19. Oktober 2007 Die Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Mainz haben in der zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs Erfolge erzielt. Ein Forschungsprojekt der Goethe-Universität zur Entstehung von Normen in der Gesellschaft wird als sogenannter Exzellenzcluster in den nächsten fünf Jahren mit rund 33 Millionen Euro gefördert, wie die Hochschule mitteilte (siehe auch: Zweite Runde Exzellenzwettbewerb: Sechs Universitäten werden Elite-Unis).
Ein weiterer Exzellenzcluster wird an der Technischen Universität Darmstadt eingerichtet: Dort entwickeln Natur- und Ingenieurwissenschaftler gemeinsam intelligente Oberflächen“, mit denen sich der Transport von Wärme, Flüssigkeiten und Gasen besser steuern lassen soll. Die TU erhält außerdem Geld für eine Graduiertenschule, in der Nachwuchswissenschaftler Computersimulationen etwa für medizinische Geräte programmieren. An der Universität Mainz wird eine Graduiertenschule für Materialwissenschaftler eingerichtet.
100 Millionen Euro für Frankfurter Universität
Schon im ersten Durchgang der Exzellenzinitiative hatte die Goethe-Universität Förderzusagen für zwei naturwissenschaftlich-medizinische Exzellenzcluster erhalten, von denen sie einen gemeinsam mit der Universität Gießen betreibt. Nach eigenen Angaben erhält die Frankfurter Universität in den nächsten fünf Jahren gut 100 Millionen Euro aus dem Wettbewerbsbudget, mehr als jede andere hessische Hochschule.
Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) teilte mit, er sei höchst zufrieden“ mit den Ergebnissen. Beide Auswahlrunden zusammengefasst, schneide Hessen im Ländervergleich ausgesprochen erfolgreich“ ab. Die TU Darmstadt erfülle nun mit einem Exzellenzcluster und einer Graduiertenschule die Voraussetzungen, um bei einer sehr wahrscheinlichen“ Fortsetzung des Wettbewerbs einen Antrag auf Förderung eines Zukunftskonzepts zu stellen (siehe Kasten).
Steinberg: Großartiger Erfolg
Der Frankfurter Universitätspräsident Rudolf Steinberg äußerte, er freue sich sehr, dass nach dem großartigen Erfolg“ der Naturwissenschaftler im ersten Durchgang nun die Geisteswissenschaftler zum Zuge kämen. Das unterstreiche die traditionelle Stärke der Goethe-Universität auf diesem Gebiet. Insgesamt stehe die Hochschule nun in der ersten Reihe wissenschaftlicher Exzellenz in Deutschland“. Klaus Günther, Rechtswissenschaftler und Koordinator des Clusters Herausbildung normativer Ordnungen“, kündigte an, das Geld werde vor allem in neue Stellen investiert. Geplant sei unter anderem, neun zusätzliche Professuren zu schaffen.
Von einem achtbaren Erfolg“ sprach Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt. Die Hochschule bekräftige damit ihren Anspruch, zu den besten Technischen Universitäten in Deutschland zu gehören. Prömel wies darauf hin, dass an dem Frankfurter Projekt Normative Ordnungen“ auch Darmstädter Wissenschaftler beteiligt seien. Die Mainzer Universität war in der ersten Runde des Exzellenzwettbewerbs mit ihren Anträgen gescheitert. Ihr Präsident Georg Krausch zeigte sich erfreut darüber, dass seine Hochschule nun zu den 28 deutschen Universitäten gehöre, die im zweiten Durchgang erfolgreich gewesen seien.
Forscherwettstreit in drei Klassen
Die Exzellenzinitiative ist ein Wettbewerb, der im Jahr 2005 von Bund und Ländern ins Leben gerufen wurde. Organisiert haben ihn die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat. Universitäten konnten Projekte für drei Kategorien vorschlagen:
Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses; Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenforschung; Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung.
Graduiertenschulen werden mit rund einer Million Euro im Jahr zuzüglich eines sogenannten Gemeinkostenzuschlags von 20 Prozent gefördert, Exzellenzcluster erhalten 6,5 Millionen Euro plus Zuschlag und Zukunftskonzepte bekommen 20 Millionen Euro. Bis 2011 steht für die Initiative eine Gesamtsumme von 1,9 Milliarden Euro bereit. Der Wettbewerb war in zwei Abschnitte geteilt, die Entscheidungen in der ersten Runde sind vor genau einem Jahr gefallen. In beiden Durchgängen wurde ein zweistufiges Verfahren angewandt, um die Sieger zu ermitteln: Erst durften alle Universitäten Antragsskizzen einreichen, dann wurde eine bestimmte Zahl von Hochschulen aufgefordert, Vollanträge abzugeben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Kai Nedden