Freilufttheater

A cappella und Tupperware

Von Alexander Köhn

05. Juli 2008 Schon nach wenigen Schritten an den campierenden Menschenmassen vorbei wird klar, was das Wohlfühl-Accessoire des Abends ist. Tupperware jeder Größenordnung findet sich auf den ausgebreiteten Decken. Die Besucher von „Stoffel“, das jetzt im Frankfurter Günthersburgpark eröffnet wurde, lassen es sich gutgehen: Sie essen Melonenstücke, Caprese oder andere Antipasti aus der Plastikbox, dazu gibt es Baguette und ein Glas Weißwein. Wer nicht vorgesorgt hat, stellt sich in die Schlangen vor den Buden mit Biobratwurst, Apfelwein und Bier.

Viele Gäste, die den Weg in den Nordteil der Grünanlage gefunden haben, sind offenbar Fans, treue Anhänger des Stalburg Theaters. „Voll im Trend? Och nö“ prangt auf zahlreichen T-Shirts. Das Motto der Kleinkunstbühne ist auch für deren „Stalburg Offen-Luft“, also „Stoffel“-Programm, charakteristisch. Bei der fünften Auflage werden sich bis Anfang August jeden Abend Kabarettkünstler, Autoren, Bands und Theatergruppen die Klinke in die Hand geben.

„U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ machen den Auftakt

Einen Trumpf spielte Stalburg-Leiter Michael Herl gleich zum Auftakt aus. Die A-cappella-Gruppe „U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ ist dem Theater seit langem verbunden. Doch ihre „Stoffel“-Premiere gaben die Lokalmatadoren, „eine unserer Lieblingsbands“, erst jetzt.

Auch das Quintett hat ein Gefolge, das an der Kleidung zu erkennen ist. Die Textzeile „Ich bin so hibbelisch“ steht in grünen Lettern auf mancher Brust. Und wirklich: Nur eine Minute nach 20 Uhr schon klatschen einige ungeduldige Zuschauer in die Hände. Dicht gedrängt warten sie vor der Bühne zwischen den längst okkupierten Bierbänken.

Die Sonne steht tief über dem Günthersburgpark, als das Getöse eines einfahrenden Zuges vom Band erklingt. Blendend goldenes Licht legt sich auf das Grün der Bäume und wirft die letzten warmen Strahlen des Tages auf erwartungsvolle Gesichter. Aus den Boxen kommt Bremsengequietsche, während am Horizont die Bankentürme schimmern. Dann treten die fünf „Kontrollöre“ hervor.

„Wir geben Vollgas“

„Wir geben Vollgas“, versprechen sie. Es folgt ein „Stoffel-Spezialprogramm“, dessen Humor das bestens gelaunte Publikum schnell erliegt. Die Vokalgruppe, die ihren Stil selbst als „Hardcore-A-cappella“ bezeichnet, schöpft aus dem ganzen Repertoire. Die fünf bringen augenzwinkernde, mitunter etwas zotige Eigenkompositionen, persiflieren ideenreich Hardrock-Klassiker oder Disco-Hits und untermalen den Vortrag mit bewusst staksigen Choreographien.

Es ist schon nach halb zehn, als die Sänger schließlich die Bühne verlassen. Erst jetzt spüren viele Besucher die kühle Luft. Sie kramen Jacken aus den Taschen, bevor es für eine letzte Runde an den Bierstand geht – und die Picknickboxen wieder eingepackt werden.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: Stalburg Theater

 
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