
Die Spritze, mit der das Opfer gestochen wurde, war nicht mit HI-Viren, aber mit Hepatitis C-Erregern verseucht
17. Juni 2008 Ein drogenabhängiger Mann muss sich seit Dienstag wegen eines Angriffs mit einer blutverschmierten Spritze auf einen arglosen Autofahrer vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Der wegen räuberischer Erpressung angeklagte 37-Jährige legte am ersten Verhandlungstag ein umfassendes Geständnis ab. Opfer des gelernten Schweißers war ein promovierter Physiker, der im Herbst 2007 im Auto vor dem Frankfurter Hauptbahnhof auf eine Kollegin wartete, deren Zug sich verspätet hatte.
Als der Angeklagte an den Wagen klopfte, öffnete der 51-Jährige arglos die Tür. Im Verlauf des darauffolgenden Gerangels stach ihm der Täter mit der Spritze ins Bein und verlange Geld. Dazu rief er: Ich bin HIV-infiziert und Du bist es jetzt auch. Später flüchtete der Täter ohne Beute, wurde aber kurz darauf festgenommen.
Über Monate hinweg Medikamente eingenommen
Eine ärztliche Untersuchung ergab, dass der Täter zwar nicht an Aids dafür aber an der noch ansteckenderen Hepatitis C erkrankt war. Der Physiker musste über Monate hinweg Medikamente einnehmen und Untersuchungen über sich ergehen lassen, die ihn psychisch stark belasteten. Angesteckt wurde er jedoch nicht.
Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte, der seit seinem 13. Lebensjahr Rauschgift konsumiert, gab als Hintergrund massive Entzugserscheinungen und Geldmangel an. In dem Prozess geht es auch um eine mögliche Sicherungsverwahrung. Bis kurz vor der Tat hatte er erst eine mehrjährige Haftstrafe abgesessen.
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: Hagmann; Roger