23. Februar 2007 Wie kommen Sie von einem Ort zum anderen?
Ganz verschieden. In der Stadt viel zu Fuß, zum Teil mit dem öffentlichen Nahverkehr, und dann gibt es auch einen Dienstwagen, den ich mir mit dem Verkehrsdezernenten Lutz Sikorski teile. Der Wagen fährt mit Erdgas und stößt 138 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Das ist noch nicht ganz optimal, aber für die Klasse, in der er fährt, ist es, glaube ich, schon das Optimalste, was es auf dem Markt gibt, wenn man nicht auf Toyota umsteigen will. Wir haben die örtliche Marke vorgezogen, einen Opel.
Privat haben Sie kein Auto?
Ich habe zwar einen Führerschein, bin aber eine schreckliche Autofahrerin. Also wirklich eine ganz schlechte und hatte nie ein eigenes Fahrzeug. Ich finde Autofahren anstrengend und ziehe Radfahren vor.
Gibt es in Ihrem Haushalt noch Glühbirnen, um die andere aktuelle Diskussion zum Thema Stromverbrauch und Schadstoffausstoß abzufragen?
Es gibt bei mir keine Glühbirnen mehr. Aber es gibt – was eigentlich auch nicht toll ist – eine Halogenstehlampe. Und ich glaube, Halogen hat aufgrund des Transformators auch einen beachtlichen Stromverbrauch. Allerdings nutze ich, da ich sehr geizig bin – bei mir ist es nicht mal der hehre Umweltgedanke, sondern der pure Geiz –, die Kippschalter an Mehrfachsteckdosen. Damit verhindere ich jeglichen Stand-by-Betrieb von Geräten und nehme hoffentlich auch der Halogenlampe den Strom.
Dieser außergewöhnlich warme Winter hat das Thema Klimawandel zum zentralen Thema gemacht. Hat die Stadt Frankfurt bisher genug dagegen getan?
Wir waren erfolgreich, weil wir als Stadt sehr stark gewachsen sind und es gleichzeitig geschafft haben, den CO2-Ausstoß in den vergangenen Jahren zu stabilisieren. Wir haben es noch nicht geschafft, die Kohlendioxid-Emissionen deutlich zu reduzieren. Wir haben uns als Mitglied des Klimabündnisses europäischer Städte verpflichtet, den Ausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent zu senken. Das ist ehrgeizig, aber realistisch. Neubaugebiete sind in Frankfurt sehr effizient und umweltverträglich entwickelt worden, mit Fernwärme, mit Blockheizkraftwerken und Niedrigenergie- beziehungsweise Passivhaus-Standard. Wo wir besser werden müssen, ist der Gebäudebestand. Dort ist auch am meisten einzusparen. Um dort aktiv zu werden, brauchen wir einen neuen Anlauf.
Wie könnte der aussehen?
Wir wollen stärker mit den Hauseigentümern in Kontakt kommen und diese mit den lokalen mittelständischen Handwerksbetrieben zusammenführen. Einfach weil wir glauben, dass in den nächsten Jahren sehr viele Investitionen getätigt werden müssen und von denen die heimischen Betriebe profitieren sollen. Angesichts der derzeitigen Entwicklung der Energiepreise ist es nicht unrealistisch davon auszugehen, dass bald ein bis zwei Renten im Jahr nur für die Energieversorgung, für ein warmes Zuhause, aufgebracht werden müssen.
Aber alles redet in Bezug auf den Klimawandel doch vom Auto. Muss man nicht dort ansetzen?
Der Verkehr leistet einen Beitrag zu den Schadstoffemissionen in der Stadt. Er verursacht etwa zwei von den neun Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß, die es in Frankfurt gibt. Der Verkehr hat also nicht den größten Anteil. Anders die privaten Haushalte, die in Bezug auf den Energie- und Stromverbrauch einen erheblichen Anteil zum CO2-Ausstoß beitragen. Dort gibt es erhebliche Einsparpotentiale, einfach indem wir Altbauten sanieren und Energieeffizienz erhöhen.
