Frankfurt

Generalprobe für das Turnfest

Von Tobias Rösmann

Auch junge Sportler können beim Turnfest ihr Können zeigen

Auch junge Sportler können beim Turnfest ihr Können zeigen

26. Mai 2008 Ein Jahr vor Beginn des Internationalen Deutschen Turnfests haben die Stadt und der Deutsche Turner-Bund (DTB) für die Großveranstaltung geworben. Bei einem Pressegespräch sagte Sportdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU): „Nach den Turbulenzen der letzten Zeit ist es nun an der Zeit, nach vorne zu blicken.“

Ein kleineres Turn- und Spielfest, das am Samstag von 10 bis 17 Uhr auf dem Römerberg stattfindet, solle das Signal senden, „dass wir uns freuen und bestens vorbereiten“. Birkenfeld sagte, sie rechne fest damit, dass die Stadtverordneten die neue Magistratsvorlage mit den städtischen Kosten von 24,1 Millionen Euro am 19. Juni im Plenum verabschiedeten: „Wir haben jetzt eine realistische Einschätzung der Kosten. Ich gehe davon aus, dass das haltbar ist.“

Akteneinsicht soll Kostenchaos klären

Die neue Vorlage war nötig geworden, weil die Stadt für die vertraglich zugesicherten Leistungen mit dem DTB – vor allem das Bereitstellen von Veranstaltungshallen, Unterkünften und Infrastruktur – deutlich mehr als die bisher genehmigten 5,14 Millionen Euro ausgeben muss. Das magistratsinterne Kostenchaos hatte erhebliches Aufsehen erregt; ein Akteneinsichtsausschuss soll nun klären, wer dafür verantwortlich ist.

DTB-Präsident Rainer Brechtken sprach von einem „unangenehmen Thema“ und hob hervor, dass sein Verband damit nichts zu tun habe. Der Etat des Deutschen Turner-Bunds von rund 11,5 Millionen Euro, mit dem das Programm der vom 30. Mai bis zum 5. Juni geplanten Veranstaltung finanziert werde, sei ausgeglichen. Je eine Million Euro stamme von Stadt und Land Hessen, das übrige Geld werde über Teilnehmerbeiträge und Eintrittskarten für die Wettbewerbe eingenommen. Nach seinen Worten zahlt ein erwachsener Teilnehmer einen Beitrag von 45 Euro, hinzu kommen für jeden Einzelwettbewerb zehn Euro. Eine siebentägige Unterkunft in einer Frankfurter Schule inklusive Frühstück kostet für einen erwachsenen Teilnehmer 65 Euro, für einen Jugendlichen 39 Euro.

Brechtken sagte, bei der Akquise weiterer Sponsoren sei der DTB bereit, mögliche Zusatzeinnahmen „auch für vertraglich nicht vereinbarte Punkte zu nutzen“, also etwa für ein Programm am südlichen Mainufer. Er kritisierte indirekt den Magistrat wegen der nicht präzise öffentlich genannten Kosten: „Es ist ein Phänomen der Politik, dass sie erst Leistungen in GmbHs outsourct und dann die Kosten nicht mehr recht wahrnimmt.“ Das Wichtigste sei aber zunächst die Abstimmung am 19. Juni im Rathaus. Einen „Plan B“ für den Fall einer Ablehnung der Kostenvorlage habe er nicht, sagte Brechtken. „Ich bin ganz sicher, dass sich die Stadt vertragskonform verhalten wird.“

DTB benötigt etwa 6000 freiwillige Helfer

Zum Programm der weltgrößten Breitensportveranstaltung sagte der DTB-Präsident, die historische Botschaft des Turnens als „Angebot für alle“ solle auch 2009 weitergetragen werden. Dafür setze der Verband drei Schwerpunkte: Kinderturnen, Turnen als Wettkampf um deutsche Meistertitel und die „Gym-Welt“, in der gezeigt werden solle, wie man dank Gymnastik gesund älter werde.

Heiner Henze, der Geschäftsführer des Organisationsbüros für das Internationale Deutsche Turnfest 2009, warb um freiwillige Helfer. Der DTB benötige etwa 6000 Unterstützer, allein 3500 davon müssten sich um die Unterbringung von 55.000 bis 60.000 Teilnehmern in Schulen in Frankfurt und im Umland kümmern. Erwartet werden annähernd 100.000 Gäste, darunter 75 000 Teilnehmer. Interessierte könnten sich unter der Telefonnummer 67 80 42 52 melden oder sich im Internet unter der Adresse www.turnfest.de, Rubrik „Helfer“, eintragen.

Der Vorsitzende des Turngaus Frankfurt, Volker Gilbert, kündigte für Samstag auf dem Römerberg ein Bühnenprogramm, eine Ausstellung im Foyer des Römers und das eigentliche „Turn- und Spielfest“ an, bei dem vor allem Kinder mitmachen könnten. Der Historiker Thomas Bauer erinnerte an den ersten Turnplatz in Frankfurt, der im April oder Mai 1833 eingerichtet worden sei und der die nunmehr 175 Jahre alte Tradition begründet habe.

„Eine Woche Party“

Damals habe der Frankfurter Turnpionier August Ravenstein im Nordend einen Garten gemietet und zur „Wiege des Turnens“ gemacht. In der Ausstellung will Bauer in fünf Vitrinen rund 50 Objekte zum Thema Turnen zeigen. Was die Teilnehmer und die Stadt für das Turnfest 2009 erwarten können, beschrieb der Mannschaftsweltmeister im Trampolinturnen, Markus Kubicka: „Eine Woche Party. Ich liebe Turnfeste.“

175 Jahre Turn-Tradition in Frankfurt

Begonnen hat die Geschichte des Frankfurter Turnens im Jahr 1833. Damals mietete ein Herr namens August Ravenstein einen Garten im Nordend und machte diese Fläche zum ersten Turnplatz der Stadt. Seitdem ist die Zahl der Turner in Frankfurt kontinuierlich gewachsen. Laut Sportstadträtin Daniela Birkenfeld (CDU) bilden heute 72 Turn- und Sportvereine das „Turngau Frankfurt“; in diesen Vereinen seien etwa 47.000 Sportler organisiert, davon zirka 15.000 Kinder und Jugendliche.

Der größte Turnverein der Stadt ist nach Birkenfelds Worten die TG Bornheim 1860 mit etwa 14.000 Mitglieder; zweitgrößter Verein ist die FTG Frankfurt 1847, die nach eigenen Angaben mehr als 6600 Mitglieder zählt. Das erste Deutsche Turnfest wurde 1860 in Coburg ausgetragen. In Frankfurt werden die Turner im nächsten Jahr nach 1880, 1908, 1948 und 1983 zum fünften Mal gastieren. Die jüngsten Turnfeste fanden in Leipzig (2002) und Berlin (2005) statt. Die Geschäftsstelle des Deutschen Turner-Bunds befindet sich in Frankfurt. Seit 2001 steht Rainer Brechtken als Präsident an der Spitze des Verbands.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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