangetrieben wird. Das darf als unwahrscheinlich bezeichnet werden. Immerhin sind schon dreieinhalb Jahre vergangen, seit der Ideenwettbewerb unter Architekten ausgeschrieben wurde, und trotz etlicher Stadtverordnetenbeschlüsse zur Gestaltung der Bauten sind viele Fragen offen.

Immer noch nicht geklärt ist beispielsweise die künftige Nutzung des Archäologischen Gartens. Innerhalb der schwarz-grünen Koalition hatte man sich im vorigen Jahr darauf verständigt, einen Architektenwettbewerb für diesen Teil des Areals auszuloben. Allerdings waren die Planungspolitiker damit noch nicht der Aufgabe enthoben, wenigstens grobe Vorgaben zu Nutzung und Bebauungsdichte zu formulieren. Monatelang schoben sich daraufhin Magistrat und Stadtverordnete von CDU und Grünen den Schwarzen Peter hin und her. Die Stadtverordneten sollten zunächst entscheiden, welche Nutzung sie wollten. Diese gaben zurück, sie bräuchten zuvor von den Dezernenten für Planung und Kultur Hinweise zum Platzbedarf städtischer Einrichtungen.

Nun haben sich beide Seiten dem Vernehmen nach darauf geeinigt, dass das Planungsamt eine Studie zu der Frage erarbeitet, wie viel Fläche sich über dem Archäologischen Garten unterbringen lässt. Anschließend soll über die Nutzung entschieden werden. Als Orientierung für die Studie sollen dabei die Fundamente der alten Kaiserpfalz dienen. Die teilweise zum Archäologischen Garten zählende Fläche, auf der die Häuserreihe vom Roten Haus bis zur Goldenen Waage entstehen soll, zählt mithin nicht dazu. Die Verfasser der Studie stehen allerdings vor der Schwierigkeit, dass das zu rekonstruierende Haus „Goldene Waage“ über die Fundamente der Kaiserpfalz hinausragt. Eine einfache Lösung wird es daher nicht geben können.

Die Stadt gewinnt Zeit

Eine weitere Schwierigkeit, vor der die Stadt steht, ist der „Tisch“ der Schirn-Kunsthalle. Der Architekt der Skulptur neben der Schirn-Rotunde hat schon deutlich gemacht, dass er sich einem Abriss entgegenstellen wird, und verweist auf sein Urheberrecht. Für eine diskrete gütliche Einigung ist es offenkundig zu spät; ob die Stadt sich jemals darum bemüht hat, ist nicht überliefert. Dass das Urheberrecht von Architekten nach den Streitigkeiten mit den Erben des Großmarkthallen-Architekten Martin Elsaesser von der Stadtverwaltung unterschätzt worden ist, darf als fahrlässig bezeichnet werden.

Die sich abzeichnende Verzögerung hat immerhin auch eine gute Seite: Die Stadt gewinnt Zeit, die schon beschlossene Rekonstruktion von sechs oder sieben bedeutenden Altstadthäusern vorzubereiten. Wie am Beispiel der Römer-Ostzeile zu lernen war, muss Holz jahrelang trocknen, bevor es zu Fachwerk verarbeitet werden kann. Allerdings ist bisher nicht bekannt geworden, dass die Stadt schon aktiv würde. Auch deshalb ist die Bürgerinitiative Pro Altstadt aktiv geworden und hat Holz für ein Haus erworben.

So vage wie die Planungen sind bisher auch die Kostenschätzungen. Eines ist sicher: Das Vorhaben wird für die Stadt, die das Gelände baureif machen muss und selbst als Bauherr von rekonstruierten Fachwerkhäusern tätig werden will, sehr teuer werden. Ein dreistelliger Millionenbetrag gilt mittlerweile unter Fachleuten als ausgemacht; die galoppierende Preisentwicklung am Bau, die zuletzt die Europäische Zentralbank und die Stadt selbst im Fall des Palmengarten-Gesellschaftshauses zu spüren bekommen haben, betrifft das Altstadtprojekt ebenso.

Mangel an Entscheidungsfreude

Die schwarz-grüne Koalition hat angesichts der gewaltigen Aufgabe ein paradox anmutendes Verhaltensmuster entwickelt. Die Stadtverordneten dringen bis auf Sachbearbeiterniveau in die Materie ein. Andererseits lässt es der Magistrat an Entscheidungsfreude fehlen. In der Mitte steht die Verwaltung, der es nicht an halbgebildeten Hinweisen aus der Politik fehlt, wohl aber an klaren Handlungsanweisungen.

Mit der Entscheidung für die Direktvergabe an die FAAG kommt immerhin Hoffnung auf, dass das Projekt in professionelle und zugleich mit den Frankfurter Gegebenheiten vertraute Hände kommt. Die Direktvergabe begrenzt auch den unmittelbaren Einfluss der Planungspolitiker im Römer auf das Projekt. Wenn das Areal bis 2020 komplett neu bebaut ist, wäre das angesichts des bisher vorgelegten Tempos als Erfolg zu bewerten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Daniel Pilar

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