Frankfurt

Obama beim Ebbelwei

Von Tobias Rösmann

16. Juli 2008 Wenn es die Jungen Liberalen noch nicht gäbe, müsste man sie stante pede gründen. Mit feinem Gespür für das Wichtige, Schöne und Gute nehmen sich die Nachwuchspolitiker der Frankfurter FDP immer wieder der entscheidenden Themen an. So auch dieses Mal. Es geht um nicht viel weniger als die Welt und deren womöglich bald mächtigsten Mann, den Bewerber um das Amt des amerikanischen Präsidenten, Barack Obama.

Dieser Herr ist ein bisschen in Schwierigkeiten geraten, weil er während eines Deutschland-Besuchs Ende Juli wie einst John F. Kennedy vor dem Brandenburger Tor in Berlin eine Rede halten wollte. Der kleine Unterschied wäre nur, dass Obama noch werden will, was Kennedy bei seinem legendären Auftritt im Juni 1963 schon war: nämlich amerikanischer Präsident.

Bei einem Schoppen Ebbelwei fachsimpeln

Nicht nur Kanzlerin Angela Merkel hatte sich deshalb etwas verwundert über den Plan Obamas gezeigt. Und manch anderer deutscher Politiker kritisierte sogar ziemlich offen, dass ein derart symbolträchtiger Ort auf diese Weise für den amerikanischen Wahlkampf missbraucht würde.

Bloß gut, dass es die Jungen Liberalen gibt, denn die haben schon eine Lösung parat: Frankfurt statt Berlin. Es wäre doch schön, so schreibt der Kreisvorsitzende Hans-Christian Mick, wenn sich Obama Gedanken darüber machen würde, „ob nicht unter gewissen Umständen Frankfurt eine geeignete Alternative“ wäre. Schließlich sei die Stadt eine bedeutende internationale Finanzmetropole mit mehr als 60 Jahren amerikanischer Militärpräsenz. „In Form eines großen Auftritts“ könnte „die transatlantische Allianz noch stärker“ werden, glaubt Mick.

Das ist so brillant, dass eine Zusage aus dem Hauptquartier der amerikanischen Demokraten bestimmt nicht lange auf sich warten lassen wird. Und nach seiner Rede auf dem Römerbalkon könnte Obama mit seinen neuen liberalen Jungfreunden bei einem Schoppen Ebbelwei noch ausgiebig fachsimpeln – über die Verlegung des Flohmarkts vielleicht oder den Hebesatz der Gewerbesteuer.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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