Uniklinik Frankfurt

Ein Radio hilft bei der HIV-Therapie

Von Britta Jansen

Rote Schleife: Zeichen im Kampf gegen Aids

Rote Schleife: Zeichen im Kampf gegen Aids

11. November 2008 „Was glauben Sie, was hier passiert ist?“, fragt Jean Nachega. Der Professor am „Center for Infectious Diseases“ in Stellenbosch, Südafrika, ist einer der Referenten der ersten Fortbildungsreihe, die das HIV-Center Frankfurt zusammen mit der „International Partnership on HIV“ organisiert hat. Mit einem Laserpointer zeigt Nachega auf ein Diagramm, das an die Wand projiziert wird. Die kurvigen Linien zeigen die sogenannte Therapietreue eines HIV-Patienten, also die regelmäßige Einnahme der Medikamente oder die Kontrolluntersuchungen in der Klinik. Damit soll das Ausbrechen der Immunschwächekrankheit Aids unterbunden oder deren Verlauf verlangsamt werden. Der angedeutete Abschnitt verläuft fast senkrecht nach unten, was auf eine Unterbrechung der Therapie hinweist. Im Plenum findet sich keine Antwort auf seine Frage. „Ganz einfach, er hat sich verliebt“, sagt Nachega und im Hörsaal 22 des Universitätsklinikums löst sich die leicht angespannte Stimmung der Zuhörer in lautem Lachen. Das Thema selbst ist ernst, doch die angereisten Experten wissen damit umzugehen.

Die Referenten sind aus Südafrika, Lesotho und der Ukraine nach Frankfurt gekommen, um sich zwei Wochen lang über die Probleme auszutauschen, die die Immunschwächekrankheit Aids in ihren Ländern verursacht, und um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dabei geht es insbesondere um individuelle Therapien von HIV-Infektionen und um Möglichkeiten, die Krankheit gesellschaftlich zu bekämpfen.

Aids-Therapie

„Viele Menschen in Südafrika nehmen das Angebot einer Behandlung gar nicht wahr“, sagt Nachega. Häufig hätten sie nicht das Geld für die lange Fahrt zur Klinik, oder sie wollten ihre Gewohnheiten nicht wegen ihrer Krankheit ändern. Man müsse ihnen vor Augen führen, dass sie nur dann eine Chance haben, wenn sie regelmäßig ihre Medikamente nähmen und zu den Untersuchungen kämen.

Dass die Ansteckung mit dem HI-Virus das Leben gänzlich verändert, weiß Hans-Reinhard Brodt zu berichten. Er ist Professor für Infektiologie und arbeitet seit mehreren Jahren am HIV-Center in Frankfurt. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die die afrikanischen Partner mit Infektionskrankheiten wie beispielsweise Tuberkulose gemacht haben, sind für ihn unentbehrlich. Mit solchen Krankheitsbildern hätte man in Deutschland und Europa kaum noch zu tun. Das Wissen darüber sei aber auch für die Aids-Therapie von Bedeutung. Daher sei es wichtig, auf die Erkenntnisse der afrikanischen Kollegen zurückgreifen zu können.

Neue Methoden

„Wir wollen voneinander lernen“, sagt Tessa Lennemann, Ärztin am HIV-Center und Koordinatorin der Fortbildung. Die Teilnehmer der Veranstaltung berichten über ihre Forschungsergebnisse und sprechen über ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit Patienten. Dabei werden auch ganz grundlegende Probleme der Kollegen aus Südafrika und Lesotho deutlich: Wie kann beispielsweise ein Arzt dafür sorgen, dass ein HIV-Positiver seine Medikamente zu bestimmten Uhrzeiten nimmt, wenn der Erkrankte gar keine Uhr besitzt? Charles Koele, ein Arzt aus Lesotho, hat dieses Problem in einfacher Weise gelöst: Er hat Betroffenen ein batteriebetriebenes Radio gegeben. So erfahren sie über die Sender, wie spät es ist.

Durch die „International Partnership on HIV“ wollen Lennemann und ihre Kollegen langfristig ein Netzwerk schaffen, das regelmäßigen Forschungsaustausch ermöglicht. Noch sei das Frankfurter HIV-Center der Initiator und Mittler zwischen den Partnern, sagt Lennemann. Ziel sei es aber, gleichberechtigt miteinander zu arbeiten und Wissen zu teilen. Zwar hat es schon mehrere Treffen für Ärzte und Helfer in Frankfurt gegeben, um neue Methoden und Forschungsergebnisse zu verbreiten. Künftig wollen die Initiatoren aber auch die Forschung in den besonders betroffenen Ländern verstärken. Geplant ist beispielsweise schon eine Reise nach Lesotho, um dort neue Methoden bekannt zu machen und sie der Situation der erkrankten Menschen anzupassen.

Betroffenen helfen

Ungeachtet der unterschiedlichen Probleme, die die Immunschwächekrankheit in den verschiedenen Ländern verursacht, so gibt es doch auch Schwierigkeiten, die in allen Ländern gleich oder zumindest sehr ähnlich sind, wie Tessa Lennemann sagt. Vor allem würden die mit dem HI-Virus Infizierten noch immer überall stigmatisiert. Offen über ihre Krankheit zu sprechen falle den meisten schwer, weil sie fürchten, dadurch zum Außenseiter zu werden. Aufklärung und Prävention seien daher, neben der Forschung, von besonders großer Bedeutung, wenn es darum gehe, die Immunschwächekrankheit zu bekämpfen und den Betroffenen zu helfen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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