10. November 2007 Der ehemalige Direktor des Frankfurter Zoos, Christian Schmidt, hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, in seiner Amtszeit seien Tiere nicht angemessen gehalten worden. Erstmals seit seiner Entlassung im März äußerte sich der Zoologe, der in Absprache mit seinen Rechtsberatern bisher geschwiegen hatte, da er mit der Stadtverwaltung über bestimmte Fragen Stillschweigen vereinbart hat. Mit seinem Ruf und dem des Zoos solle nicht gespielt werden, sagte Schmidt nun dieser Zeitung.
Vor allem die Vorfälle in der Veterinärstation, bei denen Schildkröten verendet sein sollen und deretwegen die Staatsanwaltschaft ermittelt, hatten ein schlechtes Licht auf Schmidt geworfen. In der vergangenen Woche hatte die Bild“-Zeitung ausführlich aus Dokumenten zitiert, die tierschutzrechtlich unerlaubte Zustände in der Veterinärstation belegen sollten. Die Geschehnisse dort sollen im März unter anderem zu Schmidts sofortigem Rücktritt geführt haben. Die Politik hatte sich niemals zu Details geäußert, die Rede war von teilweise gravierenden Defiziten“, unhaltbaren Zuständen“ und einer Krise“ im Zoo.
Hausverbot besteht nur teilweise
Der zuständige Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) hatte mehrfach gesagt, die Vorfälle in der Tiermedizin seien nur im Gesamtzusammenhang zu betrachten. Die Stadtpolitiker haben offenbar ebenso wie der scheidende Direktor so handeln wollen, dass der Ruf des Zoos und wohl auch der Schmidts nicht in Frage gestellt würden. Allerdings nahmen die Gerüchte schnell überhand, zumal Schmidt bei vollen Bezügen beurlaubt, nicht aber entlassen worden war. Auch ein oft zitiertes Hausverbot scheint nur teilweise zu bestehen – an den Sitzungen der Zoologischen Gesellschaft (ZGF), deren Leitung er angehört, hat Schmidt unbehelligt teilgenommen. Er bedauert nun, dass von den Fortschritten, die er in 13 Jahren erzielt habe, niemals gesprochen werde. Außerdem verletze es einen Tiergärtner, wenn ihm falsche Tierhaltung vorgeworfen werde: Was Semmelroth in diesem Zusammenhang für bedenklich halte, sei durchaus angemessen. Zudem seien viele seiner Pläne, oft aus Haushaltsgründen, gestrichen worden, so Schmidt.
Offenbar ist man sich jetzt in der Politik einig darüber, dass in den nächsten zehn Jahren rund 30 Millionen Euro in den Um- und Ausbau des Zoos fließen sollen. Auch die sogenannte Deckelung des Zoo-Budgets bei rund neun Millionen Euro, die das Land Hessen verhängt hatte, soll aufgehoben werden. Derzeit sehe die Politik den Handlungsbedarf, sagt der Interimsdirektor des Zoos, Bernd Schildger. Insofern sei es vielleicht ein historischer Moment“: Die Rahmenbedingungen für den Zoo sind derzeit sehr gut.“ Schildger sieht in einer Zusammenarbeit mit der ZGF eine Riesenchance“. Dies entspreche auch den internationalen Vorstellungen von Zoos als Naturschutzzentren. Die ZGF signalisiert, dass sie eine solche Funktion für Frankfurt unterstützen würde.
Klimaanlage und das Dach des Nachttierhauses marode
Die genannte Summe von 30 Millionen Euro beziehe sich auf den festgestellten Sanierungs-, Bau- und Unterhaltsbedarf“, sagte Schildger jetzt. Der stellvertretende Direktor Rudolf Wicker habe als Projektleiter mit einem Team jedes Haus im Zoo untersucht. Unter anderem müssten die Klimaanlage und das Dach des Nachttierhauses erneuert werden. Derzeit würden die betreffenden Magistratsvorlagen ausgearbeitet. Die in den vergangenen Tagen lautgewordenen Befürchtungen, seine Maßnahmen und die von ihm koordinierte Vision“ des Zoos nähmen einem künftigen Zoodirektor Handlungsspielraum, wies Schildger zurück: Es seien Voraussetzungen für einen schnellen Start geschaffen worden.
Vor allem ein Haus ist schon lange neu geordnet: die tiermedizinische Abteilung. Schildger hat kurz nach seiner Ankunft in Frankfurt den vormaligen Kurator und Veterinärmediziner des Zoos, Bernd Matern, aus der Pensionierung heraus“ um Hilfe gebeten. Matern habe die Abteilung inspiziert und saniert. Seither ist er mit Tierärztin Christina Geiger für die medizinische Versorgung zuständig. Rund 150.000 Euro soll die Neuaufstellung der Veterinärabteilung gekostet haben.
Besondere Abteilung der Stadtverwaltung
Weder die Arbeit der Tierpfleger noch die Tierhaltung außerhalb der Veterinärstation hätten je Anlass zur Klage gegeben, führte Schildger aus. Das allergrößte Potential der Zoos sind die Leute dort, also die Tierpfleger.“ Frühere Bauprojekte etwa seien vom Zoodirektor mit dem Architekten geplant worden. Die Folge seien Fehlplanungen gewesen, die etwa auch zu Unfällen im Katzendschungel geführt hätten. Nun würde jedes Vorhaben, etwa der Umbau des Eingangs, von Vorplanungen der fachkundigen Mitarbeiter begleitet. Die gesamte Organisationsstruktur des Zoos, bisher eine Verwaltungseinheit“, soll modernisiert und in Abteilungen gegliedert werden. Ein entsprechender Plan liege dem Kulturdezernenten vor, so Schildger, der sich auf ein Zitat Bernhard Grzimeks beruft: Wir sind eine Abteilung wie jede in dieser Stadtverwaltung. Aber eine besondere.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes, Julia Zimmermann