22. April 2008 Die in der vergangenen Woche gestoppten Arbeiten am Airrail-Center am Frankfurter Flughafen sollen schon in dieser Woche fortgesetzt werden. Der Bauherr Airrail Center Frankfurt GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der IVG Development GmbH und der Fraport AG, will ein neues Bauunternehmen mit der Fortsetzung der Rohbauarbeiten an dem 660 Meter langen und neun Stockwerke hohen Hotel- und Bürokomplex über dem Fernbahnhof beauftragen. Das Unternehmen soll grundsätzlich zugesagt haben, es liefen noch Verhandlungen über Details, sagte gestern ein Sprecher der IVG. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Züblin.
Rohbauvertrag gekündigt
Die bisher mit dem Rohbau beauftragte Alpine Bau werde die Arbeiten nicht fortsetzen, heißt es bei der IVG. Alpine hatte am vergangenen Mittwoch die Bauarbeiten eingestellt und beruft sich darauf, dass einzelne Auflagen der Baugenehmigung nicht erfüllt seien und wichtige Planungsunterlagen nicht vorlägen. Am Freitag kündigte daraufhin die Airrail-Projektgesellschaft den Rohbauvertrag wegen vertragswidrigen Verhaltens“.
Unterdessen gehen die Auffassungen, warum der Bau ins Stocken geraten ist, weit auseinander. Während Airrail dem Bauunternehmen Verzögerungen vorwirft, stützt sich Alpine auf ein Rechtsgutachten einer renommierten Frankfurter Kanzlei. Man fürchte Risiken eines Schwarzbaus“.
Baugnehmigung schwebend unwirksam
Das Rechtsgutachten, das dieser Zeitung vorliegt, bestätigt, dass die Baugenehmigung für das Airrail Center schwebend unwirksam“ sei. Die Genehmigung sei nur unter der Bedingung erteilt worden, dass die Stützachsen des Fernbahnhofs verstärkt werden und das Bundesamt ihre Tragfähigkeit bestätigt.
Zwei Behörden sind mit der Genehmigung befasst: Für den oberen Baukörper auf dem Bahnhofsgebäude ist die Bauaufsicht der Stadt die zuständige Behörde. Diese hatte 2007 das Vorhaben genehmigt. Über die Zulässigkeit der Bauarbeiten auf der Bahnanlage, also unter anderem an den Stützachsen des Gebäudes, und deren Baufreigabe entscheidet dagegen das Eisenbahnbundesamt.
Neungeschossiges Bauwerk
Der Bau des Airrail-Centers wurde von der Stadt unter der Auflage genehmigt, dass die Konstruktion des ICE-Bahnhofs, auf dessen Dach das neungeschossige Bauwerk entsteht, verstärkt wird. In der Baugenehmigung vom 26. April 2007 heißt es: Mit den Maßnahmen der Überbauung darf erst begonnen werden, wenn die bautechnischen Nachweise für diese Verstärkungsmaßnahmen vom Prüfer des Eisenbahnbundesamtes in den jeweiligen Bereichen geprüft und nach den geprüften Unterlagen ausgeführt worden sind.“ Die jeweiligen Berichte müssten rechtzeitig vor Beginn der Bauarbeiten vorliegen. Da dies nicht der Fall sei, sei die Baugenehmigung nicht wirksam und die Bauarbeiten formell illegal, heißt es in dem Gutachten.
Kritik am Bauherren
Bisher sind laut Alpine erst weniger als die Hälfte der 90 Stützachsen soweit verstärkt worden, dass darüber gebaut werden dürfe. Und zwar auch nicht bis zur obersten, neunten Etage, sondern nur unter Einschränkungen. Alpine bemängelt, dass Airrail dennoch verlange, schon in Abschnitten zu bauen, für die das Eisenbahnbundesamt noch keine Freigabe erteilt habe. Es ist unerträglich, wenn man Woche für Woche für Arbeiten in Verzug gesetzt wird, die nach technischem Stand und Genehmigungslage gar nicht ausgeführt werden können“, sagte ein Sprecher.
Für die Verstärkung der Stützpfeiler ist nicht Alpine, sondern ein anderes Unternehmen zuständig. Der Bauherr sei dafür verantwortlich, dass diese Arbeiten geleistet würden. Alpine stößt ständig an die Grenzen der Machbarkeit.“ Das Unternehmen halte zudem Baukräne, Personal und Material vor. Die auf diese Weise entstehenden laufenden Kosten in Höhe von 18 Millionen Euro stellt Alpine in Rechnung.
Alle Genehmigungen erteilt
Wie zu hören war, soll das Eisenbahnbundesamt schon früher auf Mängel an den Stützpfeilern hingewiesen haben. In dem Bescheid, der dieser Zeitung vorliegt, wird die Traglast gegenüber den Belastungsplänen eingeschränkt. Über den schon mehrgeschossig überbauten Achsen 68 bis 90 sind auf der dritten Ebene nur höchstens 40 Prozent der Lasten aus den Bebauungsplänen zulässig. Erst wenn die Standsicherheit nachgewiesen wird, wird die Einschränkung wieder aufgehoben.
Eine Sprecherin des Eisenbahnbundesamts sagte gestern, es seien bisher alle beantragten Genehmigungen erteilt worden“. Allerdings bestätigte ein Sprecher der IVG, dass die Freigaben für einzelne Bauabschnitte noch ausstünden. Diese Freigaben würden wegen des komplizierten Verfahrens Zug um Zug“ beim Eisenbahnbundesamt beantragt und von diesem bisher auch problemlos erteilt. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass wir die Baufreigaben bekommen“, so der Sprecher. Nach Angaben des Eisenbahnbundesamtes ist die sukzessive Freigabe ein übliches Verfahren, um die Baugeschwindigkeit zu erhöhen.
Bauzeit bis 2009
Laut IVG ist dem Bauunternehmen Alpine gekündigt worden, weil es sich vertragswidrig verhalten habe: Es gab erheblich Bauverzögerungen. Die haben weder genug Leute, noch genug Material herangeschafft.“ Die sukzessive Baufreigabe habe noch nicht den Fortgang der Arbeiten eingeschränkt: Die hätten noch wochenlang weiterarbeiten können.“ Nach Darstellung der IVG ist die Kündigung der einzig mögliche Schritt“, um just in time“ fertig zu werden. Das wäre schon Ende 2009.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Fricke