25. Juni 2008 Die Verantwortlichen hatten sich so ins Zeug gelegt: Die Baugenehmigung wurde in rekordverdächtiger Zeit erteilt. Der Urheberstreit mit den Elsaesser-Erben um Eingriffe in die Bausubstanz der Großmarkthalle wurde beigelegt. Und die EZB ließ schon einen Fuhrpark von Baufahrzeugen auffahren und hinter der Großmarkthalle mit dem Aushub der Baugrube und anderen Vorarbeiten beginnen. Sogar der Abriss der Anbauten der Großmarkthalle, dieses Backsteinmonuments der klassischen Moderne, ist mit Billigung des Denkmalamts schon im Gange. Doch nun liegen die schönen Pläne erst einmal auf Eis: Die Suche nach einem Großunternehmer, der den Neubau im Ostend zu einem akzeptablen Preis errichtet, ist bisher ergebnislos geblieben.
Um mindestens ein Jahr werde sich der Bau wohl verzögern, war gestern zu hören. Eigentlich wollte die Europäische Notenbank Ende 2011 umziehen. Bis zu diesem Termin sollte der von dem Wiener Büro Coop Himmelb(l)au entworfene 185 Meter hohe Doppelturm fertiggestellt sein. Die Großmarkthalle soll durch einen Riegel, der das denkmalgeschützte Gebäude durchdringt, in den Neubau integriert werden. Doch das Budget wurde von dem einzigen gültigen Angebot, das nach der internationalen Ausschreibung zur Bestimmung eines Generalunternehmers eingegangen war, so deutlich gesprengt, dass die Bank noch nicht einmal in Verhandlungen einstieg. Die Mitteilung, die die EZB gestern veröffentlichte, klingt dennoch wenig dramatisch. Verschiedene Optionen, etwa die getrennte Ausschreibung der einzelnen Gewerke, sollten nun zunächst geprüft werden, heißt es darin. Am Ende des Sommers will die EZB über das Ergebnis informieren.
Vielleicht wartet die Notenbank, bis die schlechten Wettbewerbsbedingungen in der Baubranche sich ändern. Die EZB ist offenbar selbst überrascht davon, dass kein zufriedenstellendes Angebot eingegangen ist. Eine Marktanalyse sei jedenfalls betrieben worden, heißt es. Dabei deutete sich in der Baubranche schon seit längerem an, dass sich die Suche nach Generalunternehmen für Großprojekte in Deutschland zunehmend schwierig gestaltet.
Dass sich die EZB doch noch umorientiert, um anderswo einen Neubau zu günstigeren Preisen zu bauen, steht nicht zu befürchten. Zu klar ist bisher das Bekenntnis für den Standort Frankfurt ausgefallen. Und auch die Vorarbeiten haben schon so viele Millionen Euro verschlungen, dass kaum mit einem Abbruch zu rechnen ist: 60 Millionen Euro hat die Bank für das Grundstück ausgegeben, 80 Millionen Euro haben die Planungen bisher verschlungen. Allerdings könnte es an dem Doppelturm zu weiteren Umplanungen kommen. Denn wenn, wie sich andeutet, das Budget nicht angehoben wird, müsste der Bau optimiert werden. In ihrer Mitteilung hebt die Bank ihre "entschiedene Verpflichtung zur verantwortlichen Nutzung von Ressourcen" hervor.
Die Reaktion der Stadt gestern war undramatisch: Es zeige sich, dass bei solchen Großprojekten immer wieder etwas Unvorhergesehenes passiere, sagte der Sprecher des Planungsamts und fügte hinzu: "Es wird offenkundig immer schwieriger, geeignete Bauunternehmer zu finden." Man hoffe, dass es nicht zu größeren Verzögerungen komme.
Text: F.A.Z.