Kulturpolitik

Die Standortsuche für das Museum wird zur Machtfrage in Frankfurt

Von Hans Riebsamen und Tobias Rösmann

Das Degussa-Areal in Frankfurt: Als Standort des geplanten Museums der Weltkulturen umstritten

Das Degussa-Areal in Frankfurt: Als Standort des geplanten Museums der Weltkulturen umstritten

10. Juni 2008 Als Frankfurt Museumsstadt wurde, war das Museumsbauen noch einfach. Der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) schaute auf einer Liste nach, welches Museum als nächstes gebaut werden sollte. Dann beriet er sich mit Walter Wallmann, und der CDU-Oberbürgermeister machte sich den Plan in der Regel zu eigen. Danach besprachen die beiden mit Kämmerer Ernst Gerhardt (CDU) die Finanzierung des Projekts und erarbeiteten eine Vorlage. CDU und SPD stimmten dem Vorhaben schließlich mehr oder weniger freudig zu. Sehr vereinfacht gesagt, ist so das Frankfurter Museumsufer entstanden.

Heute möchten die Fraktionen mitreden. Im Falle des geplanten Museums der Weltkulturen haben die Stadtverordneten von CDU und Grünen, an der Spitze die Fraktionsvorsitzenden, den Plan von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) torpediert, das neue Ausstellungshaus auf dem Degussa-Areal in der Innenstadt von einem Privatinvestor bauen zu lassen. Zuvor schon hatten die Grünen einen Erweiterungsbau am alten Standort am Museumsufer verhindert; für viele wäre ein Bau dort nach wie vor die nächstliegende und beste Lösung.

Heine: Vielzahl neuer offener Fragen

Nun steht die Stadt wieder am Anfang. Und das Verhältnis zwischen Oberbürgermeisterin Roth und der CDU-Fraktion ist abermals beschädigt worden. Oft in den vergangenen Monaten hat es zwischen beiden Seiten gerumpelt. Zuweilen so heftig, dass manche die CDU-Fraktion schon als bessere Opposition gegen die eigenen Magistratsmitglieder bezeichnen. Dass der Investor DIC am Montag sein Angebot für ein Miet- oder ein Mietkaufmodell auf dem Degussa-Areal zurückzog, ist machtpolitisch auch eine Niederlage für Petra Roth und ihre Magistratskollegen in den Fachgebieten Planung, Kultur und Finanzen.

Entsprechend reserviert äußert sich Roths Büroleiter Peter Heine zu dem neuen Vorschlag des Offenbacher Oberbürgermeisters Horst Schneider (SPD), das Museum der Weltkulturen auf der Hafenmole in Offenbach zu errichten. „Wir hatten etwas, das war greifbar nahe mit einer Option für 2012“, sagt er, „jetzt gibt es eine Vielzahl neuer offener Fragen mit offenem Zeitpunkt.“ Unklar sei zum Beispiel, wie ein Museum auf der Hafenmole beschickt werde. Schließlich gehörten alle Exponate der Stadt Frankfurt. Samt der Erschließung des Geländes am Offenbacher Hafen rechne er zudem mit Kosten von mehr als 100 Millionen Euro, die allerdings bei einem Projekt der ganzen Region nicht von Frankfurt alleine zu tragen wären. „Der Plan ist sicher nicht auf Bescheidenheit angelegt.“ Das ist ein Seitenhieb in Richtung all derer, die einen Bau auf dem Degussa-Areal zu teuer fanden.

Schwäche der Stadtregierung

Ob Roth nun frustriert sei? Ob sie sich klarere Warnsignale von der Fraktion erwartet habe? Ob es intern weitere Gespräche zwischen Fraktion und Oberbürgermeisterin gegeben habe? Kein Wort sagt Heine zum offensichtlich gestörten Verhältnis seiner Chefin zu ihrer Fraktion. Für den Investor dagegen äußert er Verständnis. Nach Bekanntwerden des Offenbacher Standort-Vorschlags habe sich die DIC nicht mehr darauf verlassen dürfen, „dass in überschaubarer Zeit eine Ja- oder Nein-Entscheidung fällt“.

Die Schwäche der Stadtregierung ist die Chance der Opposition. Die SPD hat sie zu nutzen versucht und in dem von Schwarz-Grün verursachten Wirrwarr einen Vorschlag zur Ordnung gemacht. Der Magistrat möge die vorgeschlagenen Museumsstandorte nach Eignung, Attraktivität, Kosten und Erreichbarkeit vergleichen, verlangten die Sozialdemokraten in einem Antrag. Einbezogen werden sollten das derzeit zur Diskussion stehende Grundstück an der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend (auf dem sich derzeit das Bordell „Sudfaß“ befindet), die Hafenmole in Offenbach und ein Areal der städtischen Hafenbetriebe am Mainufer zwischen Deutschherrnbrücke und Honsellbrücke; die Sozialdemokraten wollen es auf jeden Fall als Reservefläche für künftige Museumserweiterungen gehortet sehen.

Grüne: Vernünftige und solide Standortanalyse

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Frank findet es zwar schade, dass die DIC abgesprungen ist, weil dadurch der „Ideenvorrat etwas kleiner geworden“ sei. Andererseits gebe es ja noch viele andere Möglichkeiten. Um diese zu bewerten, müssten nun „alle Fakten aller Standorte auf den Tisch“. Denn bisher habe der Magistrat um Petra Roth den Koalitionsfraktionen nur „Teile der Fakten“ präsentiert. Für Frustration bei der Oberbürgermeisterin, die sich persönlich für das Degussa-Areal stark gemacht hatte, sehe er keinen Grund. „Manchmal knirscht es eben im Maschinenraum.“

Die Grünen wollen nun fraktionsintern die verbliebenen Optionen besprechen. Notwendig sei eine vernünftige und solide Standortanalyse, sagte ihr Fraktionsvorsitzender Olaf Cunitz. Ein Umschwenken seiner Partei auf den alten Standort am Museumsufer hält er allerdings für unwahrscheinlich.

Doch genau diesen Standort halten die Sozialdemokraten nach wie vor für den richtigen. Schließlich hatten sie ihn damals, als sie noch zusammen mit den Grünen regierten, als Bauplatz bestimmt. Als Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) Anfang der neunziger Jahre Stunden vor Baubeginn die Notbremse zog, weil er glaubte, Frankfurt könne die Kosten nicht meistern, waren sogar schon Bäume auf dem Grundstück gefällt worden. Mit Zustimmung der Grünen übrigens. Anderthalb Jahrzehnte später wenden sich die Grünen nicht zuletzt gegen den Standort, weil für dessen Bebauung noch ein paar Bäume gefällt werden müssten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

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