21. August 2006 Der Frankfurter Hauptbahnhof wird vermutlich künftig stärker überwacht als bisher. Bahn-Vorstandsmitglied Otto Wiesheu kündigte an, die Zahl der Kameras in deutschen Hauptbahnhöfen solle erhöht werden. Außerdem würden die Videobänder künftig länger als 48 Stunden aufbewahrt. Welche Auswirkungen diese Pläne in Frankfurt haben werden, sei noch unklar, teilte ein Bahnsprecher auf Anfrage mit. Es sei denkbar, die Bahnhöfe im Rhein-Main-Gebiet gemeinsam mit der Bundespolizei auf Sicherheitsmängel hin zu überprüfen und bei Bedarf nachzurüsten.
Überwachungskameras werden allerdings nicht nur an Bahnhöfen eingesetzt: Schon seit Jahren bedienen sich auch Banken, Spielcasinos, Kaufhäuser und die Betreiber von Parkhäusern dieser Technik. Vielerorts verfolgen Kameras die Kunden dabei, wie sie ein Gebäude betreten und verlassen, mitunter halten sie auch fest, was die Kunden in den Gebäuden machen. Aber auch auf öffentlichen Plätzen, in Frankfurt zum Beispiel an der Konstablerwache, auf dem Offenbacher Marktplatz oder in Wiesbaden am Platz der Deutschen Einheit, wird gefilmt - und die Daten werden oft sogar länger als 48 Stunden gespeichert.
Kleinere Geschäfte verzichten auf Kameras
So sind etwa die Aufzeichnungen der Parkhaus Betriebsgesellschaft, die in Frankfurt 22 Häuser betreibt, drei bis vier Tage lang einzusehen. Beschwert hat sich noch niemand, sagt ein Sprecher, immerhin habe die Polizei dank der Aufzeichnungen schon etliche wegen Fahrerflucht Beschuldigte ermitteln können.
Ähnlich sieht es in vielen Kaufhäusern aus: In der Galeria Kaufhof etwa würden die Räume permanent überwacht, berichtet eine Sprecherin. Die Kunden würden mit Hinweisschildern darauf aufmerksam gemacht. Viele kleinere Geschäfte dagegen verzichten auf Kameras. Sie lassen ihren Kunden die Privatsphäre, sagt Dieter Schoenfeld, Geschäftsführer des Hessischen Einzelhandelverbands. Videoüberwachung ist ein diffiziles Thema, meint auch Uwe Nickolai von der Polizeilichen Beratungsstelle in Frankfurt. Immer mehr Privathaushalte entschieden sich für Kameras - und filmten dabei oft Briefträger oder Nachbarn unbewußt mit. Das darf nicht sein, so Nickolai. Außerdem seien gerade private Kameras technisch oft nicht ausreichend ausgestattet, um im Ernstfall einen Verbrecher zu entlarven.
Text: F.A.Z., 22.08.2006
Bildmaterial: F.A.Z. - Anna Mutter
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