Wird das Auto überbewertet?
Nein, man muss auch im Verkehr etwas tun. Nur, das ist sehr, sehr schwierig, weil es immer individuelle Entscheidungen sind, die die Bürger treffen. Wir können nur auf die Attraktivität des Angebots einwirken, aber es reicht nicht, hauptsächlich auf den Verkehr zu schauen. Wir können alleine im Wohnungsbestand, wenn wir optimal einsparen, das Ziel, den Schadstoffausstoß um zehn Prozent zu senken, erreichen.
Ums Auto geht es auch beim Feinstaub. Die seit 2005 geltenden EU-Grenzwerte werden nicht erreicht. Zum 1. Januar wollen Sie nun eine Umweltzone mit Fahrverboten einführen. War die Stadt nicht vorbereitet?
Europaweit sind alle überrascht worden, weil niemand deutlich war, dass alle Großstädte die Grenzwerte überschreiten werden. Das Schwierige an diesem Thema ist, dass die Lösungen sehr unklar sind. Also welche Maßnahmen funktionieren gegen Feinstaub, was kann man auf lokaler Ebene als Stadt tun, um Feinstaub zu reduzieren. Es gibt keine einfachen Ursache-Wirkung-Zusammenhänge. Und alle Städte, nicht nur Frankfurt, experimentieren. Denn jede Stadt hat andere meteorologische, geographische und städtebauliche Bedingungen. Wir haben noch nicht die Lösungen, die wir bräuchten, um die Feinstaub-Problematik wirklich in den Griff zu bekommen – auf lokaler Ebene.
Frankfurt will zum 1. Januar eine Umweltzone mit Fahrverboten einführen. Noch ist unklar, welchen Umfang sie haben wird, oder?
Wir warten jetzt auf Zahlen, die das Land uns für die verschiedenen Varianten errechnet. Diese werden deutlich machen, wie viel Fahrzeuge je nach Variante betroffen wären, wie viel Einsparungen bei den Schadstoffen erzielt werden können. Die Varianten unterscheiden sich in Bezug auf die Größe der Zone und darauf, welche Schadstoffklassen aus der Umweltzone ausgeschlossen werden, für wen ein Fahrverbot gilt. Wenn wir die Zahlen haben, werden wir dem Land einen Vorschlag für eine Umweltzone machen. Ob die dann ausreicht, um die Grenzwerte einzuhalten und ob wir damit eine vernünftige Lösung finden, die nicht nur zu Verdrängungseffekten führt, sondern dazu, dass wir die Grundbelastung für alle Bürger in Frankfurt reduzieren – all dies wollen wir in den nächsten Wochen klären.
Während sich noch alles um die Feinstaub-Grenzwerte dreht, hat die EU längst verschärfte Grenzwerte für Stickoxide vom Jahr 2010 an verhängt. Ist die Stadt darauf vorbereitet?
Wir kennen die Stickoxid-Grenzwerte, das ist ein Jahresmittelwert, um den es da geht, der von 2010 an verbindlich gilt. Und wir wissen, dass wir den in Frankfurt nicht einhalten können. Deshalb soll mit der Definition der Umweltzone gleich mit festgelegt werden, was von 2010 dann als nächste Stufe auf die Autofahrer zukommt, damit wir die Stickoxide in den Griff bekommen.
Was heißt das konkret? Wird die Umweltzone 2010 noch einmal verschärft?
Ja. Die derzeitige Kennzeichnungsverordnung des Bundes sieht verschiedene Plaketten für unterschiedliche Schadstoffklassen vor. Und sicher muss man damit rechnen, dass in einer ersten Phase Autos noch in die Umweltzone fahren dürfen, die dann zum späteren Zeitpunkt ausgeschlossen werden. Das ist insofern sinnvoll, weil auf diese Weise den Bürgern ermöglicht wird, ihre Kauf- oder Neuanschaffungsentscheidung rechtzeitig zu treffen.
Die Fragen stellte Mechthild Harting.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Helmut Fricke